Weihnachten 2011

Mein liebster Ehemann Re ist schon seit einigen Jahren begeisterter Dampfschiff-Fan. Er ist der geborene Sammler, und das Sammeln von Dampfschiff-Mitfahrgelegenheiten finde auch ich sehr toll, man kommt an die schönsten Orte und Seereisen habe ich schon immer gern gemacht. Er hat auch schon ein Sabbatical eingezogen und war einige Monate mit unserem alten VW-Bus in Skandinavien unterwegs, mit einer Liste voller Dampfer-Namen und einer Landkarte. Er ist einfach dem Rauch und dem Dampf und dem Geruch von heissem Öl gefolgt, immer der Nase nach... Ich habe während dessen zu Hause Geld verdient, und jeden Abend habe ich ein sms mit seinem Standort erhalten, ein Fähnchen in die grosse Landkarte in der Küche gesteckt, und einen roten Faden gespannt. Ab und zu habe ich ihn auch dort oben im hohen Norden besucht, und schliesslich kam er - wie ein zuverlässiger Zugvogel - wieder zu mir zurück in den Süden. Noch ein paar Jahre arbeiten, er wird nächstes Jahr 60, da muss man langsam an die Pensionierung denken. Und da ich keinesfalls möchte, dass mir dann ein unterbeschäftigter Schnattersack auf den Füssen herumtanzt und mir nach Feierabend erzählt, was er denn so den ganzen Tag getrieben hat... Ein Hobby muss her, eines, das ihn möglichst umfassend beschäftigt!

 

Eines Abends ruft Beat Bolzern an, ihn und seine Frau Martha haben wir vor ein paar Jahren auf einer Nil-Reise mit dem Dampfschiff "Karim" kennengelernt. Er ist im VSD (Verein Schweizer Dampfboote), und er wusste, dass wir uns ganz zart vielleicht für ein Dampfboot interessieren, dann mal, wenn wir pensioniert und alt sind, in ein paar Jahren, eventuell, und sobald wir dann am See wohnen, und es uns leisten können, möglicherweise. Er erzählt, dass ein sehr schönes kleines Dampfboot vom Zürichsee nach Brasilien verkauft werden soll, so schade sei das, der Besitzer sei gesundheitlich angeschlagen, und das sei doch ganz genau das Richtige für René! Der sagt zuerst mal "nein", zu früh, zu teuer, er komme auch gar nicht draus, keine Zeit, ein Wasserplatz am Bodensee ist unmöglich zu bekommen, und überhaupt. Aber irgendwie reizt ihn das Ganze doch, er ruft die Nummer an - und dann geht alles ganz schnell. Er sieht die "Lady Makepeace" in einer Schreinerei in Feldmeilen, ein coup de foudre, absolute Liebe auf den ersten Blick. Er ruft mich bei der Arbeit an, sagt: "das will ich!", und das wars. Ich habe das Ding noch nicht mal gesehen! Per Handschlag wird das Geschäft besiegelt. Wir kratzen unser Geld zusammen, jeder die Hälfte. An Weihnachten gehen die Ex-Besitzer Peter und Christine Sennhauser und die Neubesitzer René und Kim Widmer zusammen essen, und ein grossartiges Dampfschiff samt Zubehör, Trailer, Holz und Kohle, Messing und roten Polstern und kleinem Perserteppichli und allem drum und dran gehört uns! René reist ein-zweimal nach Feldmeilen zum Üben - immerhin ist er das totale greenhorn mit den "Hebammenfingern", keine Erfahrung mit Maschinen, Dampf, keine Ingenieur- oder Maschinenbau-Ausbildung, absolut rein gar nichts. Einmal gehe ich mit und sehe mir das Bootchen an. Und erleide einen ziemlichen Schock. Das Ding ist ja VIEL grösser als ich dachte! Wie es da auf seinem Trailer steht, mit dem Dach und dem Kessel und dem Kamin und dem Kiel - oh je oh je, was haben wir uns da nur angetan! Wenn man nur einmal nicht aufpasst, was dieser Mann von mir so unternimmt...!!! Er ist ungerührt und weiterhin voll Herzblut dabei, "sein" Schiffli wird mir begeistert gezeigt. Die Einzelteile sind aus England importiert und hier am Zürichsee zusammengesetzt worden. Für den Einbau des Kessels hat Peter sogar den berühmten Alec Ritchie in die Schweiz geholt. Die liebevoll gearbeiteten Holzaufbauten sind aus Mahagony, das leicht geschwungene Dach aus Vogelaugen-Ahorn, die Details perfektionistisch passend und meist aus Messing. Der Vorbesitzer hat so viel Zeit in den Schiffs-Bau gesteckt, dass seine Frau schlussendlich damit drohte, nach England zurück zu kehren, wenn er nicht endlich mal wieder etwas mit ihr unternehme. So kam es auch zum Namen: "Lady, make peace..."

 

Und jetzt gehört sie uns, die "Lady Makepeace". Nur das mit dem Platz am Bodensee, das macht uns grosse Sorgen. Man kann bis zu zwanzig Jahre lang auf einer Warteliste stehen, und Bootsplätze in begehrten Gemeinden werden sogar von Vater auf Sohn vererbt... Und unterdessen erfahren wir, dass uns der Dampfboot-Verein schon mal vorsorglich und ohne unser Wissen für die "arbon classics" im April angemeldet hat. Die sind im Verein so erfreut, dass dieses wunderschöne Schiffli nicht nach Brasilien geht, dass sie sich von ihrer Begeisterung mitreissen liessen. Das klappt schon irgendwie! Schiff ist noch am Zürichsee? Das wird schon! Eigner haben keine Ahnung von der Materie? Ach was, die lernen das schnell! Und wir, was machen WIR jetzt? Wieder ein guter Tipp von Beat Bolzern: in Güttingen gibt es noch ein Dampfboot, die "Heureka" von Hansueli und Ruth Renz. Vielleicht haben die ein bisschen Beziehungen oder Einfluss oder so? Wir telefonieren, und die beiden sind wirklich nett. Sie können zwar auch nicht zaubern und uns einen Platz verschaffen, aber sie kennen den Hafenmeister, unser Schiff ist ja ganz schmal, wir sind auch sehr nett und flexibel, und ZWEI Dampfboote in einem Hafen ist sowieso eine absolute Seltenheit - auf jeden Fall kriegen wir erstaunlicherweise für ein paar Wochen einen Wasserplatz in Güttingen, bis Anfang Juni, dann wassert der rechtmässige Mieter ein. Aber wenigstens können wir ein bisschen üben, und an der "arbon classics" teilnehmen, und dann sehen wir eben weiter. Die "Lady Makepeace" wird von Peter Sennhauser an den Bodensee getrailert und eingewassert. Es ist ein trüber nasskalter Tag, und einmal im Wasser sieht sie in ihrem massgeschneiderten roten Mänteli (ok, Persenning, jetzt muss ich auch noch Fachausdrücke lernen!) gar nicht mehr so gross aus. Tief durchatmen, wir halten uns an der Hand, betrachten unser ganz eigenes Dampfboot, und : DAS ABENTEUER KANN BEGINNEN!

 

Heute gelernt: Manche Dinge gehen viel schneller, als man denkt!

 

 

Technische Daten des Dampfbootes "Lady Makepeace"             

 

Eigner: René und Kim Widmer, CH-8500 Frauenfeld

 

Standort: Wanderboot, Bodensee, 2012 Güttingen, 2013 Altnau, 2014 Güttingen, 2015 Güttingen

 

Rumpf: Frolic 21, gebaut 1989 - 1990 durch Steam & Electric Launch Co., Wroxham GB

 

Länge: 6,40 m

 

Breite: 1,67 m

 

Tiefgang: 53 cm

 

Ausbau in Mahagony durch den vorherigen Eigner

 

Maschine: Stuart Turner 6A. Gebaut 1989 durch Alex Ritchie, Wrabness, GB / 2 Zylinder Verbundmaschine, Ø 2,5 "+ 4". Hub 3". Leistung bei 450 U/min 5 PS.

 

Stephenson Steuerung. Flachschieber. Kondensator. Speise- und Vakuumpumpe

 

Kessel: Kingdon Rauchrohrkessel Typ VFT. Gebaut 1989 durch Langley Engineering, Stornigton, GB

 

Holzbefeuerung

 

Antrieb: 3-Blatt-Bronze-Propeller, Ø 16" x 26".

 

Besonderes: Das Boot wurde als Bausatz aus England importiert und in etwa 1000 Arbeitsstunden durch den vorherigen Eigner ausgebaut. Eingewassert im Mai 1990

 

 

Beschreibung unseres Dampfbootes            

 

Ungefähr so erschienen als Artikel in der Zeitschrift "DAS" (Dampf auf Seen, Herausgeber Aaron Aebi)

 

Die grosse Home-Story der "Lady Makepeace"!

 

Wir beide haben uns auf Anfrage gerne bereit erklärt, einen kleinen "Lady Makepeace"-Artikel auch für das Dampfboot-Magazin "DAS" zu schreiben. Da wir beide zu gleichen Teilen Besitzer unseres Dampfbootes sind, kommt es - wie auf dem Schiff - auch hier zu einer korrekten Arbeitsteilung: René ist für den Brennstoff, das Material, die Dampfmaschine und das Polieren des Messings zuständig. Er liefert die harten Fakten und kopiert die "Technische Daten"- Liste. Und Kim macht die public relations, und darum schreibt sie auch den Bericht über das interior design (ok, die Inneneinrichtung).

 

Und die ist so:

 

Die "Lady" besteht - neben all den glänzenden Messingteilen - aus viel seidig schimmerndem Mahagony und einem von mir sehr geliebten Dächlein aus Vogelaugen-Ahorn (jawohl, genau so heisst das!) In der hinten gelegenen Gäste-Abteilung (na ja...) liegt ein gut passender kleiner (Perser-?) Teppich mit Fransen, die Bänke sind mit dunkelroten massgeschneiderten Polstern belegt, diese stammen noch vom Vorbesitzer. Von mir dazu gekommen sind (ausser dem Teppich) ein paar originelle Kissen, die ich aus der alten verfetzleten Thurgauerfahne vom Güttinger Hafen genäht habe. Die Löwenköpfe und - pfoten sind witzig, die Kissen dekorativ verteilt, aber benutzen darf man sie natürlich auch. Da die Sommer auf dem See ja echt heiss sein können, lege ich jeweils ein paar meiner Strohhüte bereit, unsere Passagiere sollten es ja geniessen... Und dann kam meine Schwägerin Nicole, mit Ehemann, mit ziemlich wortkargem Teenager-Sohn, und mit Hund. Der Hund war eigentlich ganz nett, so was Kleines, Aprikosenfarbiges, Pudelartiges. Er entpuppte sich als sehr braver See-Hund, muss man sagen. Aber Nicole - sie setzte sich auf die Bank, blinzelte in die Sonne - und spannte ihren Regenschirm auf! Ein ganz fürchterlich knütsch-oranger zerfranselter Knirps - es gab mir einen (Regen-Schirm-Spitzen)-Stich mitten ins Herz! So was grässlich Hässliches auf meiner durchgestylten "Lady"... Aber die IDEE selbst, die Idee war echt gut! Und jetzt habe ich einen wunderschönen beige gemusterten Pagodenschirm unter dem Sitz parat, um die zarte Haut der Touristinnen vor der Sonne zu schützen (von der Dänin Lisbeth Dahl, die ist auch im internet, falls die Idee Schule machen sollte)!

 

Jetzt wechseln wir den Standort, am glänzenden Kessel, an der rot-dunkelgrün lackierten Maschine und den beiden echten Messing-Petrol-Positions-Lampen vorbei balancieren wir vorsichtig zum Bug und meinem Lieblingsplatz.

 

In den längs-seitlichen Bänken ist unser Holz gebunkert - ich hatte sie in Gedanken schon mit vielen netten Sachen gefüllt, aber René hat den Stauraum konfisziert. Na ja, irgendwo muss er das Holz ja versorgen... Aber ein bisschen Raum habe ich schon noch bekommen. Hier vorne im "Spitz" ist mein englischer Picnic-Koffer mit dem Porzellan-Geschirr für zwei Personen. Wenn wir Gäste haben, gibt es die Verpflegung von Bananenblättern-Einweg-Tellern. Sieht auch sehr hübsch aus. Ein paar zusätzliche Gläser und Besteck habe ich auch noch irgendwo. Meist gibt es etwas Kaltes, Nudel- oder Reissalat, oder Sandwiches. Aber: ich habe auch noch meinen echt grossartigen Windermere-Kettle! Hach, der ist toll!Mit einer Spirale, durch die Dampf geleitet wird, hat man im Handumdrehen heisses Wasser und kann es aus einem kleinen Hahn in die Tassen füllen. In ein paar alten Blechdosen (ja, zum Boot passend, ist schon klar) sind die Zutaten für Tee, (Pulver)-Kaffee, Bouillon und Tassensüppli versorgt. Sogar eine winzig kleine Bar ist da, eine Vollmond-Fahrt ist doch erst mit einem Kafi Baileys oder einem Tee-Rum richtig perfekt... Aus dem Windermere-Kettle habe ich sogar schon mal heisse Wienerli - mit Kartoffelsalat - serviert. Die Würstli sollten im Plastik heiss gemacht werden, sonst schmeckt der Tee danach ziemlich metzgerisch, aber sonst geht es ganz wunderbar! Ein Tipp der perfekten Hausfrau (mein Lieblings-T-Shirt hat die Aufschrift "Lesen statt Putzen"): es geht schneller, wenn man den Kartoffelsalat kauft und in ein Tuppergeschirr umfüllt. Dann nimmt man freundlich lächelnd die Komplimente entgegen. Wenn man nichts dazu sagt, ist es im Fall nicht gelogen!

 

Was hat es sonst noch auf unserem Dampfboot? Ach ja, geflochtene Fender aus Hanf (nicht Plastik!), viele Seile (die sichtbaren von mir ordentlich zu Schneggli aufgerollt) und Schnüre mit Knoten drin hat es auch auf der "Lady Makepeace". Jetzt geht wieder ein Aufschrei durch die Leserschaft: das heisst "Tauwerk", und damit macht man einen "Spring" und einen "Stek" und so... Habe ich mir zu Herzen genommen und ein Knotenbuch gekauft. Und mich natürlich sofort in den für ein Dampfschiff ziemlich ganz unnötigen "monkey fist"-Knoten verliebt. Meine allererste Monkeyfist habe ich stolzgeschwellt gleich ins Logbuch geklebt... heute kann ich es besser, da ist der Knoten dreidimensional, nicht wie der erste! Aber auch das erste "Gnuusch im Fadechörbli" war genau nach Anweisung geknüpft, ganz sicher! Die Nachfolger-Knoten erhielten etwas Unterstützung von you-tube, und jetzt besitze ich ganz viele dieser hübschen Kugeln in verschiedensten Grössen und weiss nicht, was ich damit machen soll... und das mit dem Stek oder dem Mastwurf, das kommt dann auch noch!

 

Und was haben wir nicht? Ich hätte gerne irgendwann eine Schnur, ein Seil, ein dünnes Tau über dem Dach, daran könnte ich an Festivals kleine Buchstaben-Flaggen aufhängen, wie es der "Steamy" an seiner Jungfernfahrt hatte. Das würde mir gefallen! Habe ich aber nicht. Ebenfalls hätte ich gerne ein paar (solar-betriebene) kleine Lampions am Rand des Dächlis, wegen der Romantik. Habe ich auch (noch) nicht. Dann haben wir auch kein WC - aber einen zusätzlichen Wasserschöpfer. Ich hatte in meiner Jugend mal eine Affäre mit einem Segler. Sehr romantisch, beinhaltete vor allem stun-den-lan-ge abendliche und nächtliche Segeltörns. Ja ja... Da lernt man das mit dem Wasserschöpfer. Und keine Badeleiter. Die hätte ich gerne, ohne kommt man fast nicht mehr aus dem Wasser an Bord. Haben Renés beide Brüder erlebt. Kräftige Männer mit guten Oberarmen, die von ihren Ehefrauen und Schwägerinnen zurück ins schaukelnde Boot gezerrt wurden, besonders der Knick über den etwas runden Bäuchen war schwierig... eine Badeleiter, ja eben. Die habe ich unterdessen bekommen, als wunderbares Geschenk zum 50. Geburtstag. Aber keine doofe Chromstahl-Leiter, oh nein. Ich habe eine mit Seilen und Holz-Tritten und so. René plante eh mal einen Trip nach Hamburg zu "Toplicht", weil er eine neue Petroleum-Lampe brauchte (eine der beiden Ursprünglichen haben wir versenkt...), dort hat er gestöbert, und tatsächlich eine tolle Leiter gefunden, die mir schon viele schöne Stunden im Bodensee ermöglicht hat. Für weiteres Zubehör müssen wir halt nach Windermere und dort suchen. Für ein perfektes Dampfboot wie unseres müssen gewisse Opfer gebracht werden. Ausserdem soll dort ein wunderschönes Feriengebiet mit vielen Seen und Dampfschiffli und tollen Landschaften sein...

 

Heute gelernt: für mich das Allerbeste an der "Lady Makepeace", das ist natürlich der Kapitän mit dem finnischen Birkenrindenhut und dem glücklichen Lächeln!

 

 

Samstag, der 05. Mai 2012

Wir nehmen an der "Arbon Classics 2012" teil! Als stolze Neu-Besitzer des Dampfschifflis „Lady Makepeace" und ganz und gar unbedarfte Anfänger in Sachen dampferlen… und wir sind ja so stolz auf unser wunderschönes Boot. Das Mahagony schimmert seidig, das Messing glänzt. Die Überfahrt vom Güttinger Hafen hat gut geklappt, und nun liegen wir zusammen mit der "Heureka" und der "Liberty Belle" für ein paar Tage im Arboner Hafen. Es wird Zeit, die Zuschauer sind zahlreich erschienen, René heizt mutig ein, und unter den wachsamen Augen von Hansueli (Renz) und Beat (Bolzern) tuckern wir eine Runde durch den Hafen. René ist stolz wie ein Schneekönig und steuert und feuert und dampf-pfeift und winkt den Leuten auf der Mole zu. Ein bisschen viel auf einmal… Kim sitzt dekorativ im Bug und gibt hilfreiche Kommentare ab: „…ui ui ui… Achtung… da vorne… rechts äh links… au je au je…" und die „Lady Makepeace" schrammt tschädderäbäng der Hafenmauer entlang. Totenstille plötzlich dort oben unter den Zuschauern. Und dann eine halblaute Bemerkung: „da Schiffli händ er aber no nöd so lang, gäll?" Die allerersten Kratzer im Messing, zum Glück nur ganz kleine! Aber unsere erste Gästefahrt mit Elisabeth (Müller) und Pilatus-René (Weber) – wir haben die beiden vorher gewarnt, im Fall! – verläuft dann doch ganz ohne Zwischenfälle...

 

Heute gelernt: Falls man in Panik gerät, dreht man das Steuerrad garantiert falsch herum!

 

 

Montag, der 07. Mai 2012

Heute ist unser Hochzeitstag, der erste, seit wir Dampfbootbesitzer sind. Wir haben noch ein paar Tage Gastrecht in Arbon und fahren zusammen mit der „Heureka" und der „Liberty Belle" nach Altenrhein. Wetter gut, Feuer gut, Laune gut, – Wasser nicht gut. Der Spiegel im Schauglas sinkt und sinkt, das Wasser im Hotwell geht runter und runter. René guckt besorgt (wichtigste Regel für den Dampfer-Kapitän: immer genug Wasser im Kessel!), Kim ist hilfreich: „ui ui…, äh…, uuuuhhhh…" (ich bin bis jetzt nur das Schiffsmädchen, ich habe noch keine Ahnung vom dampferlen!) Immerhin gebe ich einen guten Rat: Beat fragen! Er ist schliesslich so etwas wie unser Dampfer-Götti, er soll uns gefälligst helfen! Also: Maschinchen beschleunigen, Richtung „Liberty Belle" rasen, verzweifelt pfeifen und panisch winken. Beat ist cool as a cucumber. Kein Wasser im Kessel, so so. Er löffelt seelenruhig seine Bouillon aus, übergibt der zuverlässigen Martha sein Boot, und hüpft mal rüber. Studiert die Dampfmaschine, sind ja alle ein bitzeli anders. Könnte das sein – nein, alles ok. Könnte das andere sein – nein, auch in Ordnung. „Wann habt ihr denn das letzte Mal den Hotwell nachgefüllt?" Hä? Was nachgefüllt? Wo nachgefüllt? Wieso nachgefüllt? Und Beat erklärt. Von der Pumpe, dem Ventil, dem Überlauf, den Röhrchen, dem Spiegel im Schauglas… Und plötzlich ist alles logisch. Und problemlos. Kim übernimmt das Wasser, René übernimmt das Feuer, Beat übernimmt Martha und die „Liberty Belle" – und der Tag (und unser Dampfboot) sind gerettet und das Leben ist wieder wunderschön!

 

Heute gelernt: Wasserkreislauf – das kleine Hähnlein dort braucht viel Gefühl!                

 

 

Freitag, der 11. Mai 2012

Wir sind, wann immer es unsere Arbeit möglich macht, auf unserem Dampfboot. Entweder - falls die Zeit knapp ist – zur Mahagony-Pflege und zum Messing polieren (René) oder auf den roten Samtkissen ruhen und lesen (Kim), oder sonst natürlich zum anfeuern und ausfahren. Auch wenn es nur eine kleine Runde ist, mit Sandwiches, Flauder für Kim und Bier für René. Oder keinem Bier für René… Dieses gepflegte Leinen-Kesseli namens „Nauticalia" ist doch wohl zum Kühlen von Getränken im See gedacht? Seil dran knüpfen, Bierflasche rein stellen, absenken. Picnic-Koffer auspacken: auf der „Lady Makepeace" isst man auch Sandwiches von Porzellan-Tellern, alles andere würde sie uns übel nehmen, so elegant wie sie ist! (ok, vielleicht sind wir übertrieben stolze Besitzer – aber nur ein bisschen!) Und am Schluss das schöne kühle Bier wieder an Bord holen. Das Stoff-Eimerchen ist noch am Seil, das Bier ist kühl und unten bei den Fischen. René ist sprachlos und hätte dann gerne, dass Kim zum Grund taucht und die Flasche sucht. Tut sie nicht. Er bekommt dafür die Hälfte ihres lauwarmen Flauders...

 

Heute gelernt: Getränke kühlen ist nicht einfach, und Haubentaucher können lachen, ganz sicher, und ihre Bibeli auch!

 

 

Montag, der 11. Juni 2012

Dampfboote fallen ja schon sehr auf – zum Glück positiv ( bis jetzt wenigstens. Mal sehen, was unsere vornehmen Nachbarn sagen, wenn ihre schneeweissen Yachten mal aussehen wie ein Dalmatiner-Hund!) René ist natürlich vor Stolz geschwellt, so als Kapitän mit Birkenrinden-Hut. Er rüttelt ein bisschen an der Glut, öffnet ein bisschen die Ventile, damit es schön zischt, winkt ein bisschen, dreht ein bisschen am Steuer, ruft nette Bemerkungen, betätigt ein bisschen die Dampfpfeife, umfährt elegant ein paar Schiffe und Steine – und dann sieht er einen Fleck auf dem weissen Chämi! Der Fleck ist dunkelweiss (sagt Kim) bzw tiefschwarz (sagt René), auf jeden Fall muss er sofort weg (wie René sagt) und es kann auf keinen Fall warten bis nach der Hafenausfahrt (wie Kim sagt). Wir liegen elegant in die Kurve, die Pfeife wird betätigt, die Leute schauen und winken, der Fleck wird mit einem Lappen gepützelt – und draussen auf dem See, sobald uns niemand mehr sieht, muss Kim die lange Brandwunde am Unterarm des Kapitäns mit Flammazine-Salbe verbinden. Sie hat genau die Form des Dampf-Boot-Pfeifen-Messing-Röhrchens, das dem Kamin entlang verläuft… Die Brandnarbe sieht man noch nach Tagen. Aber der Fleck ist weg, das muss Kim zugeben.

 

Heute gelernt: Männer können – und sollen! – nicht einen Haufen Dinge gleichzeitig machen!

 

 

Freitag, der 15. Juni 2012

Heute planen wir eine ganz romantische Abendfahrt, nach Romanshorn, und dann dem Sonnenuntergang entgegen zurück nach Güttingen. Eine kleine Runde um die Hafenglocke, und wir machen uns auf den Rückweg. Ein wundervoller Abend, goldenes Wasser, alles ruhig, so friedlich, wir zünden schon mal die rote und grüne Positionslampe an – Petroleum natürlich – und dampferlen zufrieden vor uns hin. Der Druck sinkt auf vier Bar, René heizt. Der Druck sinkt auf drei Bar, es wird langsam dunkler. Der Druck sinkt auf zweieinhalb Bar, die Sterne gehen auf. Der Druck sinkt auf zwei Bar, René heizt wie verrückt. Der Druck sinkt auf gut ein Bar, das Maschineli stampft tapfer vor sich hin. Güttingen ist weit, der Ofen ist heiss, die Stirnen sind besorgt gerunzelt. Und was machen wir jetzt? Wasser gut, Feuer gut, Nacht fortgeschritten, Positionslichter farbig, Druck mies bis ganz mies. Maschine aus, vielleicht steigt der Zeiger ja wieder. Schöne Stimmung. Kein Anstieg des Druckes. Aber Anstieg der Hitze. Und Anstieg der Panik. Und die Zeit schreitet voran. Seepolizei? Oder der Kollege mit dem Motorboot zum Abschleppen? Oder ankern und übernachten? Es ist 22.20. WER ist unser Dampfer-Götti? WER soll uns jetzt gefälligst helfen? Beat sitzt zu Hause auf dem Sofa und ist noch wach. Cool wie immer. Ein paar Fach-Fragen, dann haben wir das Problem: Flammrohre verrusst! Kann man im Moment nichts machen. Wir sollen einfach weiter tuckern, eventuell kommen wie ja noch bis in den Heimathafen, sonst sehen wir dann eben weiter. Nur keine Panik, nützt eh nichts. Kann er gut sagen, so auf seinem Sofa! Wir tuckern also. Mit einem halben Bar. Kim sitzt im Bug und deklamiert aus „John Maynard": „…ein Qualm, dann Flammen lichterloh, und noch zwanzig Minuten bis Buffalo! „ … "ein Jammern wird laut, „wo sind wir? Wo?" Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo!" René murmelt etwas nicht Druckbares. Lichter, Pappeln, Ufer, alles unbekannt so im Dunkeln. Die Dampfmaschine stampft durch die sternenklare, laue Nacht. Und dann: Güttingen! Man glaubt es kaum, die kleine „Lady" hat es tatsächlich geschafft, ganz langsam, und mit dem letzten Schnuuf! Wir fahren ein, an einem jungen Paar mit Plastikmotorboot vorbei, das in den Steinen an der Hafeneinfahrt hängt und uns fragt, wo sie denn hier eigentlich seien. An den Yachten mit den weintrinkenden Paaren vorbei – „jööh, lueg emol wiä romantisch!" Mit einem selbstbewussten Schlenker direkt in unsern Platz (manövrieren wäre bei keinem erkennbaren Druck auch nicht mehr möglich gewesen…) Aufatmen. Jesses, wer hätte gedacht, dass Dampfschiff-fahren so ein Abenteuer ist! Beat kriegt noch ein sms. Er schläft schon, schliesslich ist jetzt 00.30…

 

Heute gelernt: Dampfbootli funktionieren auch mit viel weniger Druck als wir dachten. Sie brauchen aber auch viel mehr Zeit als wir dachten!

 

Die ganze, bewegende Ballade John Maynard, von Theodor Fontane, aus dem die Zitate während dieser denkwürdigen Nacht stammen (immerhin geht es um ein Dampfschiff!)

 

John Maynard!

 

Wer ist John Maynard?

 

"John Maynard war unser Steuermann,

 

Aushielt er, bis er das Ufer gewann,

 

Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,

 

Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.

 

John Maynard."

 

Die Schwalbe fliegt über den Eriesee,

 

Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;

 

Von Detroit fliegt sie nach Buffalo - Die Herzen aber sind frei und froh,

 

Und die Passagiere mit Kindern und Fraun

 

Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,

 

Und plaudernd an John Maynard heran,

 

Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"

 

Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:

 

"Noch dreissig Minuten ... halbe Stund."

 

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -

 

Da klingt's aus dem Schiffraum her wie ein Schrei,

 

"Feuer!" war es, was da klang,

 

Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,

 

Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,

 

Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo. -

 

Und die Passagiere, buntgemengt,

 

Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,

 

Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,

 

Am Steuer aber lagert sich's dicht,

 

Und ein Jammern wird laut:"Wo sind wir? Wo?"

 

Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

 

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,

 

Der Kapitän nach dem Steuer späht,

 

Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,

 

Aber durchs Sprachrohr fragt er an:

 

"Noch da, John Maynard?" "Ja, Herr. Ich bin."

 

"Auf den Strand! In die Brandung!" "Ich halte drauf hin."

 

Und das Schiffvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"

 

Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -

 

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's

 

Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"

 

Und in der Brandung, was Klippe, was Stein,

 

Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.

 

Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.

 

Rettung: der Strand von Buffalo!

 

Das Schiff geborsten.

 

Das Feuer verschwelt.

 

Gerettet alle.

 

Nur einer fehlt.

 

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n

 

Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,

 

Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,

 

Ein Dienst nur, den sie heute hat:

 

Zehntausend folgen oder mehr,

 

Und kein Aug im Zuge, das tränenleer.

 

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,

 

Mit Blumen schliessen sie das Grab,

 

Und mit goldner Schrift in den Marmorstein

 

Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:

 

"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand

 

Hielt er das Steuer fest in der Hand,

 

Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,

 

Er starb für uns,unsre Liebe sein Lohn.

 

John Maynard!"

 

 

Samstag, den 23. Juni 2012

Genau, Flammrohre verrusst. Da muss Peter Sennhauser, der Vorbesitzer der „Lady Makepeace", helfen. Wir telefonieren. Peter lacht und erklärt. Das mit dem Kessel-Deckel. Das mit den 42 Löchern, die einzeln durchgeputzt werden müssen. Das mit der grossen Sauerei, weil dann alles voll Russ ist. Kim muss (leider leider) zur Arbeit, René übernimmt die Chämi-Fäger-Aufgabe. Er bestellt sich einen kleinen Russ-Staubsauger – wird natürlich von der Haushaltskasse abgezwackt. Er kleidet sich ganz schwarz. Packt einen Haufen Putzlappen ein. Und fährt los. Der Deckel des Kessels wird abgehoben, und die Löcher kommen wie angekündigt zum Vorschein. Viel Russ. Viele Löcher. Gaaanz viele Löcher. Hundertzwanzig (120!) Löcher. Telefon an Peter Sennhauser. Wieso er von 42 Löchern spreche, es seien viel viel mehr? Peter lacht sich kaputt und sagt, da müsse es sich um ein anderes Schiffli handeln… Uns ist es ja eigentlich ganz recht. Für das gleiche Geld besitzen wir jetzt dreimal so viele schwarze Löcher wie gedacht. Das muss uns mal jemand nachmachen! René fegt und russt und staubt und schwitzt und am Schluss sind alle 120 Löcher wieder wunderbar sauber und durchgängig – das kann er gut beurteilen, er kontrolliert mit Kims Make-Up-Spiegel nach. Und am Abend machen wir beide noch eine kleine Probefahrt. Und die kleine Maschine läuft wieder wunderbar. Was für ein schönes Geräusch! Der Anblick der blanken Kolben! Das goldene Motorenöl! Der Duft des Dampfes! Hach, das Dampfer-Leben ist schön!

 

Heute gelernt: Dampf-Boot-Chämi-Fäger küssen bringt Glück, färbt Kleider schwarz, und macht grossen Spass!

 

 

Sonntag, 22. Juli 2012

Sie haben uns ja schon gern, unsere Mit-Böötler im Güttinger Hafen! Sie kommen schnell mal vorbei, ein kleines Kompliment, ein Witzchen (Schnaps brennen, Würstli vorbei bringen, und die glänzenden Messingteile sind die Favoriten), ein Ratschlag - Kims Knoten und die Petroleumlaternen sind immer Diskussionsthemen - und konkrete Hilfe zum Beispiel beim Kauf von Feuerlöscher oder Schwimmwesten liegen immer drin. Heute ist Sonntag, das Wetter aprilmässig mit leichter Brise. Zeitung und Reissalat sind eingepackt, die Fahnen flattern fröhlich im Wind. Vor allem die Segler wuseln herum, grüssen und winken: "hät äs bitzeli Wind hüt, gäll!" Naja, so schlimm ist es nicht. Wir feuern an, Wasser-Kontrolle, Kissen aufschütteln. Die Nachbarn gucken freundlich. "Äs super schnusigs Böötli, grad recht für schöns Wetter! Äs hät aber äs bitzeli Wind hüt, gäll!" Ja ja, aber es wackelt ja kaum, wir merken gar nichts. Der Kessel blubbert, Kim löst die Leinen, ein paar Boote weiter spannt und kurbelt und faltete man und ruft, schon leicht besorgt: "Gönder use? Äs hät aber äs bitzeli Wind hüt, gäll!" Wir tuckern los, fröhliches Pfeifen, 'raus und elegant die Kurve genommen - nach einer knappen Viertelstunde dampfen wir mit sehr gutem Druck in den Hafen und legen wieder an. Erleichterte Blicke von allen Seiten. "Sinder wider do! Äs hät es bitzeli Wind gha, gäll?!?" Aber es hatte KEINE weisse Schaumkronen, wenn René das behauptet, ist es Seemannsgarn!

 

Heute gelernt: "äs bitzeli Wind" ist gut für Segler, aber nicht für unser Dampfboot!

 

 

Dienstag, den 31. Juli 2012

Die erste grosse technische Schiffsprüfung haben wir mit Bravour bestanden. Es ist schönes Sommerwetter, René hat frei, Kim schwänzt den Nachmittag, wir fahren zum See und feuern an. Peter und Christine (Sennhauser) sind völlig zufällig und unangemeldet in der Nähe und schauen schnell nach, wie es der "Lady Makepeace" so geht mit den neuen Besitzern. Dass sie abgedeckt und sogar unter Dampf ist, damit haben sie ganz und gar nicht gerechnet. Peter balanciert auf dem schmalen Steg herum und freut sich, dass das Böötli so gut aussieht und offensichtlich auch gebraucht wird. Leider haben sie keine Zeit für eine Ausfahrt. Christine mit Hund sitzt auf einer Bank im Hafen und winkt von weitem. Natürlich soll auch sie die "Lady Makepeace" anschauen und bewundern, ist ja klar. Kapitän René dampft los und macht ein paar Pirouetten im Hafen. Und kurven und rückwärts und pfeifen und vorwärts und da kommt ein Boot und zack und kurbeln und hebeln... Christine ist beeindruckt (hoffentlich, schliesslich hat dieser Pfau nur für sie die Federn gespreizt!), Peter ist etwas blass (er weiss, dass der Rückwärtsgang bei seinem ehemaligen Boot nicht immer gleich einhängt...), Kim ist sprachlos und turnt wie ein Äfflein herum, damit wir nirgends anstossen. Aber man muss schon sagen: Sehr wendig und cool haben es der Kapitän und seine "Lady" schon gemeistert, dieses Bluffer-Stück!

 

Heute gelernt: Wenn es ums Beeindrucken von hübschen Damen geht, sind Dampfboot-Kapitäne genau wie alle anderen Männer!

 

 

Dienstag, den 21. August 2012

Heute überqueren wir den See bis auf die deutsche Seite nach Hagnau. Schön ist es hier. Wir begegnen dem alten Kursschiff "Karlsruhe" (die hatte sogar mal einen Artikel in der "Dampferzeitung"), die Leute winken, wir pfeifen ihr fröhlich zu. Und - man glaubt es kaum - sie tutet zurück! Das ist das erste Mal, dass uns so ein Grosser begrüsst. Ist anscheinend auch etwas Besonderes, denn im Hafen Kirchberg (guter Eiskaffee!) werden wir sogar darauf angesprochen: "... und die 'Karlsruhe' hat euch sogar begrüsst, das ist ja sooo cool!" Dann dampfen wir noch ein bisschen dem deutschen Ufer entlang. Viel grüne Natur, wenig Häuser - Kim: "du bist zu nahe am Ufer" / René: "ja ja". Viel Ruhe, verschiedenste Wasservögel - Kim: "das sind im Fall nicht 300 Meter Abstand" / René: "ja ja". Eine Badi, viele Schwimmende - Kim: "du musst weiter raus fahren" / René: "ja ja". Dann sind alle Badenden splitterfasernackt - Kim: "du bist zu nahe am Ufer!!!" / René: "nein nein äh ja ja"... Und dann kommt das finstere schwarze Polizei-Boot auf uns zu. Umkreist uns, kommt ganz nah, zwei grosse Polizisten. "murmel murmel zu nah am Ufer murmel brabbel weiter 'rausfahren brabbel brabbel" René dreht ab, Kim zischt "ich hab's dir ja gesagt" (Frauen haben immer recht, ist doch wahr!) Wir dampfen weiter, brav weiter draussen... Und dann kommt das grosse schwarze Polizei-Boot schon wieder auf uns zu. Umkreist uns, kommt ganz nah, die selben zwei Polizisten. "Habt ihr was dagegen, wenn wir ein paar Photos von euch machen? Ihr habt da nämlich ein ganz besonderes Boot!"

 

Heute gelernt: Auch die Polizisten auf der deutschen Seite des Bodensees sind echt nett!

 

 

Freitag, den 05. Oktober 2012

René fährt heute alleine, Kim muss arbeiten. Draussen trifft er auf die "Heureka" mit Hansueli und Ruth, und gemeinsam dampfen sie seeabwärts. Vor Bottighofen plötzlich Alarm von Ruth: die "Heureka" ist nicht mehr steuerfähig! Kurze Beratung: es hilft nichts, die "Lady" muss abschleppen. Also, los. Die blockierte Steuerung zieht die "Heureka" Richtung Schweizer Ufer, die Physik zieht die "Lady Makepeace" Richtung Deutsches Ufer. Aber langsam und stetig geht es Richtung Heimathafen. Wir hatten damals beim Kauf noch einen Kohlen-Vorrat vom grossen Dampfschiff "Sirius" übernommen, die verfeuern wir aber normalerweise nur draussen auf hoher See. Hansueli ist kein Fan von Kohle, wenn wir gemeinsam draussen sind, hüstelt er jeweils demonstrativ herum - wahrscheinlich hat er nur Angst um seinen schönen schneeweissen Schnauz (man beachte den tollen Stabreim!) Auf jeden Fall wird die gute Heizkraft der Kohle jetzt doch sehr geschätzt, immerhin ist die "Lady" um einiges kleiner als die "Heureka". René feuert konzentriert - wäre ein bisschen sehr peinlich, ginge in dieser Situation plötzlich der Ofen aus ... Der innig verbundene Zweier-Corso erreicht schlussendlich den Hafen Güttingen. Mit lautem Tuten und Pfeifen verjagt man einen dümpelnden kleinen Segler Richtung Schlipf, und die "Heureka" wird perfekt vor ihr Loch gezogen, Ruth muss nur noch ganz kurz paddeln. Die "Lady" kann knapp vor der Hafenmauer abbremsen, Rückwärtsgang, wenden, manövrieren, und dank gutem Druck noch mal 'raus auf den See. Und dort dämpferlen der Kapitän und sein Schiff noch ein bisschen herum und geniessen ein Bier und die begeisterte sms einer höchst beeindruckten Kim: "Mein Held! Mein wunderbarer Seemann mit der tapferen kleinen "Lady"! Ich bin ja so stolz auf euch beide!"

 

Heute gelernt: Die "Lady Makepeace" ist einfach ein ganz grossartiges Dampfboot!

 

 

Freitag, den 12. Oktober 2012

Heute ist "Abdampfen" im Restaurant "Schiff" in Güttingen. Das heisst, die Bodensee-Dampfboot-Kapitäne (Bo-Da-Ka) und ihre Bodensee-Dampfboot-Damen (Bo-Da-Da) der gerade eben gegründeten Untersektion des Obersees auf der Schweizer Seite des Bodensees (UnObSSeBo) kurz: wir drei Dampfboote von Güttingen/Altnau (die schon weit gereiste "Seraphine" mit Peter und Annegret Badertscher, die wieder manövrierfähige "Heureka" mit Hansueli und Ruth Renz, und unsere unvergleichliche "Lady Makepeace"), gehen gemeinsam essen, trinken und schwätzen. Wir lassen einen schönen und erlebnisreichen Sommer Revue passieren, und es hat uns allen sehr gefallen. Die Bo-Da-Kas (alias Männer) fachsimpeln, sie haben einen Haufen Diskussionsstoff, z.B. das Heizen (dieses Thema ist endlos), den Blas (auf? zu? wann wie lange warum aber oder und überhaupt?) und den Rauch - da gehen die Theorien von gar keinem (damit man nicht von feindlichen U-Booten abgeschossen wird) bis zu ganz viel (weil jedes Kind ein Dampfschiffli immer mit Rauchwolken zeichnet) Die Bo-Da-Das (alias Frauen) diskutieren auch, sind sich aber weitgehend einig, dass die Kartoffeln aus der Lüneburger Heide besonders schmackhaft sind, und dass eine Bo-Da-Da auf ihrem Dampfboot einen Hut/ein Beret trägt. Wir trinken auf das Leben, auf unsere Schiffe, und hoffen auf noch viele so schöne Dampfboot-Saisons wie die Vergangene!

 

Heute gelernt: Alle Bo-Da-Kas haben eine eigene Meinung, und alle Bo-Da-Das tragen gerne Hüte.

 

 

30-jähriges Deutsches Dampfboot-Jubiläum in Bodman

 

Montag, den 27. Mai 2013

Eigentlich hätten wir drei Dampfboote vom Obersee schon gestern nach Konstanz fahren und dort die deutschen Dampfboote treffen sollen, die sich zum dreissigjährigen Jubiläum des deutschen Dampfboot-Vereins in Bodman versammeln. Aber gestern war Regen und Sturm, und es soll sogar vier Mastbrüche bei den Seglern gegeben haben! Heute ist das Wetter fast sonnig, nur ein bisschen windig. Die "Seraphine" kann schon mal nicht mit, Peter muss jetzt doch arbeiten, aber die "Heureka" und wir dampfen wie abgemacht um halb zwölf Uhr los. Vor Konstanz treffen wir auf die "Patrizia" mit ihrem Kapitän, der genau so aussieht wie man sich einen Dampfschiff-Kapitän vorstellt. Zusammen empfangen wir die Boote aus Bodman. Es tauchen tatsächlich einige auf. Nach einigen Begrüssungspfiffen rattern die deutschen Kanal- und Flussdampfer begeistert dem Zeppelin entgegen und verschwinden dann in Richtung Schneeberge am Horizont. Und uns Ureinwohnern wird wieder einmal so richtig deutlich bewusst, wie schön und weit und abwechslungsreich doch unser Bodensee ist...

 

Wir folgen der "Patrizia", legen in Konstanz an und essen gemeinsam in einem der vielen Gartencafés Zmittag. Danach sollten wir nur noch auf die andere Seite des Sees zum Yachthafen dampfen, zum Übernachtungsplatz. Mit Betonung auf sollten. Schon beim Anlegen hatten wir das Gefühl, dass die "Lady Makepeace" nicht mehr ganz so leichthändig reagiert, und jetzt bestätigt sich das. Das Steuersystem ist vermurkst. Es geht schon noch irgendwie, aber nicht so wie wir möchten. Das heisst also: ein auffälliges Dampfboot ohne funktionierende Steuerung, dafür mit ziemlich viel Druck zischend und fauchend aus einem engen Platz auf sehr unruhigem Hafengewässer raus manövrieren... Für dieses fürchterliche Unterfangen sucht man sich vorzugsweise eine belebte Stelle mit ganz vielen interessierten Zuschauern aus. Gleich an der Uferpromenade in Konstanz, eine Menge Biergärten und Eiscafés, an einem der wenigen sonnigen Nachmittage in diesem Frühling - besser geht es kaum. Kim liegt bäuchlings flach auf dem Heck und gibt mit grossen Gesten an, in welche Richtung das Ruder im Moment gerade zeigt (immer in die falsche!). Falls ich jetzt auch noch ins Wasser falle, ist der Unterhaltungswert fürs Publikum kaum mehr zu toppen! Völlig verstrupft und ausser Atem schaffen wir es schliesslich bis vor den Hafen. Dort dümpelt die "Heureka" und wundert sich, wo wir denn wohl so lange bleiben...

 

Heute gelernt: Je schiefer die Schieflage, desto zahlreicher die Zuschauer (Murphy's Law)

 

 

Dienstag, den 28. Mai 2013

Heute machen wir uns auf den Wasserweg von Konstanz nach Bodman. Die Käpt'ns unseres geplanten Transportschiffes "Heureka" haben endgültig genug vom Wetter und setzen sich ab ins sonnige Südfrankreich, das heisst, wir haben logistische Probleme. Wir bringen die Mannschaft des sehr hübschen Salondampfers "Erpel" dazu, unsere Persenning und die Reisetasche in ihrem Auto mitzunehmen, und haben so Platz für ganz viel Holz und Horst Schiel, der bei uns als Mannschaftsmitglied anheuert. Also machen wir uns auf die weite Reise ans äusserste hinterste Ende des Sees. Solange es gerade aus geht, haben wir ja auch keine Schwierigkeiten mit der Steuerung... Anfangs ist der Wasserspiegel ein bisschen zickig, und ein Ventil spritzt herum, aber das gibt sich schnell und macht uns auch keine grossen Sorgen. Horst geniesst die Fahrt und gibt uns viele gute Tipps und Ratschläge. Auch ist er ein eifriger Verfechter des sehr grosszügigen Schmierens. Zum Glück haben wir 20 Kilo Dampfschiff-Öl gekauft! Mir kam das Fass damals unsinnig gross vor, aber René musste es ja unbedingt haben. Wenn die beiden so weiter machen, reicht es vielleicht doch nicht ganz für die nächsten 50 Jahre...

 

Ziemlich bald kommen die ekligen Autofähren Konstanz-Meersburg in Sicht. Sie fahren hin und her und kreuzen sich und gehen rein und kommen raus und hupen und sind schnell und sehr sehr gross. Wir verharren, bauen gut Druck auf, und dann warten wir. Kim kommt sich vor wie Odysseus vor Scylla und Charybdis - warten... beobachten... warten... berechnen... warten... alle Posten bei Wasser und Feuer und Steuer sind besetzt und aufmerksam, dann kommt das Kommando,und wir pfeifen laut und mit Volldampf los! und hinten vorbei und durch die Heckwellen und dann längs und abwarten und die nächste Fähre kreuzen lassen und tuten und wieder los hinten rum und ja! wir sind durch! wir sind Helden! wir sind abenteuererprobte harte Seeleute! An den Rückweg - dann ganz alleine - denken wir jetzt lieber nicht...

 

In Wallhausen treffen wir auf die "Liberty Belle". Eigentlich wollten wir in Ruhe hier zusammen Zmittag essen, aber leider bestätigen sich die massiven Probleme mit der Steuerung. Das eifrige Drehen am Rad produziert nur elegante, leider unvorhersehbare Schleifen und lautes Knattern. Nach einigem Herumschlingern im Hafen binden wir längs an einem Steg fest, und Horst Schiel verschwindet mit Zange und Schraubenzieher und Taschenlampe und was weiss ich noch alles halb hinten unten im Heck. Es klappert und dröhnt und rumort im Untergrund, aber so lange die Beine noch zappeln, muss ich mir wahrscheinlich keine Sorgen machen. Mit der Schublère wird ausgemessen und mit Papier und Stift für den künftigen Gebrauch ein genauer Plan gezeichnet. Für die sofortige Intervention wird ein schöner grosser Engländer an diesen Messing-Knubbel geklemmt (nein, wir haben KEINE Not-Pinne dabei! Wir werden uns nach den Ferien sofort eine besorgen und dann ganz sicher NIE mehr brauchen!) Und es geht weiter. Schön langsam und gemütlich und nur mit der "Liberty Belle" als Begleiterin, sonst ist kein Dampfer in Sicht. Horst sitzt stolz und glücklich am Engländer, er zeigt uns den berühmten Teufelstisch und erzählt von seiner Zeit auf dem Bananen-Frachter von Haiti nach Bremen und zurück. Sehr grün und wenig bebaut sind hier die Ufer. Am frühen Abend kommen wir in Bodman an und schaffen es nach einigem hin und her und Marthas und Beats Hilfe auch anzulegen. Anke von der "Pauline" aus Kiel kann nicht mithelfen, die lacht sich kaputt über unsere schweizerdeutschen Zurufe. "Graaad näääbbbädraaa!"gefällt ihr ganz besonders...

 

Heute gelernt: Wenn wir die Fähren-Querung schaffen, dann schaffen wir alles! (Ausser vielleicht die Rheinbrücke...)

 

 

Mittwoch, den 29. Mai 2013

D A U E R R E G E N ! ! ! K A L T ! N A S S ! G R A U S L I G !

 

Bei Dampfschiffen hat man anscheinend dauernd etwas zu flicken, wir sind da nicht die einzigen, mit unserem Steuerungsproblem.

 

Bitte die Dampfboot-Namen mit ihrem Problemen verbinden (Die Liste ist nicht vollständig) Bei richtiger Lösung ergibt sich ein genaues Bild des doppelt geschlungenen halben Rollsteks, achtern eingefädelt (auch "Gordischer Knoten" genannt)

 

Heute gelernt: Langeweile gibts bei Dampfbooten auch an Regentagen nicht!

 

Donnerstag den 30. Mai 2013

Etwas kühler, zeitweise regenloser, ein ganz klein bisschen sonniger Tag. Am Steg wimmelt es von Dampfschiffen, die Luft summt und rauscht von Rauch, Diskussionen, Dampf und Begrüssungsrufen. Schiffe werden ausgepackt und fahren raus ("man muss die Sonne nutzen!"), Schiffe werden eingepackt ("es gibt gleich einen Sturm mit Gewitter"), sie werden eingekrant, herumgerudert und an- und abgebunden. Wir betrachten sorgenvoll unsere Steuerung und lernen ganz viele nette Leute mit ganz vielen verschiedenen Ideen und Ratschlägen kennen. Auch Peter Sennhauser ist per Telefon an der grossen Diskussion der Köche um den Brei herum beteiligt. Schlussendlich macht Ernst von der Steam-Launch "Brunel" das Rennen. Er versichert uns glaubhaft, dass er eigentlich viel lieber herumwerkelt als 'rausfährt. Er kommt mit seinem persönlichen, sauschweren Werkzeug-Täschli an Bord, und nach ein paar Stunden einträchtigen Werkens - man sieht nur die Hinterteile der beiden Arbeiter, die abwechselnd im Heck herum"guslen" - und mit Hilfe des vom Café Hassler ausgeliehenen Akkubohrers besitzen wir dann eine tief gelegte Dachlatten-Pinne mit eingefräster Nut. Ausprobieren können wir sie noch nicht, es regnet in Strömen...

 

Heute gelernt: Einem Ingscheniör ist nichts zu schwör. Ein Hoch auf Ernst!

 

 

Freitag, den 31. Mai 2013

Ununterbrochener Regen, Wind, Kälte... Draussen auf dem See eine wabernde, fauchende Dampfwolke, sonst ist der See völlig leer. Wie eine Fata Morgana taucht er auf, der "Joseph Conrad". Das staunende Publikum - herbei strömend aus warmen Hotelzimmern und zurückkehrend von diversen Museumsbesuchen - sieht einen schnittigen Waidling, energisch vorangetrieben von einem Heckrad, die Konstruktion hat den rauhen Charme der "African Queen" kurz vor dem happy end. Der einsame Kapitän, in leuchtend türkisfarbenes Ölzeug gekleidet, betrachtet stoisch den Horizont. Ha, der zeigt uns verzärtelten Mahagony-Messing-hochglanzpolierten Schönwetter-Dampfern, was ein rechter Seebär ist!

 

Heute gelernt: Joseph Conrad war ein Schriftsteller (1857-1924), und das "Herz der Finsternis" ist einer seiner Bücher.

 

 

Samstag, den 01. Juni 2013

Heute ist der Tag des Dampfboot-Rennens. Das Wetter ist wie die letzten paar Tage grauslig. Am Hafen stehen Dampfboot-Besitzer herum und diskutieren. Niemand weiss so genau, ob das Rennen überhaupt stattfindet. Eigentlich ist es abgesagt; aber wenn heute um acht Uhr kein Regen fällt dann machen wir es doch; um acht hat es dann geregnet aber um sieben nicht, gilt das auch?; wahrscheinlich schon aber jetzt regnets wieder, also nicht, oder? Ein Loch in den Wolken, der Regen stoppt. Irgendwo taucht ein Rauchwölklein auf, jemand im Ölzeug wandert mit Holz vorbei, ein heiseres Tuten im Hintergrund... Die Sache wird zum Selbstläufer, plötzlich füllt sich der graue kalte See vor Bodman mit Dampfbooten, immer mehr. Norbert Drechsler reibt sich die Augen und setzt schleunigst die Markierungsbojen. Kim und René mit der "Lady Makepeace" sind natürlich auch draussen. Wir üben das Handling der Dachlatten-Steuerung weit draussen rund um die Boje 3. Plötzlich steigt eine Leuchtrakete... Das ist doch wohl nicht! das kann doch gar nicht? doch! es IST der Startschuss zum grossen Dampfbootrennen gewesen! Wir sind sofort hundertprozentig auf Zack und entwickeln den strategisch genialen Plan, das Feld einfach von hinten aufzurollen. Sobald wir es dann mal erreichen, das Feld... Wir dampfen mit, elegant um alle drei Bojen. Wieder auf der Geraden. Die ersten Schnellen überrunden schon die Kleinen. Wir spielen ganz kurz mit dem Gedanken, uns wie weiland Winkelried vor die Vordersten zu werfen, um dem schweizerischen "St. Urs" einen unfairen Vorteil zu verschaffen. Aber es gibt da Gerüchte, dass gewisse Ehrgeizige sogar brennende Kamine in Kauf nehmen sollen, um einen guten Platz zu erreichen... Und für Winkelried selbst ging die Geschichte ja auch nicht so gut aus, damals. Die "St. Urs" erreicht dann auch ohne unsere Hilfe den guten dritten Platz, nach der österreichischen "Kaiserin Elisabeth" und dem deutschen "Pluto", der seinen Wanderpokal wieder mit nach Hause nimmt, wo er einen extra Platz im Büchergestell hat. Wir halten schön am Rand mit und pfeifen dem Publikum eifrig zu, bis es wieder stärker zu regnen beginnt und wir zusammen mit einigen anderen Warmduschern forfait geben und Richtung Hafen einbiegen...

 

Heute gelernt: Hach, so ein Dampfboot-Rennen ist schrecklich aufregend!

 

 

Montag, den 03. Juni 2013

Kühl, bedeckt, ein wenig Wind, kein Regen. Voll beladen mit Holz und Proviant verabschieden wir uns von den letzten noch Anwesenden, und Markus Toscan von der "Eva" legt uns noch ein Paket Pellets als Notnagel oben drauf. Wild romantisch, dieser Teil des Bodensees, wirklich alles grün - das Wasser, der Wald am Ufer. Steile Sandsteinwände, irgendwann der einsame Landungssteg zur Marienschlucht. Im Hafen von Diggelsdorf die bimmelnde Schiffsbegrüssung durch den Hafenmeister. Nach 2,5 Stunden sind wir vor der Mainau. Eine Schmierpause, Druck aufbauen, gut auf die Ausflugsschiffe achten, dann sind wir vorbei. Nach drei Stunden die Konstanz-Meersburg-Fähre, um diese Zeit hat es nicht so viele Autofähren, wir schaffen die Querung eigentlich ganz gut. Danach gibt es Chäsbrötli und Äpfel und heissen Tee, und nach vier Stunden sind wir vor Münsterlingen. Der Wind wird immer stärker, es hat vereinzelte weisse Schaumkronen. Vor Landschlacht wird es richtig unangenehm, an uns vorbei wird ein Segelboot abgeschleppt, wir fahren im ZickZack, um die Wellen immer gut zu schneiden. Wir sehen den Steg von Altnau schon! Und endlich, nach fünf Stunden, sind wir im sicheren Hafen und legen an. Die Altnauer können kaum glauben, dass wir wirklich bei diesem Wetter unterwegs waren... Wir haben noch genug Holz, wir waren gut und wasserdicht gekleidet, die "Lady Makepeace" hat wie ein Korkzapfen auf den Wellen getanzt, und wir hatten trotz des miesen Wetters eine wunderschöne Bodman-Ferien-Woche!

 

Heute gelernt: wenn man bei Wind dampferlet, dann hat man auf festem Grund noch stundenlang den Seegang in den Beinen.

 

 

30-jähriges Schweizer Dampfboot-Jubiläum in Stansstad

 

Freitag, den 06. September 2013

Wir sind schon gestern angereist, René und Andreas Knutti mit unserem Dampfboot im Schlepptau, ich mitten in der Nacht nach der Arbeit im Zug. Der Freitag ist heiss und sonnig, ich verbringe ihn als "Tätschmeister" am Bootsschlipf von Stansstad. Organisator Beat von der "Liberty Belle" ist anfangs auch dabei, entschwindet dann aber mit dem Natel am Ohr und der Bemerkung "...ich muss noch ganz schnell..." in der Ferne, und ward nicht mehr gesehen. René - zusammen mit Andreas, einer Nussschale mit Aussenbordmotor, einem zerknitterten Plan und seiner Lesebrille - schleppt die eingewasserten Dampfschiffe ab und verfrachtet sie an ihre Plätze. Ich lerne einiges an diesem Tag: von Pieter dem Holländer den korrekten Mastwurf ("so... und so... und untedurchchch..."), von den Franzosen, dass es "la corde - das Seil" heisst und nicht "la ficelle - das Schnürchen" (peinlich peinlich, mon francais de l'ecole), dass der "Heron" nach dem griechischen Gelehrten benannt ist und nicht nach dem englischen Reiher, und dass das nette Männchen mit Kamera Reinhard heisst und mit seinem Freund Rüdiger extra wegen der Dampfboote von weit her angereist ist.

 

Heute gelernt: Es gibt wirklich unglaublich viele Variationen von Dampfbooten, und jedes ist das Schönste für seine Besitzer!

 

 

Das Jubiläums-Wochenende, 7. und 8. September 2013

 

Im strahlenden Sonnenschein am Samstag - etwas getrübt, weil ich mir gestern einen Sonnenstich eingefangen und ganz schreckliche Kopfschmerzen habe - und unter dem bedeckten und leicht regnerischen Himmel am Sonntag paradiert die unglaubliche Menge von dreissig Dampfbooten auf dem See hin und her. Ein soooo schöner, absolut einmaliger Anblick! Es dampft und raucht und pfeift, fröhlich flattern die Flaggen und Fähnlein (ha, ich konnte wieder einen Stabreim einbauen!), auf einigen Booten hat es sogar frische Blumen. Auf unserer "Lady Makepeace" zum Beispiel. Ich habe mir an den finnischen Dampfern ein Beispiel genommen und unsere Stangen mit Birkenzweigen geschmückt. Hübsch! Sagt auch der deutsche Dampfboot-Präsident Schuck, der die nördliche Delegation (immerhin sechs Boote!) mit seiner Anwesenheit unterstützt. Ausserdem hat es eine Unmenge von gut gelaunten Zuschauern und viele zusätzliche dampferische Sehenswürdigkeiten: unter anderem eine sehr laute Dampfsäge (funktioniert tadellos!), einige Garteneisenbahnen, das immer wieder auftauchende Kurs-Dampfschiff "Unterwalden", Dampfschiffmodelle, Drehorgelmänner und -Frauen, einen dampfbetriebenen Servelat-Dreh-Grill, und natürlich den unvermeidlichen und in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten "Yeti"...

 

Der Nostalgie-Tag ist ein voller Erfolg, er wird phantasievoll und originell umgesetzt. Wir werden von auch in den Regenphasen zahlreichen Zuschauern dauernd photographiert und interviewt, und so viele Komplimente hört man sonst nie! Die Kleider stammen vom Kostümverleih oder aus dem Fundus der Grosseltern, oder einfach aus dem eigenen Kleiderschrank. Einige Damen kleidsam und altmodisch mit Hut, meist elegant - und so praktisch auf einem Dampfboot! - in schwarz ("du siehst aus wie Fräulein Rottenmeier, nur freundlicher"), aber auch stilecht in oranje auf dem niederländischen "Theodoor" oder in weisser Tüllwolke als auffällige Galionsfigur auf der französichen "Lili". Die Männer oft in den klassischen weissen Hemdsärmeln und schwarzen Westen und Kappen, das steht wirklich jedem. Einige auch hier hoch elegant, Pieter mit Zylinder, mein eigener Kapitän mit goldenen Litzen und eigens gewachsenem Schnauz, und der "St.Urs"-Käptn könnte glatt mit Mary Poppins ausgehen. Streifen sind auch gut vertreten, längs in den nordischen Fischerblusen und der russbefleckten Heizermontur, quer als klassische Matrosenleibchen mit venezianischen Strohhüten wie zum Beispiel die Besatzung der über hundertjährigen "Minette".

 

Alle Dampfboote sind gut mit "Chlötzli" versorgt worden - unser Brennstoff für diese Woche, Abfallprodukt aus einer Spielwarenfabrik für Holzspielzeug, nett in Säcke verpackt, inklusive Anfeuerwürfel und Anfeuerholz. Wir sind alle draussen und wuseln winkend und rufend und singend und tutend durcheinander. Die Franzosen haben Verstärkung durch ein wendiges Dampf-Kanu, das mit Eierchöleli gefüttert wird und tapfer mithält. Die beiden Engländer schleppen stolz ihre übergrossen Fahnen hinter sich her. Die Delegation vom Bodensee ist traditionell international und mit fünf Booten vertreten. Für das Erinnerungsphoto versucht man, per Lautsprecher vom Ufer aus alle Boote auf eine Linie zu bekommen, so eine Art Panorama-Photo, wir sind so viele. Aber ein Sack voll Flöhe ist gar nichts gegen uns: diese Flöhe sind auch noch unter Dampf, haben laute Pfeifen und benutzen sie auch, reden verschieden Sprachen und sind alles totale Individualisten (ich habe nichts von Starrköpfen und Stieregrinde gesagt...) Ich bin ja echt gespannt auf das Resultat! Die Gästefahrten werden eifrig in Anspruch genommen, und sogar wir nehmen - abgesehen von unseren Freunden und Verwandten - todesmutig ein paar ganz fremde Leute mit. Die sind dann auch entsprechend begeistert. Ist ja auch etwas ganz Besonderes!

 

Dieses Wochenende gelernt: so ein Jubiläumswochenende ist einfach wunderprachtvollmärchenzauberhaft!

 

 

Woche 09.-13.09-2013

Es folgt eine ganz tolle Verlängerungswoche mit immer noch erstaunlich vielen Dampfschiffli, die gleich Ferien anhängen. An den schönen, möglichst regenlosen Tagen fahren wir und unsere kleinen, nicht mit Regenschutz oder Salons geschützten Kollegen selbst, an den anderen suchen wir uns eine Mitfahrgelegenheit auf einem der geschlossenen Boote. Auch die Leute am Ufer bemerken unsere Schmuckstücke, sie winken und rufen und sind begeistert.

 

Am Mittwoch fahren wir selbst, es geht nach Luzern, dieses erhebende Gefühl lassen wir uns nicht entgehen! Auf dem Rückweg haben wir Martha und „See"hund Bianca als Gäste dabei – und werden mal wieder von der Polizei verfolgt, gestellt und gestoppt. Es habe jemand angerufen, auf dem See brenne ein Boot… Sie sehen dann aber schon, dass wir ein Dampfschiff sind, und nicht mal ein besonders Rauchendes. Wir wollen sie auf die „Patrizia" hetzen, die vor uns herfährt und viel mehr und viel schwärzeren Rauch hat als wir. Aber sie sind nicht an einer Verfolgungsjagd interessiert, sondern lachen nur. Die wollten doch nur noch ein plauschiges Abendfährtchen machen, die jungen Trübel!

 

Uns wird ein super Unterhaltungsprogramm geboten: Die Männer kriegen glänzende Augen im blitzblanken Knüsel-Traktoren-Museum und im Maschinenraum der Pilatus-Zahnrad-Bahn, die Frauen beim schon leicht angegrauten, aber wortgewaltigen Oberst im Luzerner Gemäuer und dem feschen Willhelm Tell in seiner Armbrustwerkstatt. Na ja, auch der ist zugegeben schon ein bisschen in die Jahre gekommen, und sein Vollbart schneeweiss, aber er ist immer noch recht ansehnlich. (ja ja, ich weiss, aber: hoch lebe das Klischee!)

 

Und wir werden reichhaltig verpflegt: duftende Schinkengipfel direkt vom Steg aufs Boot bei den strategisch wichtigen "Nasen"-Halbinseln, Chäs-Schnitten tief im Berg in einer alten Gebirgsfestung, Zvieri hoch über Luzern in einem alten Pulverturm, und sogar noch Älplermaggronen auf dem Stanserhorn (das ist der Berg mit der 360-Grad-Aussicht, dem nostalgischen Zahnradbähnli und der futuristischen Freiluft-Cabrio-Seilbahn). Abends wird geselliges Zusammensein mit und ohne Musik im gastfreundlichen Ruderclub geboten. Wir frischen Bekanntschaften auf und lernen neue Leute kennen, können beobachten wie die verschiedenen Paare und Mannschaften zusammenspielen, und verlieren ein bisschen die Scheu vor all den alten "Dampfgurus", die haben nämlich auch mal klein angefangen und sind gar nicht so perfekt! Sogar Sue vom englischen "Vesuvius" erwähnt mal in einer Geschichte: "...damals, als Roger die Maschine noch gar nicht im Griff hatte..." Ha, wer hätte das gedacht!

 

Die Woche vergeht wie im Flug, und abgesehen von wenigen Missgeschicken (ein Kapitän fällt ins Wasser, Martha bricht sich den Arm, und der extra so weit her gereiste "Horus" hat einen gröberen Maschinenschaden) geht alles glatt - wenigstens von der Teilnehmerseite aus. Welche immense Arbeit von den Organisatoren im Hintergrund geleistet wurde, will ich mir gar nicht vorstellen! Danke vielmals, von ganzem Herzen...

 

Diese Woche gelernt: Dampfboote, gutes Essen und liebe Freunde, was will man mehr vom Leben!

 

 

Alles funktioniert so reibungslos, dass ich eigentlich gar nichts zu erzählen habe. Und dann kommt er, der

 

Freitag, der Dreizehnte...

Es ist der letzte Tag der Jubiläumswoche. Das Wetter ist strahlend schön, und wir dampfen alle an. Die "Lady Makepeace" ist wieder mal spät dran, einer nach dem anderen verabschiedet sich mit fröhlichem Pfeifen, wir sind die Letzten. Und zu allem Unglück raucht es auch noch aus dem Bodenblech... Nur ein bisschen, aber Renés Blick schweift panisch zum Feuerlöscher, und unser schönes und äusserst praktisches Jubiläums-Sackmesser kommt schon zum ersten Einsatz: Boden-Blech-Schrauben lösen!!! Kein Problem: erste Schraube los, zweite Schraube auch, die vierte ist – aus unerfindlichen Gründen – eine Torx-dingsbums, (Tork-Set, habe ich später im Lexikon nachgeschaut), zu der kein Schraubenzieher passt. Und es raucht... Philipp von der "Chrige" bestätigt, ja, das sei eine Tork-Set, eventuell habe er einen passenden Schraubenzieher im Auto, aber das Auto sei nicht da - super, das war hilfreich. Und es raucht immer noch! Beat Bolzern kommt angesaust, er braucht unbedingt eine Mitfahrgelegenheit nach Alpnachstad, wir sind als Einzige noch im Hafen. Er steigt ein, betrachtet den Rauch, betrachtet die Hähnchen, betrachtet die leicht aufgelöste Besatzung, adjustiert dieses eine Hähnlein um ein paar wenige Grad, und der Dampf verschwindet wie durch ein Wunder... Wir tuckern los. Und DOCH, MAN KANN RAUCH UND DAMPF VERWECHSELN, besonders wenn alle Hirnzellen wild durcheinander wuseln und jede einzelne schreit "oh, unsere armes Dampfboot brennt..."!!!

 

Die Fahrt nach Alpnach ist hübsch, wir fahren unseren Blutdruck und unser Herzböpperlen wieder zurück, Beat telefoniert. Im Alpnachstader Hafen drehen wir Runden, Beat weist die Boote vom Wasser aus an die verschiedenen Stege ein. Das braucht einige Denkarbeit, weil aus Platzmangel parallel angebunden werden muss und nicht alle gleichzeitig zurück fahren werden. Am vorderen Steg besteht dieses Problem nicht, dafür steht dort ein zeternder Fischer mit zerrupftem Rauschebart, der genau dort und nur dort seine Angel setzen will und nicht das geringste für Dampf- oder andere Boote übrig hat, die nur seine Fische aufregen würden. Ingo ist gross und breit und auch einheimisch und brüllt lautstark und sehr deutlich zurück. Das Echo klingt gut zwischen den hohen Felswänden... Wir drehen wieder eine Runde und sind darum leider nicht dabei, als die Konstanzerin "Patrizia" (Achtung, feindliches Ausland!) ungerührt auch noch dort anlegt. Ich nehme aber stark an, dass sich das Rumpelstilzchen vor Wut in der Luft zerrissen hat...

 

Wir binden uns ganz aussen neben der "Theansa" an und wandern in einer kleinen Gruppe über die riesige flossartige Steglandschaft Richtung Land. Wolfgang und ich sind in tiefgründige philosophische Gespräche verwickelt und verlieren darum den Anschluss an die Vordermänner, der Rest der Gruppe folgt uns natürlich brav. Und dann stehen plötzlich vor einer Wasserfläche. Der nächste Steg ist auch eine Sackgasse... und an diesem Schiff sind wir doch auch schon mal vorbei gekommen... Nach einer gefühlten halben Stunde auf diesem Steg-Labyrinth finden auch wir den einzigen Zugang zum Land und erreichen schliesslich den Grillplatz. Unsere Würste sind inzwischen wunderbar durchgebraten und richtig knusprig geworden...

 

Wir sind gut gesättigt und ausgeruht und heizen alle wieder an. Und: unser Wasserspiegel ist weg! Nicht sichtbar, verschwunden! Oi oi, wir pumpen. Nichts passiert. Weiter pumpen - gleiches Resultat... Philipp aus dem Hintergrund: "mach' mal dieses Hähnchen auf... aha... lass' mal die Maschine laufen... (klopft)... pfeif' mal (spuck speuz spuder)... ja, ja, ich habs mir gedacht, zu VIEL Wasser im Kessel!" Also, das darf jetzt doch echt nicht wahr sein!!! Seit zwei Saisons besitzen wir beiden Total-Aussenseiter (Krankenpfleger, ganz zarte Hände) ein Dampfboot, und seit zwei Saisons liegen uns alle in den Ohren: "Immer genug Wasser im Kessel!" "Zu wenig Wasser ist furchtbar - dramatisch - geht gar nicht!" Und was machen wir? Haben zu VIEL Wasser im Kessel! Irgendwann dampfen wir los, unsere tapfere kleine Maschine stampft mutig vor sich hin, ich baue eine sehr innige Zusammenarbeit mit meinem Hotwell auf. Die "St.Urs" gibt uns Geleitschutz, wir lassen beschämt die Ohren hängen, aber wir fühlen uns sicher und behütet. Und als endlich der Wasserspiegel wieder sinkt, steigt auch gleich wieder unser Selbstbewusstsein und unser Stolz, und wir freuen uns an dem wundervollen Bild, wie zwei so elegante Dampfboote zwischen hohen Felswänden über einen grossartig grünen See sausen. Hach, das Leben ist doch schön!

 

Heute gelernt: irgendetwas ist doch dran an so einem Freitag, dem Dreizehnten...

 

 

Das Rätsel des Stanstader Dampfboot-Corsos

 

Senkrecht

1 Diese kleine Deutsche hat verschiedene Dampf-Pfeifen und einen feingliedrigen, eleganten Kapitän, der sogar mit Fliege Holz hackt. Und mit einem Schlag aus einem Scheit drei macht! Keinen erstaunt das mehr als ihn selbst...

 

2 Eine völlig sorglose kleine Französin. Mit einer opulenten, weiss gekleideten Galionsfigur, samt Hündchen und Sonnenschirm - man sieht fasziniert zu: fällt sie rein? kann sie sich halten? Sie flitzt auch ohne zu zögern um die "Unterwalden" herum, während deren Kapitän wütend die Hände verwirft. Aber - wie ihre Madame bei der Käptns-Besprechung sagt: "Ah pah, pas de problem! Wirrr fahrrren auf die Meerrrr!"

 

3 Er kommt aus dem flachen Norden, der Kapitän schwenkt unnachahmlich höflich seinen Zylinder, und die Dame an seiner Seite trägt stilecht oranje mit kleidsamer Haube. (Sorry, Pieter, ich habe den Schreibfehler zu spät gesehen! Die Deutschsprachigen schreiben es eben nur mit zwei O, nicht mit drei)

 

5 Diese Kleine dampft vor allem auf dem Untersee, und bringt mit ihrer obligaten schwedischen Flagge das skandinavische Flair an den Dampfschiff-Corso. Und man erzählt sich, sie hat einen grossen Bruder in Schweden bekommen, der heisst Ole

 

6 Sie kommt auch vom Untersee, aber von der deutschen Seite. Auffallend schnittige Form, auffallend goldener Kessel, so schwebt sie frühlingshaft über den grünen See. Für alle Fälle trägt man Ölzeug, man hat schliesslich kein Dach

 

7 Die beiden von der englischen Delegation schleppen stolz ihre übergrossen Flaggen hinter sich her. Dieses Boot ist einiges grösser als sein in unseren Breitengraden bekannterer Bruder. Man soll darauf schlafen können. Habe ich leider nicht von innen gesehen

 

8 Blaues Boot, blonde Besitzer, knallrote Maschine, gut verschnürt in ein kunstvoll gedrehtes Seil. Kommt von Worms am Rhein, der Name des Bootes von noch weiter oben aus dem rauhen, trinkfreudigen Schottland. Reiste nach dem Corso gleich weiter

 

9 Er selbst war leider nicht dabei. Aber sein Besitzer war der Ansager am Corso und hat einen ganz tollen Job gemacht! 30 Dampfboote auseinander zu kennen und zu jedem etwas zu sagen: Chapeau!

 

11 Dieses ehemalige Rettungsboot eines Radddampfers vom Genfersee überwindet den Röschti-Graben - genau wie ihr Besitzer, der treu und beharrlich den Kontakt mit der Deutschschweiz aufrecht erhält

 

15 Geradlinig, kühl, weiss und blau und silberfarbener Kessel, helle Astern im Milch-Chesseli und eine grosse blau-weisse Fahne. Eine der Initiantinnen des Nostalgie-Tages, der sehr gut angekommen ist. Und darum ist die Mannschaft auch sehr hübsch angezogen, klar. Nächste Destination: Monaco!

 

16 Auf finnische Art geschmückt mit Birkenzweigen und mit dem für meine Augen schönsten Kapitän: mit extra gewachsenem Schnauz, Gehrock mit goldenen Litzen, und seinem geliebten Birkenrinden-Hut. Auch dabei: "du siehst aus wie Fräulein Rottenmeier, nur freundlicher!"

 

17 Ein ganz scheues kleines Böötli mit einer schüchternen, schweigsamen Besitzerfamilie. Aber stille Wasser sind ja bekanntlich tief: Aaron verlegt ein eigenes Dampfschiff-Heftli (DAS muss erwähnt werden!), und das von ihm gestaltete Titelblatt der Jubiläums-Festschrift ist echt ganz grosse Klasse

 

22 Die französische Version mit diesem Namen ist die weisse Variante dieser Jugendstil-Blume, die Wasser liebt (die deutsche Version ist blau, aber in Stanstad nicht dabei) Weder an Monsieur noch an Madame Kapitän kann ich mich erinnern, je m'excuse. Ich sollte mein französisch auffrischen!

 

23 Ein hemdsärmliges Arbeitsschiff, Stahlrumpf und Gasfeuerung, Muskeln und Schweiss. Männer in schwarz mit Kappe, Weste und aufgekrempelten weissen Hemd (hatten auch sonst einige an, steht wirklich jedem!) Und als i-Tüpfelchen eine hoch vornehme Dame im grandiosen Theaterkostüm mit beneidenswertem Hut!

 

26 Blau wie der Nil, golden wie die ägyptische Sonne. Ihn haben wir dieses Jahr schon am Flensburger Dampf-Rundum getroffen. Leider hat er bald nach dem Jubiläumswochenende einen Maschinenschaden und muss vorzeitig zurück nach Deutschland reisen

 

 

Waagrecht

4 Die grand old lady vom Züri-See. Die singende Besatzung in geringelten Sailor-Leibchen und Strohhüten verbreitet Venedig-Feeling und fischt galant den Hut auf, der von der "Isle of Jura" herüberweht

 

10 Dieses Dampfboot vom Thunersee hat den absolut schönsten kleinen Salon - ich schaue sehnsüchtig zu den Fensterchen rein. "Das hat bestimmt eine Frau eingerichtet!" Eine Männerstimme gibt Antwort vom Boot: "Nein, aber dieser Mann weiss eben ganz genau, was den Frauen gefällt!" Recht hat er. Und Gedanken macht man sich...

 

11 Von der englischen Delegation. Kommt aus der Nähe von Windermere und sieht auch genau so aus. Als er beim Manövrieren im engen Hafen von der grösseren "Geordie" ganz einfach übersehen und überhört wird, erklingt lautes, wütendes, bis ins letzte beherrschtes und korrektes englisches Geschimpfe vom grossen Herrn im schwarzen Overall...

 

12 Ein grasgrünes Urgestein der Schweizer Dampferszene, auf dem die farbenfrohe Dame die Kosaken-Tracht ihrer Grossmutter spazieren fährt. Gehört dem Ex-Ex-Ex...Präsidenten, der tonnenweise Chlötzli zum Heizen angeliefert hat - vielen Dank! Als sie von der unvorsichtigen "Lady Makepeace" beinahe gerammt wird, klingt es nur knochentrocken herüber: "Tja, WIR sind die mit dem Stahlrumpf, gell!"

 

13 Sie ist die grösste, und dank Kohlenfeuerung hat sie den schwärzesten Rauch. Und sie ist vollgepackt mit all den Dampfgurus, die man als Neuling vor allem von ferne bewundert, auch sie in der Dampfertracht mit weissem Hemd und schwarzer Weste, auf den Kapitänsmützen all die über die vielen Jahre gesammelten Abzeichen der alten Dampfschiffe...

 

14 Ein noch ganz neues Dampfboot, das normalerweise ganz allein auf dem Hallwilersee seine Runden dreht. Ist selbst gebaut, ganz und gar, von den Plänen über die Maschine bis zur Lackierung. Ui, das muss ja ein Chrampf gewesen sein! Aber schön ist es geworden

 

18 Tall, dark und handsome. Gilt für das grosse, dunkelblaue, schmal und schnell gebaute Schiff mit den Goldschnörkeln, gilt für die gut eingespielte Mannschaft, die Männer (meistens) in dunkler Dampferkluft mit vollem, beneidenswert dichtem grauem und weissem Haar, die beiden brünetten Damen in eleganten schwarzen Nostalgiekleidern mit Hüten. Wie aus dem Bilderbuch

 

19 Funkelnigelnagelneu. Der Besitzer jubelt und singt in Terzen, Quarten und Quinten. Willkommen im Club, kleines Boot (der Kapitän ist schon länger dabei...)

 

20 Dieses Holzschiffli liegt auf dem Trockenen und schaut vom Ufer aus zu. Dafür hat sie bestimmt am meisten Streicheleinheiten bekommen. All die Zuschauer sehen die Maschine mal aus der Nähe und berühren das seidige Holz

 

21 Heizer Heimo von der "Unterwalden" zeigt sein Können heute en miniature. Auf seinem Heimatsee, da kennt er jeden Tropfen Wasser persönlich

 

24 Der weisse Schwan vom Bodensee. Mit einer Hamburger Händlerin in leuchtendem Vergissmeinnicht-Blau, funkelnden Augen, Stroh-Hut und rosigen Wangen

 

25 Unter den generell eher kleinen Franzosen die allerkleinste, et très speciale! Aber so lange sie fleissig mit Eierchöleli gefüttert wird, kann sie eifrig auch mit den Grossen mithalten, und wenn man die Ohren spitzt, hört man auch ihre echte, mais très petite Dampfpfeife

 

27 Er kommt aus dem dunklen Schwarzwald. Und sein Name stammt nicht vom englischen Reiher, wie ich dachte, sondern von diesem uralten Griechen, der den allerersten Prototyp der allerersten Dampfmaschine erfand

 

28 Die zurückhaltende Madame Kapitän sah immer aus wie die perfekte Pariserin aus einer Modezeitung, genau wie ihr Bootchen. Aber sie konnte bei Regen einen Hut aufsetzen, das Bootchen hat kein Dach

 

29 Ich fand schon immer, dass dieses Zürichsee-Boot eine besonders ansprechende Linienführung - auch in den goldenen Kringeln am Bug - und eine ganz liebevolle Holzverarbeitung hat. Sogar der Boden ist wunderschön. Aber das Hündchen darf trotzdem darauf herumlaufen

 

30 Sie wohnt an der schmalsten Stelle des Bodensees, angeblich unter einer Brücke. Der Kapitän sieht auch ohne Verkleidung aus wie ein echter Kapitän. Wie ein jüngerer Käptn Ahab. Wie Käptn Nemo. Na ja, als er am Dienstag ausrutscht und ins Hafenbecken fällt, doch eher wie Käptn Haddock - samt seinen berühmten Sprechblasen...

 

31 Als es regnete, durften wir mal mit diesem alteingesessenen Zürisee-Schiff mit St.Galler Kennzeichen mitfahren. Viel Holz und Messing, das erinnert uns ein bisschen an unser eigenes. Aber sein Kapitän weiss, wo er hinfährt, und erreicht sein Ziel, im Gegensatz zum abenteuerlustigen Ehemann dieser geduldig wartenden altgriechischen Dame

 

32 Diese Schöne kennt man in der ganzen Schweiz und in halb Europa, sie sieht ja auch sehr apart aus. Ihr zweiter Name ist übrigens "Jöhwiäherzig"!

 

* * wie zusätzlich. Nein, das ist kein Dampfschiff. Aber sie und ihr Schiffer waren immer dabei, haben uns hin- und her- und bei Bedarf auch abgeschleppt, haben gezogen und geschoben und geholt und gebracht und die ganze Woche wie ein geduldiger Hütehund auf seine durcheinander wuselnden Schäfchen aufgepasst. Vielen Dank!

 

Version für den DDV, mit allen Bootsnamen (Lösungshilfe)

 

 

30-jähriges Schweizer Dampfboot-Jubiläum

 

Freitag, 06.09.2013

Wir sind schon gestern angereist, René und Andreas Knutti mit unserem Dampfboot im Schlepptau, ich mitten in der Nacht nach der Arbeit im Zug. Der Freitag ist heiss und sonnig, ich verbringe ihn als "Tätschmeister" am Bootsschlipf von Stansstad. Organisator Beat von der "Liberty Belle" ist anfangs auch dabei, entschwindet dann aber mit dem Natel am Ohr, dem Aktenkoffer in der Hand, dem Velo unter dem Füdli, und der Bemerkung "...ich muss noch ganz schnell..." in der Ferne, und ward nicht mehr gesehen. René - zusammen mit Andreas, einer Nussschale mit Aussenbordmotor, einem zerknitterten Plan und seiner Lesebrille - schleppt die eingewasserten Dampfschiffe ab und verfrachtet sie an ihre Plätze. Ich lerne einiges an diesem Tag: von Pieter dem Holländer den korrekten Mastwurf ("so... und so... und untedurchchch..."), von den Franzosen, dass es "la corde - das Seil" heisst und nicht "la ficelle - das Schnürchen" (peinlich peinlich, mon francais de l'ecole), dass der "Heron" nach dem griechischen Gelehrten benannt ist und nicht nach dem englischen Reiher, und dass das nette Männchen mit Kamera Reinhard heisst und mit seinem Freund Rüdiger extra wegen der Dampfboote von weit her angereist ist. Und unsere „Lady Makepeace" liegt mit ihrem legendären roten Mänteli mitten im Hafen, und wir hatten keine Minute Zeit, um das Messing zu polieren (René) oder den Blumenschmuck herzustellen (Kim) Immerhin bin ich umgeben von Büschen und schneide immer mal wieder was Schönes ab. All das Gestrüpp wird in die Handtasche gestopft und wartet dann eben bis morgen.

 

Heute gelernt: Es gibt wirklich unglaublich viele Variationen von Dampfbooten, und jedes ist das Schönste für seine Besitzer!

 

 

Das offizielle Jubiläumswochenende, 07. und 08.09.2013

Im strahlenden Sonnenschein am Samstag und unter dem bedeckten und leicht regnerischen Himmel am Sonntag paradiert die unglaubliche Menge von über dreissig Dampfbooten auf dem See hin und her.

 

Ein sooo schöner, absolut einmaliger Anblick! Es dampft und raucht und pfeift, fröhlich flattern die Flaggen und Fähnlein (ha, ich konnte wieder mal einen meiner geliebten Stabreime einbauen!) und auf einigen Booten hat es auch frische Blumen – auf der „Lady Makepeace", zum Beispiel. Ich habe mir an den finnischen Dampfern ein Beispiel genommen und auch die Stangen mit Birkenzweigen geschmückt. Hübsch! Sagt auch der deutsche Dampfboot-Präsident Schuck, der die nördliche Delegation (immerhin sechs Boote!) mit seiner Anwesenheit unterstützt.

 

Alle sind auch so verschieden, vom kräftigen hemdsärmligen Arbeitsschiff „Chrige" (notabene mit auffällig gut gekleideter Dame im Theater-Kostüm an Bord) bis zur gediegenen „Delfin" mit ihren Goldkringeln am Bug. Von der grasgrünen alten „Uranus" samt der Dame im Kosaken-Kostüm ihrer Grossmutter zum nagelneuen „Dampfhans", und aussen dreht die schnittige „Butterfly" mit ihrem unverwechselbaren Rumpf und dem glänzenden Kessel ihre Runden.

 

Der behäbige Niederländer „Theodoor" hat einen Kapitän mit Zylinder, den er hochelegant schwenken kann, und eine stilecht oranje Dame mit kleidsamer Haube. Die Franzosen, unter anderem mit der weissen „Iris" und der kleinen „Woodbine", und die Welsch-Schweizer (der treue Croci und seine „Louisiane") fallen durch fröhliches Geplapper und les dames très chics auf und haben Verstärkung durch das wendige Dampf-Kanu „Espardrille", das mit Eierkohlen gefüttert wird und tapfer mithält. Die beiden Engländer (auf der„Ursula" kann man sogar schlafen!) schleppen stolz ihre übergrossen Fahnen hinter sich her. Die Delegation vom Bodensee ist traditionell international und mit fünf Booten vertreten, unsere kleine „Eva" bringt mit ihrer traditionellen Schwedenfahne nordisches Flair hinein.

 

Es hat neue, uns unbekannte Boote, wie die „Lagavulin", aber wir treffen natürlich auch auf alte Bekannte: die „Theansa" mit der melodischen Pfeife und dem charmanten Wolfgang – der trägt sogar beim Holzhacken seine Fliege! – kennen wir von Bodman im Frühling, und die „Liberty Belle" ist ja in ganz Europa bekannt wie ein bunter Hund – oder eben wie ein ganz ganz kleiner Raddampfer. Der grosse Raddampfer „Unterwalden" wird extra freundlich von seinem Heizer Heimo begrüsst. Der arbeitet heute en miniature und beweist sein Können auf der „Melisande".Von der „Isle of Jura" kommt ein Strohhut geflogen und wird galant von der grand old lady „Minette" und ihrer singenden Besatzung aufgefischt. Und das schüchterne „Dämpfli" ist auch da, weit draussen.

 

Für das Erinnerungsphoto versucht man, per Lautsprecher vom Ufer aus alle Boote auf eine Linie zu bekommen. Ein Sack voll Flöhe ist gar nichts gegen uns: diese Flöhe sind auch noch unter Dampf, haben laute Pfeifen und benutzen sie freudig, reden verschiedene Sprachen und hören ungern zu, und sind alles totale Individualisten… Ich bin ja echt gespannt auf das Resultat!

 

Die Idee mit dem Nostalgie-Tag (da man nicht genau weiss, ob es jetzt der Samstag oder der Sonntag ist, wegen eines Druckfehlers im Festprogramm, machen wir eben ein Nostalgie-Wochenende daraus!) kommt gut an, sie wird phantasievoll und originell umgesetzt. Wir werden dauernd fotografiert und interviewt, und so viele Komplimente hört man sonst nie! Die Kleider stammen vom Kostümverleih oder aus dem Fundus der Grosseltern, oder einfach aus dem eigenen Kleiderschrank. Einige Damen kleidsam und altmodisch mit Hut, meist elegant - und so praktisch auf einem Dampfboot! - in schwarz ("du siehst aus wie Fräulein Rottenmeier, nur freundlicher"), oder in weisser Tüllwolke als auffällige Galionsfigur auf der französichen "Lili", und auf der "Seraphine" eine Hamburger Händlerin in tiefblau mit Strohhut und rosigen Backen. Die Männer oft in den klassischen weissen Hemdsärmeln und schwarzen Westen und Kappen, das steht wirklich jedem. Streifen sind auch gut vertreten, längs in den nordischen Fischerblusen und der russ- und ölbefleckten Heizermontur, quer als klassische Sailor-Leibchen oder mit Strohhut fürs Venedig-Feeling. Mein eigener „Lady Makepeace"-Kapitän ist für mich natürlich der allerschönste und sieht grossartig aus, mit extra gewachsenem Schnauz und altgoldenen Litzen, der von der "St.Urs" könnte glatt mit Mary Poppins ausgehen, derjenige von der „Horus" ist auch sehr bilderbuchhaft mit seinem schneeweissen Vollbart, und der von der „Patrizia" sieht auch ohne Verkleidung immer aus wie der klassische Kapitän. Käptn Ahab, oder Käptn Nemo zum Beispiel. Na ja, als er dann am Dienstag ins Hafenbecken fällt, vielleicht eher wie Käptn Haddock, samt seiner Sprechblase…

 

Ausserdem hat es eine Unmenge von gut gelaunten Zuschauern und viele zusätzliche dampferische Sehenswürdigkeiten: unter anderem die kleine "Louisa" auf dem Trockenen, eine sehr laute Dampfsäge (funktioniert tadellos!), einige Garteneisenbahnen, das immer wieder auftauchende Kurs-Dampfschiff "Unterwalden", Dampfschiffmodelle, Drehorgelmänner und -Frauen, einen dampfbetriebenen Servelat-Dreh-Grill, und natürlich den unvermeidlichen und in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten "Yeti"...

 

Dieses Wochenende gelernt: so ein Jubiläumswochenende ist einfach wunderprachtvollmärchenzauberhaft!

 

 

Woche 09. -13.09-2013

Es folgt eine ganz tolle Verlängerungswoche mit erstaunlich vielen Dampfbooten, die gleich noch Ferien anhängen. An den schönen, möglichst regenlosen Tagen fahren wir selbst, an den anderen suchen wir uns eine Mitfahrgelegenheit auf einem der geschlossenen Boote: am Montag die kühle, geradlinige blau-silberne „Isle of Jura", am Dienstag die „Penelope" Die erinnert uns mit dem vielen Holz und Messing an unsere „Lady Makepeace" und erscheint uns darum besonders heimelig. Den einmalig schönen Salon vom „Fünkli" sehe und bewundere ich leider nur von aussen. Kim: „Oh wow, der ist absolut perfekt, den hat bestimmt eine Frau eingerichtet!" – Antwort: „nein, ein Mann, der weiss aber eben ganz genau, was den Frauen gefällt!" Recht hat er, und Gedanken macht man sich… Uns wird ein super tolles Unterhaltungsprogramm geboten, von Knüsels Traktoren, die Männeraugen glänzen lassen, über den aufrechten, immer noch recht feschen Tell, der früher in der Vico-Torriani-Show Frauenaugen glänzen liess, übers Pilatus-Depot zur Stickerei-Maschine bis zur Stanserhorn-Cabrio-Seilbahn, und wir werden reichhaltig verpflegt, vom duftenden Schinkengipfel aus dem Wald direkt aufs Boot, den Käseschnitten in der ehemaligen Festung mitten im Berg, den Zvieri hoch über Luzern im Pulverturm, bis zum geselligen Zusammensein mit und ohne Musik im gastfreundlichen Ruderclub.

 

Am Mittwoch fahren wir selbst, es geht nach Luzern, dieses erhebende Gefühl lassen wir uns nicht entgehen! Auf dem Rückweg haben wir Martha und „See"hund Bianca als Gäste dabei – und werden mal wieder von der Polizei verfolgt, gestellt und gestoppt. Es habe jemand angerufen, auf dem See brenne ein Boot… Sie sehen dann aber schon, dass wir ein Dampfschiff sind, und nicht mal ein besonders Rauchendes. Wir wollen sie auf die „Patrizia" hetzen, die vor uns herfährt und viel mehr und viel schwärzeren Rauch hat als wir. Aber sie sind nicht an einer Verfolgungsjagd interessiert, sondern lachen nur. Die wollten doch nur noch ein plauschiges Abendfährtchen machen, die jungen Trübel! Und Donnerstag sind wir bei der schnellen eleganten „St.Urs" mit ihrem eingespielten Team zu Gast.

 

Wir lernen viel in diesen Tagen: wie die Kapitäne zum eigenen Boot kamen (einige, wie zuletzt Peter von der „Steamy" ,haben doch tatsächlich alles selbst gemacht, was für eine Riesenbüez!), wie die verschiedenen Mannschaften/Ehepaare zusammenspielen, wo man schon war und wohin man gerne noch ginge…

 

Oder – besonders interessant - wie verschieden mit einem Beinahe-Zusammenstoss umgegangen wird: - zum Beispiel fuchtelt hoch oben auf dem Raddampfer der Kapitän verärgert und sehr aufgeregt mit den Armen und pfeift anhaltend, während ganz weit unten der unvorsichtige und völlig sorglose französische Winzling „Lili"davonflitzt… („ah pah, pas de problem, wirrr fahrrren auf die Meerrrr!") - zum Beispiel als beim Manövrieren im engen Hafen der „Vesuvius" von der etwas grösseren, schwarzrauchigen „Geordie" ganz einfach total übersehen und überhört wird, was zu lautem, wütendem, äusserst korrektem und beherrschtem Geschimpfe auf Englisch führt - zum Beispiel als die „Lady Makepeace" beinahe die „Uranus" abschiesst, und es knochentrocken herübertönt: „tja, WIR sind im Fall die mit dem Stahlrumpf, gell!"…

 

Wir frischen Bekanntschaften auf und lernen neue Leute kennen, und verlieren auch ein bisschen die Scheu. Sogar Sue von der „Vesuvius" erwähnt mal in einer Geschichte: "…damals, als Roger die Maschine noch gar nicht im Griff hatte…!" Ha, wer hätte das gedacht!

 

Heute gelernt: Die „alten Dampfgurus" sind eigentlich ganz nett, und haben auch mal klein angefangen!

 

 

Mittwoch, den 02. Oktober 2013

Unsere letzte Fahrt in dieser so aufregenden und abwechslungsreichen Saison. Wie viel haben wir doch erlebt! Das 30-jährige deutsche Jubiläum in Bodman, mit aufregender Anreise und Dampfbootrennen. Einen idealen Sommer mit Badeleiter und vielen Freunden. Das 30-jährige schweizer Jubiläum in Stansstad mit Nostalgie-Wochenende und super Anschlusswoche. Wir tuckern friedlich vor uns hin, erzählen uns noch einmal all die schönen Erlebnisse, und sind ein bisschen wehmütig. In der Mitte des Sees klingelt das Handy. Es ist Hampi Hafenmeister. Der Wind frische jetzt ziemlich schnell auf, wo wir denn seien, er sehe uns noch nicht… Wir pfeifen, und dann hat er uns im Feldstecher. Noch das letzte Holzscheit auflegen, noch einmal die kleine Maschine stämpfelen lassen, kurz vor den ersten Sturmböen sind wir sicher wieder im Hafen. Und unsere zweite Saison als Dampfschiff-Kapitäne ist abgeschlossen und wird zu einer unvergesslichen Erinnerung…

 

Heute gelernt: Auch hier in Altnau waren wir gut aufgehoben!

 

 

Samstag, den 19. Oktober 2013

Wir haben eine Einladung zur alljährlichen Austernfahrt auf den „Heureka" erhalten. Das Wetter ist wunderbar warm und schon etwas herbstlich, Ruth und Hansueli erscheinen stilecht im Beret, und auch wir haben uns natürlich ein bisschen aufgebretzelt. Noblesse oblige, nämlich! Die „Seraphine" kommt auch noch dazu, sie hat Gäste vom „Greif"ensee dabei. Die Luft ist mild und riecht nach Holzfeuer und heissem Dampf, Hansueli und ich bodigen schlürfend und schmatzend ein ganzes Körbli Austern. Die Schalen werfen wir in weitem Bogen über Bord. Da werden sich in 1000 Jahren die Archäologen sehr darüber freuen. Ich sehe schon die Schlagzeilen in den wissenschaftlichen Blättern: "Sensationelle Fossilien-Funde: Austernkolonie im Bodensee!" Und der "Blick" würde dann titeln: "Austern überwinden den Rheinfall stromaufwärts! Wir haben die Bilder!" Die anderen in unserer lustigen Runde bevorzugen Lachsrollen und geräuchte Forellen. Dazu ein wunderbarer Weisswein und knuspriges französisches Baguette mit „Dampferbutter capitaine avec fleur de sel" Wir lehnen gemütlich an die Bordwand, sagen ab und zu was Nettes, und lassen uns die Sonne auf unsere wohlgefüllten Bäuchlein scheinen…

 

Heute gelernt: Wenns sein muss, kann ich auch französisch: La vie est belle!

 

 

Freitag, den 21. Februar 2014

Ein Herr Maurer aus Baden ruft an. Er möchte ein Dampfboot für die Hochzeit seines Bruders organisieren. Am 12. April, von Diessenhofen zum Restaurant „Schupfen", etwa 2-3 Stunden oder so… Sofort setzt mein romantisches Ich meine rosarote Brille auf: Die wunderschöne „Lady Makepeace", blumengeschmückt, ein sich verliebt zulächelndes Brautpaar Hand in Hand, strahlender Sonnenschein, der Brautschleier und unsere Rauchfahne werden dekorativ von einer leichten Brise verweht, fröhlich pfeifend biegen wir um die Kurve, beim „Schupfen" ist die Hochzeitsgesellschaft freudig überrascht und kann es kaum glauben, die Frühlingswälder strahlen zart in allen Grüntönen, und am samtig blauen Himmel fahren Schäfchenwolken… Auf jeden Fall ist alles sehr perfekt und wundervoll und überhaupt. Neben mir murmelt mein Kapitän etwas von „Hochrhein" und „Strömung", und die Realität schlägt unbarmherzig zu. Die Braut hat einen hochroten Kopf und schwarze Russ-Tupfen und kleine Brandlöcher im kostbaren Spitzenkleid, der Bräutigam zittert im regennassen Anzug vor Kälte, wir schlingern in der markanten Strömung um die Kurve und werden hilflos am Steg vorbei getrieben, während die Gesellschaft dem Ufer entlang rennt und verzweifelt versucht, das Seil zu erhaschen, das immer wieder ins Wasser klatscht, weiter unter tost der Rheinfall (ja, ja, ich weiss, VIEL weiter unten, aber es geht hier um die Dramatik!)… Also sagen wir – eben doch mit ein bisschen schwerem Herzen – ab. Schade, der junge Mann hatte sich wirklich viel Mühe gegeben…

 

Heute gelernt: Dampferhochzeiten nur im Hochsommer – und vielleicht könnte die Braut schwarz tragen?!?

 

 

Arbon classics, 03.05. - 05.05.2014

Das Wochenende der „arbon classics" naht. Auch dieses Jahr werden die „Heureka", die „Lady Makepeace", und neu auch die „Seraphine" dabei sein. Eigentlich wollten wir im Konvoi am Freitag nach Arbon tuckern. Aber morgen hat der Wetterbericht Regen, Regen und noch mal Regen, also beschliessen die drei Schönwetter-Dampfboot-Kapitäne, schon heute Donnerstag die Überfahrt zu meistern. Der winzige Güttinger Hafen ist schon ganz schön belebt, ein paar Fischer, Jogger, Hündeler, Spaziergänger, der Hafen-Beck verkauft seine Weggli, der Motoboot-Fahrlehrer zwingt seiner Schülerin den Palstek auf, der Hafenmeister hisst drei funkelnigelnagelneue Fahnen. Und mitten drin die beiden rauchenden Dampfschiffli, schwer beladen mit Holz, Notfall-Briketts, Blachen, warmen Jacken, Regenschutz...

 

Weil unsere Dampfboote schon in Arbon sind, reisen wir am Samstag mit der Dampflok und dem Mostindien-Express an. Der Himmel ist bedeckt, alles ist grau, ungemütlich, nass. Und überall mutige Farbtupfen: der liebevolle Blumenschmuck an den Kühlergrillen der alten Saurer-Lastwagen und Hürlimann-Traktoren. Die puderblauen Rolls-Royce und La-Salles neben leuchtend roten Feuerwehrautos und Ferraris, knallgelbe Postautos zwischen geliebten, quietschbunten R-4, Döschwoos, und Ford Mustangs. Moto Guzzis und Harleys mit Seitenwagen rauschen sportlich durch die Pfützen. Oben kreist die behäbige Tante Ju, umkreist von kleinen bonbonfarbigen Doppeldeckern und Propeller-Flugzeugen. Es geht die kalte Bise, aber es ist wenigstens trocken. Wir decken die „Lady Makepeace" ab, René heizt ein bisschen ein. Rauch und Holzgeruch locken die Leute ans Wasser. Wir lassen die Maschine im Stand laufen. Das hat uns das Dampfboot „Pauline" in Flensburg vorgemacht, hier wie dort ein voller Erfolg. Unser „Nähmaschineli" wird sehr bewundert und kommentiert, „ganz wiä bi dä Grosse!". Die „Heureka" macht auch ein paar Blachen auf und man sitzt mit ein paar Gästen am Schärmen. Schwaden aus gefrorener Atemluft und warmem Pfeifenrauch driften zu uns herüber. Die „Seraphine" bleibt wasser- und windsicher verpackt. Zusammen mit dem Raddampfer „Hohentwiel", der alle paar Stunden an- und wieder ablegt, präsentieren wir die Wasserseite der Veranstaltung gar nicht schlecht!

 

Sonntag ist das Wetter etwas besser, dafür sehr windig. Die "Seraphine" dampft trotzdem los, Peter muss am Montag arbeiten, ausserdem hat er eine höhere Bordwand als wir. Die "Heureka" und die "Lady Makepeace" bleiben noch, wir sehen uns die beeindruckende Oldtimer-Flugshow an und treffen Peet, der auf dem Sprung zu einem längeren Auslandaufenthalt ist. Er macht ein paar schöne Photos, und schreibt auch noch einen sehr netten Bericht über die "arbon classics" im "Das Dampfboot"

 

Diesmal gelernt: Dampfboot-Treffen haben es wettermässig in sich: Warmes und Wetterfestes muss IMMER mit!

 

 

Dordt in Stoom, 23. – 25.05.2014

In Dordrecht findet im Zwei-Jahres-Rhythmus das Dampf-Fest „Dordt in Stoom" statt, das „grösste Dampffestival Europas", dieses Jahr schon zum 16. Mal. René und ich sind immerhin schon zum dritten Mal dabei. Wir sind voller Vorfreude schon einen Tag früher angereist und schlendern Hand in Hand durch die alten gepflasterten Gassen. Es ist warm und sonnig, das freut uns, denn das letzte Mal war es über das ganze Festival regnerisch und kühl. Vor der „Groote Kerk" mit dem massiven, quadratischen, mittelalterlichen Turm trennen wir uns, ich steige schnaufend und stöhnend die unendliche Wendeltreppe hinauf bis unter die riesige Turmuhr - der kleine Zeiger ist grösser als ich! Zum Glück bin ich ganz allein da oben, niemand hört mein Jammern und Schimpfen… Aber die Aussicht ist einmalig: die malerischen rostroten Dächer der ältesten Stadt Hollands, die grünen Baumkronen, die vielen Grachten und kleinen Häfen mitten in der Stadt. Das Ganze begrenzt von den drei im Sonnenlicht glitzernden blau-braunen Flüssen, die hier zusammentreffen. Gaaanz weit unten sitzt René in einem Strassencafé („das Knie, weisst du") und ich telefoniere ihm hinunter, wenn zwischen den grossen Frachtschiffen und geschäftigen Schnellbooten irgendwo eine Rauchwolke mit dazugehörigem Dampfschiff auftaucht und auf die Stadt zu hält.

 

Gegen Abend sind sie dann im Hafen versammelt und bereiten sich auf die Flottenparade vor. Anders als in Flensburg ist das hier eine rein niederländische Angelegenheit. Die Holländer haben eine gut gepflegte Dampf-Schlepper-Flotte, die treu hier auftaucht. Breite, behäbige ehemalige Arbeitsschiffe mit viel Kraft, in allen Grössen, glänzend lackiert in ihren typischen Farben: schwarzer Rumpf und rotbrauner Aufbau, dazu weisse Akzente. Nur die Schornsteine und natürlich die fröhliche Beflaggung geben ein paar dezente Farbtupfer ins Bild. Sie haben Namen wie „Hercules" oder „Jan der Starke" und sehen auch so aus. Es wird überall angeheizt, ungerührt vernebeln die brandschwarzen Kohlewolken die schief nach vorne geneigten alten Backsteinhäuser mit den steilen Treppengiebeln. Dieses Jahr fehlt leider die „Rosalie", sie wurde nach Istanbul verkauft, ins Rahmi-Koc-Museum, als funktionierendes Museumsschiff. Aber es ist doch schön, dass man sich anscheinend auch am Bosporus wieder für Dampfschiffe interessiert! Immer an der gleichen Ecke ist der stahlgraue „HMS Elfin" vertäut. Ich vergesse immer, dass auch die Kriegsmarine früher aus Dampfern bestand… An diesem schweigsamen ehemaligen Torpedo-Sucher ist so gar nichts Elfenhaftes – bis auf die bezaubernd klingende Dampfpfeife, welche Überraschung!

 

Und was soll denn das sein?!? René steht stockstill und konsultiert seine sehr weit gereiste Dampfschiff-Liste, schon ganz brüchig, mit vielen Eselsohren und Randnotizen. Vor uns liegt gross und rundlich und mit lustigen Bullaugen die „S/S George Stevenson". Nur dass so ein Dampfschiff nicht existiert. René mit seinen paar Brocken englisch stapft ungerührt die Gangway hinauf – dem MUSS er auf den Grund gehen! Er wird von der strahlenden Mannschaft herzlich willkommen geheissen und gleich herumgeführt. Doch doch, sie seien ein ganz echtes und ganz neues Steam-Ship, erst die zweite Saison unter Dampf. Rumpf und der Kessel (aus Germany) seien neu, die Maschine und alle anderen Bestandteile (über 700!) stammen alle aus verschwundenen oder verschrotteten Dampfschiffen aus der ganzen Welt. Ich wandere beeindruckt durch dieses glänzende, funkelnde, funktionierende Museum, gefolgt von freudig erklärenden Maschinisten. Letztes Jahr waren sie an der Nordsteam in Bergen, als einziges Nicht-skandinavisches Schiff. Und hier in Dordrecht ist ihr zweiter grosser Auftritt, in der Heimat. Auf der Brücke sehe ich René friedlich mit ein paar Männern in schmucker Uniform gestikulieren, und ein rundlicher Herr – der Besitzer, wie wir später in der Zeitung lesen – dröhnt gemütlich in gebrochenem Deutsch: „... ein Holländer, ein Schweizer und ein Engländer sitzen auf einem Dampfboot, sagt der Engländer…" Ich ziehe mich diskret zurück.

 

Eigentlich ist es ein Dampffestival, aber an der Flottenparade ist wirklich jeder dabei und begleitet die Dampfschiffe: tipptopp gepflegte alte (und neue) Segler, Ruderboote, Gummiboote, die unvermeidlichen Motorschiffe und die schnittigen weissen Jachten. Ein ganzer Schwarm zalmdrijvers – das sind diese typischen kleinen braunen holländischen Flachwasser-Fischerboote mit den seitlichen Holz"Flügeln" und den Leinen-Segeln, schön behütet von ein paar grossen Exemplaren der gleichen Sorte. Das riesige rote Leuchtfeuer-Museums-Schiff „Noord Hinder" fährt mit, und auch schwimmende Dampfmaschinen werden mitgeschleppt und mitgeschoben und mitgezogen: ein Dampfkran, der vor allem raucht und seine zehn (!) Dampf-Pfeifen betätigt, ein Dampf-Spiral-Bagger-Aushub-Ding, und sogar ein absolut gigantischer dampfbetriebener Sauger, der aussieht wie ein überdimensionierter Roboter-Tintenfisch. Der herausgeputzte „Pieter Boehle" – bis zum letzten Moment wird geschrubbt und poliert – ist der lokale Star der Dampfschiffe, er ist schlanker, eleganter und schnittiger in der Linienführung. Aber auch er verleugnet trotz Goldschnörkeln seine Schleppervergangenheit nicht und bleibt in der schwarz-braunen Farbkomposition. Vornehm und schön am Rand dampft der höchst elitäre Ex-Eisbrecher „Christiaan Breunings", ein weiteres funktionierendes und sehr hübsches Museumsschiff aus Amsterdam. Mitten im Gewusel ganz königlich der grösste Seitenraddampfer der Welt, „De Majesteit" aus Rotterdam, prall voll mit winkenden Passagieren. Und von hinten schleicht sich die „S/S Success" an, ihre Kalliope (Dampfpfeifen-Orgel) spielt das Pink-Panther-Thema… Natürlich hat es auch ein paar unechte Nicht-Mehr-Dampfschiffe und nachgebaute Noch-Nie-Dampfschiff-Gewesene dabei, über die rümpft René nur die Nase. Aber auf meinen „Hydrograaf" lasse ich dann gar nichts kommen! Das ist ein bildschönes Ex-Dampfschiff mit ganz viel Charme. Und es ist eben so: In der Schweiz kommt der Samichlaus mit dem Esel. In Finnland kommt der Joulupukki mit dem Rentierschlitten. In den USA kommt Santa Claus mit dem Coca-Cola-Truck. Und in Holland – da kommt der Sinterclaas mit dem „Hydrograaf". Wirklich wahr!

 

Am nächsten Tag, dem Samstag, fängt das Festival so richtig an. Ein paar Kilometer ausserhalb der Stadt sind in einer grossen Halle lauter Modelle aufgebaut, alles funktioniert mit Dampf, vor allem natürlich Eisenbahnen und Maschinen und auch sonst alles, was das Miniaturen-Herz begehrt. Erreichbar ist die Halle mit richtigen Dampfloks im Pendelverkehr. Vom Bahnhof zum Hafengelände fahren Oldtimer-Busse (auch ein gelbes Schweizer DüDaDooo – Postautooo ist dabei), und die dritte Seite des Dreiecks wieder zur Modellhalle geht über den Wasserweg mit Dampfschiffen. Wenn man will, kann man den ganzen Tag rundherum und hin- und herfahren, das kostet 15 Euro und nennt sich Stoomrondje. Oder man bleibt, wie wir heute, in der Nähe des Hafens, atmet die kohlerauch- und dampfgeschwängerte Luft und vertreibt sich schlendernd die Zeit. Mit einer Papiertüte voll Patate frites die mächtigen Dampfwalzen betrachten. Daneben die Tuba/Saxophon/Posaunen-Blaskapelle, nicht mehr jung und schon ziemlich verbeult, aber immer noch fetzig – die Instrumente UND die Herren. Mit einem lecker Fischbrötchen an den grossen Bassins mit den Modell-(Dampf)-Schiffen vorbei, einem der vielen Shanty-Chöre zuhörend. An einer Zucker-Zimt-Stange schleckend den vielen grösseren und kleineren Dampf-Garten-Züglein ausweichen, im Hintergrund das Gedudel der beiden nostalgischen Kinderkarussells. Mit einer Bratwurst in der Hand die gigantischen, meist englischen Show-Traktoren bewundern und zur Dampfdrehorgel-Musik „My bonnie is over the ocean" mitsummen. Mit einer Portion Pofferties (so winzige, absolut köstliche süsse Teigbällchen) bei einer dampfbetriebenen Feuerwehr-Spritze stehen bleiben und die beiden mächtigen schwarzen Pferde mit den Haaren an den Hufen betrachten. Genau dann schrillt gerade neben uns die Dampf-Alarm-Pfeife, die Pferde traben los, und wir verschwinden in einer Kohlerauch-, Wassertropfen- und Puderzuckerwolke… Man glaubt gar nicht, was so alles mit Dampf angetrieben werden kann! Sägen und Hämmer und Blasebälge sind ja bekannt, ab und zu sieht man auch mal ein dampfbetriebenes Auto oder sogar ein Velo. Aber eine Kaffee-Rösten-Dampf-Maschine, oder eine Holländische-Holzschuhe-Schnitzen-Dampf-Maschine, das ist schon echt exotisch! Eine Seite des Hafenareals ist wie ein lebendes Freilichtmuseum gestaltet, mit Hafenarbeitern, Fischern und altem maritimem Handwerk. Zu „Seemann, deine Liebe ist dein Schiff…" legen wir einen verliebten Walzer aufs Kopfsteinpflaster, und dann verhandeln René, ein alter Seilmacher und lauter hilfsbereite Leute rundherum auf holländisch / schweizerdeutsch / englisch. Und mein Kapitän schafft es tatsächlich, vier neue, nach altem Muster aus Seilen geknüpfte Fender für seine "Lady Makepeace" zu bestellen. Dauert aber schon ein Jahr, bis die Seile gedreht und die Fender geknüpft sind. Aber so lange halten unsere alten schon noch. Was für ein tolles Souvenir!

 

Habe ich behauptet, „Dordt in Stoom" sei eine rein niederländische Dampfschiff-Angelegenheit? Stimmt nicht! Ein einziges kleines Dampfboot ist auch dabei: die "Gusta", unter belgischer Flagge. Wir erwischen sie nie, sie benimmt sich wie eine fata morgana und wird zu einem running gag: wir stehen auf einer Klapp-Brücke, sie tuckert unten durch. Wir stehen auf der Hafenmauer, sie biegt um die nächste Ecke. Wir rennen zu ihr auf den Steg, sie legt gerade ab. Aber wir haben ein Photo, die „Gusta" existiert!

 

Und ganz zum Schluss drehen wir eine Runde mit dem kleinen Schlepper „Roek". Wir trinken im Abendrot ein Bier, ruhen unsere schmerzenden Füsse aus, ziehen Bilanz und betrachten die Silhouette der Stadt vom Wasser aus. Wir sind müde und glücklich, trotz strahlendem Sonnenschein liegt ein leicht nebliger Dunst über der Stadt:

 

Diesmal gelernt: „Dordt in Stoom" (Dordrecht im Dampf) stimmt wirklich!

 

 

Jahrestreffen DDV in Konz, 28.05.-01.06.2014

Auf dem Rückweg vom Dampf-Fest in Dordrecht machen wir mit unserem umgebauten alten VW-Bus einen Zwischenstopp in Konz, am Zusammenfluss von Saar und Mosel. Hier findet die Jahresversammlung der deutschen Dampfböötler statt, und wir vom Bodensee sind dort natürlich auch Mitglieder. Auf dem Campingplatz gleich beim Hafen stellen wir uns neben das Zelt der Besatzung des "Heron" aus dem Schwarzwald. René rennt los, mal sehen, wer sonst noch da ist. Das goldbraune Holzboot "Sunrise" liegt schon in einer Hafenecke, und unsere kleine Schwester "Brunel" schwebt gerade am Kran ein (Frolic 18, darum). In der Gartenbeiz beim Campingplatz versammeln sich im Laufe der nächsten Stunden noch einige Dampfboot-Besitzer und - Begeisterte, sie wohnen in Zelten, Wohnmobilen, oder etwas verstreut in Gästezimmern in der Umgebung. Mit lautem Hallo werden alte Bekannte begrüsst, und man wird noch Unbekannten vorgestellt. Die sonst so zuverlässige "Theansa" ist zu Hause geblieben, im Museum, zusammen mit der "Linnea", erzählt ihr Kapitän. Aber es ist nur eine Ausstellung, die beiden kommen dann schon wieder 'raus und aufs Wasser! Die Besatzung des "Beryl of Avon" samt Schiff trudelt ein, und bei Bier und Kartoffelsalat mit Würstchen wird noch lange gefachsimpelt und viel Seemannsgarn gesponnen...

 

Am nächsten Tag ist das Konzer Hafenfest, und die neun Dampfboote sind natürlich der Mittelpunkt. Man ist froh um den wie immer wunderhübschen, geräumigen "Erpel" und den grossen "Max Eyth", denn die angebotenen Dampferfahrten sind bei diesem strahlenden Wetter äusserst beliebt. Das ganz neue Berliner Dampfboot "Nepomuk" (wie der kleine Drache der Augsburger Puppenkiste, nicht wie der Heilige, darauf wird Wert gelegt!) hat eine etwas gewöhnungsbedürftige Form, ein bisschen wie ein Schuhkarton. Aber es ist eben ein Hausboot, mit Küche und geplanter Dusche, und trotzdem ein richtig echtes Dampfschiff! Auf dem "Blitz" hat der strohblonde Nachwuchs wieder mal das Kommando, und auch auf dem "Prometheus" ist die nächste Generation am Steuer, natürlich streng überwacht von den "Alten": "Fender rein, was gibt denn das für Fotos!!!" Die Konzer Mädchenriege hat einen Tanz eingeübt, der Frauenverein hat jede Menge Kuchen gebacken, und es hat so viele Leute, dass man warten muss, bis die Gläser wieder eingesammelt sind, bevor man etwas zu Trinken bekommt - alle sind zufrieden, ein gelungenes Fest!

 

Abends findet im Rathauskeller die Jahresversammlung statt. Wir entdecken Roger und Sue vom "Vesuvius" und setzen uns gleich zu ihnen. So bilden wir automatisch den "Tisch der ausländischen Delegierten". Roger erzählt von Dampfboot-Abenteuern in Neuseeland und Schottland und dieser neuen Schleuse, Sue zeigt Fotos vom fast fertig gebauten neuen Dampfboot mit sonnengelbem Kamin. Sie wollten wieder einen Vulkan-Namen haben. Roger war für "Eyjafjallajökull", und ich bin Feuer und Flamme (und Lava). Da kann man vorne am Bug mit dem Namen anfangen und pinselt einfach immer weiter bis ans Heck. Ok, eine gewisse Länge muss das Schiff natürlich schon haben... Sue ist pragmatischer. "Ätna" heisst's! Die Versammlung wird das erste Mal vom noch jungen Präsidenten Schuck geleitet. Da Deutschland doch ziemlich gross ist, müssen zuerst Obmänner für alle Himmelsrichtungen von Süd bis Nordnordwest gewählt werden. Das dauert... Und dann gibt es wie bei allen Vereinen viele Traktanden und noch viel mehr Diskussionen - von eloquenten, brilliant blitzenden Wortgefechten bis zu polternden Beinahe-Handgreiflichkeiten. Wir rücken erschrocken zusammen. Aber die Bodensee-Kapitäns-Frauen zucken mit keiner Wimper. "Des is immer so. Des gibt sich widder" Na, da sind wir aber froh!

 

Die Boote - und deshalb auch wir - können noch ein paar Tage bleiben. Es gibt eine Fahrt nach Saarburg, wir finden eine Mitfahrgelegenheit auf dem "Heron". Die ganze Schleuse ist voll Dampfboote, die laut pfeifen und sich am Echo freuen, während von oben fotografiert wird, auch von denen, die keinen Dampfbootplatz gekriegt haben und uns mit dem Auto folgen. Bestimmt ein toller Blick, in ein tiefes schwarzes Loch voll Rauch, Dampf und lautem Getöse! Saarburg ist ein wirklich hübscher Ort. Und die Stadtführung am nächsten Tag im nahegelegenen Trier ist sehr informativ. Da wollte ich schon immer mal hin. Diese Stadt hat wirklich alles: von römischen Bädern und der "Porta nigra" über die riesige rote Kaiser-Audienzhalle, den beeindruckenden Dom, das leichtherzige weiss-goldene Rokoko-Schlösschen, viele Jugendstil-Häuser, bis zum Villeroy-und-Boch-Fabrikladen und wirklich gutes Eis unter schattigen Bäumen!

 

Und die Tage klingen aus an den langen Tischen unter den Platanen, wir verabschieden uns von alten und neu gewonnenen Freunden, und freuen uns auf ein Wiedersehen an und vielleicht auf einem schönen Gewässer...

 

Diesmal gelernt: "Und lange klingts im Hafen noch: die Dampfboot-Leute leben hoch!"

 

 

Jubiläum St.Urs, Solothurn, 04.07. – 06.07.2014

Und wieder sind wir nicht mit unserem schönen, aber noch nicht wandernden Dampfboot unterwegs, sondern mit dem alten VW-Bus. Die St.Urs wird 125 Jahre alt, das kann man sich nicht entgehen lassen! Am richtigen Jubiläum am Freitag, dem 4.7.2014, müssen wir leider arbeiten, aber für das Wochenende haben wir ein Plätzchen auf dem Campingplatz gleich beim Hafen reserviert. Kaum sind wir angekommen, schnuppert René Holzrauch und saust los. Die „Penelope" mit Koni und Elisabeth dampft schon munter vor sich hin, die St.Urs – wunderbar mit vielen Fahnen und einem grossen Sonnenblumenstrauss geschmückt – biegt gerade in den Hafen ein, sie hat ein paar Gäste dabei, unter anderem Walter (Bünter) und Dominik (Baumgartner) Wir werden nett begrüsst, auch die Sahlis sind da, samt Boot. Eine Fahrt durch die Altstadt von Solothurn ist geplant (und in der Lokalpresse gross angekündigt), aber die „Isle of Jura" mit ihrem hohen Kamin kommt nicht unter den alten Brücken durch und hat darum gar nicht erst angeheizt. Wir werden zu Renés grossem Entzücken auf die „Penelope" eingeladen. Damit haben wir nicht gerechnet, wir wollten eigentlich vom Ufer aus klatschen und jubeln. Aber so ist es natürlich noch viel besser! Eine kurze Paradefahrt, Mittagessen in einem netten Restaurant gleich an der Aare, dann folgt der Pressetermin. Die mächtig stolze St.Urs samt ebenso stolzer Mannschaft wird fotografiert und interviewt und noch ein Foto und noch eine Frage… während die „Penelope" – mit sehr gutem Druck – zwischen den beiden Altstadt-Brücken hin und her dampft, bis wir fast den Drehwurm bekommen. Aber auch wir werden von den Zuschauern am Ufer sehr bewundert und erhalten sogar spontanen Applaus!

 

Am Sonntag folgt eine Fahrt auf der an dieser Stelle sehr malerischen Aare bis nach Altreu. Alles ist so schön grün hier: das Wasser, die Bäume, die Hügel und die saftigen Wiesen mit den trinkenden Rindern… Dieses Mal nimmt uns die „Isle of Jura" mit, hier hat es keine Brücken, da kann sie wieder mitmachen. Von Altreu bin ich restlos begeistert, dieses Storchendorf ist noch viel grandioser als erwartet! In Kreuzlingen haben wir ja auch eine Storchenstation, aber das hier ist eine Klasse für sich. Überall schwarz-weisse, rotschnäbelige lächelnde Störche, grosse Nester auf Hausdächern und in allen Bäumen, Störche fliegend, herumwandernd, klappernd, die Jungen fütternd – ich bin hin und weg! Der Heimweg mit der „St.Urs" in der Abenddämmerung ist völlig relaxt, und alle hängen schweigsam ihren Gedanken nach. Und dann spannt sich noch ein perfekter Regenbogen über die Aare, von Ufer zu Ufer, und wir rauschen mit unseren Booten vorbei und staunen, wie schön doch die Welt sein kann…

 

Auf dem „St.Urs" gibt es als Abschluss noch einen Hafentrunk im goldenen Schein der Messing-Petrol-Lampe. Und Koni reicht das Ding herum, das ihm den heutigen Tag doch ein bisschen vergällt hat: eine winzig kleine Feder von einem Rückschlag-Ventil, an dem er herumgebastelt und das dann eben nicht wie gewünscht funktioniert hat. Sie – die Feder - sei nämlich zu hart, darum, sagt Koni. Sie wandert von Hand zu Hand, wird kennerisch befingerlet und unter weisem Kopfnicken begutachtet. Ja ja, eindeutig zu hart… doch, ja, tatsächlich… Mmm – naja, das wäre doch mal ein technischer Artikel für „Das Dampfboot": Wie misst man die perfekte Spannung der Feder eines Rückschlagventils?

 

Hier gelernt: never touch a running system! Hoffentlich wird unsere "Lady Makepeace" auch mit 125 Jahren noch so perfekt funktionieren!

 

 

Walensee-Dampf-Tage, Unterterzen, 19./20.07.2014

Es ist heiss. Es ist sonnig. Das Wasser ist kühl und grün, die Felswände senkrecht und dramatisch. Im Walensee-Resort in Unterterzen findet das erste „Dampf-Treffen" statt. Auf dem Vorplatz dampforgelt schon das kleine Karussell mit den Kettensitzen. Geleise für ein paar Garten-Dampf-Eisenbahnen werden gelegt, und zwei blitzblank geputzte kleine Dampflokomotiven mit Wägeli dran werden abgeladen. RuHU (Ruth und Hans-Ueli, von der „Heureka") und ich streben im Schnellschritt in Richtung des kleinen Hafens, wo es schon kräftig raucht. Hansueli fliegt förmlich vor uns her – wir stellen ihn unauffällig wieder auf die Beine, kurz die Wunden lecken und verpflastern, weiter geht’s. Eine schöne und repräsentative Auswahl an Dampfbooten hat sich eingefunden. Die drei „Alten": Die „St.Urs" mit den 125-Jahr-Jubiläumsfahnen, die „Minette", wie immer mit Musikuntermalung, und der grüne „Uranus", der hier vorläufig eine neue Heimat gefunden hat. Das urchige Arbeitsschiff „Chrige", die kühle gradlinige „Isle of Jura", das goldverzierte Holz-Intarsien-Boot „Delfin". Und - natürlich! - die „Liberty Belle", die seit ihrem (grossartig glorios grandiosen) Venedig-Aufenthalt den Schornstein seitlich herunterklappen kann – wegen der niedrigen, aber ach so romantischen italienischen Brücken dort. Alle werden herzlichst vom schon völlig durchgeschwitzten (über 30°!) und stolzgeschwellten „Hausherrn" Michael Neuer empfangen – der „Dampfhans" wohnt nämlich hier im Hafen. Das Resort und die Wolfs-Bootswerft haben sehr liebevoll ein gut organisiertes kleines Fest zusammengestellt, mit Speis und Trank und Hafenplätzen und Holz – sogar Schwimmwesten für Kinder liegen auf einem Haufen, man hat wirklich an alles gedacht! Vormittags läuft noch nicht so viel, ich bekomme sehr gut einen Platz auf einem Boot, dieses Mal ist es die „Minette". Ich richte mich vorne im Bug häuslich ein und kann sogar ein paar Runden hintereinander mitdampfen, Frankie-Boy swingt dazu aus den Lautsprechern. Ich bewundere den Windermere-Kettle, hier in der „Zürisee-Chessel"-Version (Dampfschleife nicht am Kesselboden, sondern in der Kupferwand versteckt eingebaut). Madame Meggie de la Minette kredenzt daraus schon mal Spargeln und grüne Servelats, wie sie erzählt… Diese Züriseeler sind eben doch einen Zacken nobler als wir anderen! Ab Mittag bilden sich längere Schlangen, und den ganzen Nachmittag kreisen die Dampfboote mit ihren Gästen unermüdlich auf dem glitzernden See. Wir anderen sitzen unter einem grossen Sonnenschirm im Schatten, es bilden sich „Dampfer-Tische" mit vielen Fachsimpeleien zwischen den zahlreich erschienenen VSD-Mitgliedern. Sobald ich mich einem Tisch nähere, erklingt die Warnung „Achung, diä schriibt dänn im Fall alles uuf!" Also bitte, dann verrate ich hier auch, dass kein Einziger der anwesenden Dämpfeler alle Churfirsten aufsagen konnte! Das habe ich nämlich tatsächlich aufgeschrieben… Mindestens heute Samstag – Holz anfassen, liegt ja genug herum – hat kein einziges der anwesenden Dampfboote einen wie auch immer gearteten Schaden, alle können dampfen. Nur der eine Dampftraktor, der hat eine gebrochene Vorderachse, weil Priska gerade das Handling lernt und das (Steuerungs)Rad statt nach rechts nach links gedreht… aber das ist eine ganz andere Geschichte, und Geordie-Werni (dem der Traktor mal gehört hat) dröhnt gemütlich: „was man mal gebaut hat, kann man auch reparieren!" Wir sind ziemlich angetan vom ganzen Fest, und wir Bodensee-Schiffe überlegen uns, hier im Resort gemeinsam eine Wohnung zu kaufen und einfach zwischen Boden – und Walensee zu pendeln. Dann wären wir die BoWaFlöhe, (BodenseeWalenseeFlotte), und müssten nur einfach immer mal wieder über den Ricken hüpfen…

 

Diesmal gelernt: der schönste Ort an einem so knallig heissen Tag ist einfach auf einem Dampfboot, inmitten von vielen anderen Dampfbooten!

 

 

Dampferparade in Dresden, 14.-17.08.2014

Morgens um 06.00 hält der Schlafwagen-Zug in Leipzig. Ich drehe mich in meinem engen, aber bequemen Bett und schaue durch den Vorhang. Ein schöner alter (Dampflok-)Bahnhof, hohe Rundbogen aus Gusseisen und Glas, wo sich früher der Rauch und der Dampf der Lokomotiven gefangen haben. Heute nicht mehr, leider. Alles ist wie ausgestorben, ich schlafe noch eine Stunde. Auch Dresden hat noch so einen Bahnhof, man denkt an die riesigen viktorianischen Glashäuser in den botanischen Gärten oder den Eiffelturm. Hier ist schon mehr los. Wir stellen unser Gepäck im Hotel ab und spazieren durch die noch halb schlafende Stadt Richtung Elbufer. Überall werden schon kleine Stände, Bühnen und Zelte für das grosse Stadtfest, das dieses Wochenende stattfindet, aufgebaut. Die neun Dampfschiffe der „Sächsischen Dampfschiff-Flotte" machen sich bereit für einen neuen Tag, einige lassen schon zischend Dampf durch die roten Schaufelräder ab, weit oben beim Anleger neun liegt die - noch mit Kohlen geheizte - „Diesbar" und raucht kräftig vor sich hin. Blauer Himmel, Schäfchenwolken, leichter Wind , schon eine Warteschlange vor dem Dampfschiff „Krippen", das heute eine Tagesfahrt nach Meissen unternimmt. Wir reihen uns ein und winken der schon abfahrenden „Dresden" zu, die die Elbe gegen die Strömung befährt, vorbei an den hübschen kleinen Schlössern, Richtung „Sächsische Schweiz". Wir dampfen mit eingeknicktem Kamin unter den historischen Brücken durch, vorbei an den prächtigen barocken Sandsteingebäuden des Zwingers, der Semperoper, der Kirche, dem Palais – zum Glück hat man all das mit viel Liebe und Geld nach der Total-Zerstörung 1945 wieder aufgebaut. Und zum Glück haben auch die beige-grünen Flussdampfer einigermassen überlebt und werden jetzt gehegt und gepflegt und gehören zur Stadt wie Striezel und Frauenkirche - immerhin die grösste Fluss-Raddampfer-Flotte der Welt, und zwischen 120 und 135 Jahre alt! Auf der Höhe der „Tabak-Moschee" stellt sich unser Schornstein wieder auf – diese „Moschee" ist eine ehemalige Zigarettenfabrik, um die schöne Stadtsilhouette nicht zu stören, wurde sie im orientalischen Stil „verkleidet", der Kamin wurde zu einem Minarett, und unter der bunten Glaskuppel trockneten die Tabakblätter. Sieht sehr hübsch aus! Aber schon der wichtigste Dresden-Herrscher August der Starke hat hier in Dresden die morgenländische Romantik in Mode gebracht, man kann zum Beispiel im Museum die grossartige „Türckische Cammer" mit ihren kostbaren Schätzen bewundern – wenn es regnet. Das tut es heute nicht, wir dampferlen, René bewundert das alte Schiff mit den ungewohnt filigranen roten Schaufelrädern und der dunkelgrün lackierten, wie bei allen Dampfschiffen glänzend messing-polierten Maschine. Ich sitze ein bisschen im Salon in tiefen, rauchblauen Plüschsitzen und schreibe, die Fenster sind ziemlich genau auf Wasserhöhe, ein lustiges Gefühl, die Schwalben schwirren mir genau um die Nase! Danach wieder hinauf aufs Sonnendeck. Das Schiff ist – wie zum Glück auch seine dampfenden Kollegen – erfreulicherweise gut besetzt, beim Radkasten werden Fahrräder transportiert, diese Schiffe sind nicht nur eine Touristenattraktion, sondern auch ganz normale Transportmittel. Die „Meissen" kommt uns aus Meissen entgegen und pfeift. Überhaupt tutet unser Dampfer auch für winkende Kindergruppen, radelnde Sportskanonen, die Vesper essende Besatzung eines Kiesschiffes und fröhlich biertrinkende Gäste auf der Terrasse des Restaurants „Dampfschiff". Meissen ist ein hübsches Städtchen mit ganz viel Kopfsteinpflaster – warum, oh warum muss ich zu meinen Röcken immer Absätze tragen? – und einer unglaublich teuren Porzellan-Manufaktur. Ist ja schön, aber so richtig wunderbar erholsam ist erst die Rückfahrt mit unserem schmucken Dampfschiff. Abgesehen von den Weinbergen und den kleinen Villen ist die Landschaft hier irgendwie silbern: grünsilbern funkelndes Wasser, Silberweiden, grausilberne Pappeln und Espen im Wind, silber-gesäumte Wolken am Himmel, silberne Tropfen spritzen vom meditativ platschplatschplatschenden Schaufelrad, und immer wieder holt uns das Knarren der Schornsteinwinde vor und nach den Brücken aus dem Halbschlaf…

 

So, und während René und ich heute zusammen mit den anderen 500‘000 Besuchern ans Stadtfest gehen, können sich die Leser meiner liebsten Fachzeitschrift weiterbilden: Technisch (ab)schreiben kann ich nämlich auch!

 

Die Dampfmaschinen der Dresdener Dampfer:

 

Der Personendampfer „Diesbar" besitzt die dienstälteste Dampfmaschine eines Flussdampfers der Welt. Diese Maschine stammt vom Dampfer „Bohemia" aus Prag aus dem Jahr 1841 und ist heute noch in Betrieb. Dabei handelt es sich um eine „Oszillierende Zweizylinder Zwillingsmaschine mit Einspritzkondensation". Die „Krippen" fährt auch mit diesem Maschinentyp, bei dem für den Maschinisten viele Handgriffe notwendig sind. Einige dieser Maschinen dieses Typs wurden später in eine „Oszillierende Verbundmaschine mit Einspritzkondensation" umgebaut. Das betraf die Personendampfer „Stadt Wehlen", „Meissen „ und „Pillnitz". Die Dampfschiffe „Kurort Rathen" und „Pirna" erhielten gleich zu ihrer Indienststellung diese Maschinen. Der technische Höchststand der Dampfmaschinentechnik auf den Schiffen ist mit den Personendampfern „Dresden" und „Leipzig" erreicht; sie besitzen die modernsten Dampfmaschinen mit einer „Schrägliegenden Zweizylinder Verbundmaschine mit Einspritzkondensation und Lenz-Ventilsteuerung".

 

Und heute ist die grosse Dampferparade. Um 18.00 stehen wir am Landungssteg vor der schwarz rauchenden „Diesbar" (als Show-Effekt wird heute extra viel Steinkohle verfeuert, eigentlich arbeiten sie mit saubereren Briketts) Sie ist zwar nicht die Älteste (das ist die „Stadt Wehlen" mit 135 Jahren auf dem Buckel), aber Renés Liebling. Darum hat er sich schon letzte Weihnachten die Parade-Fahrscheine per Internet bestellt. Dass die „Diesbar" dieses Jahr auch noch den 130. Geburtstag feiert und darum die Parade stolz und farbig beflaggt anführt, ist ein willkommener Zufall… Gleich hinter uns dampft der Gast-Dampfer „Vlatava", extra in drei Tagen aus Prag angereist. Die höhere Besatzung ist weiss gewandet und hat viel Gold an Ärmeln und Kapitänsmützen. Prächtig prächtig! Die „Brühlsche Terrasse" vor den barocken Sandsteingebäuden ist rappelvoll gepackt mit jubelnden Zuschauern, die zehn Dampfer (mit der „Vlatava") und die beiden „Glaskästen" (die modernen Salondampfer) sind ebenfalls brechend voll mit gut gelaunten Winkenden. Der Himmel ist noch blau mit dramatischen weissen Wolkenbergen, wie die Deckenmalereien der Sixtinischen Kapelle, da passen auch die frisch vergoldeten , in der Sonne strahlenden Engel dazu, die auf den verschiedenen (Glas)Kuppeln und Türmen herumstehen und vor sich hin glänzen. Beim „blauen Wunder", einer filigranen Eisenbahnbrücke, ist der Himmel giftig schwefelgelb mit brandschwarzen Wolkensäulen, beim Schlösschen Pillnitz giesst es wie aus Kübeln, wir drängen uns sardinenartig unter dem Sonnendach zusammen. Dann kehrt die ganze Parade um, alle pfeifen sich gegenseitig artig zu, wir verlassen die Regenwolken wieder Richtung Dresden. Der Abend wird ruhig, trocken und langsam dunkler, bei der Brücke erhält witzigerweise jedes Dampfboot ein eigenes kleines Feuerwerk. War ein schöner, wenn auch – für August sowieso – ziemlich kühler Abend!

 

Der Sonntag dagegen ist wieder wärmer und ziemlich windig, er lädt dazu ein, nochmals Dampfer zu fahren. Diesmal beehren wir den Gast-Dampfer „Vlatava", der einstündige Stadtrundfahrten anbietet. Zu gerne würden wir mit ihm zurück nach Prag fahren! Aber wir haben ja mal wieder keine Zeit, der Nachtzug ist gebucht, morgen muss ich arbeiten… Wir machen noch eine letzte Runde zwischen den paar Dampfwalzen und Dampftzüglein und hören der Dampforgel zu. René lernt die Heimatschutz -Leute von der „Fachgruppe Elbschifffahrt" kennen. Sie haben einige Verbindungen in die Schweiz, man tauscht Namen aus und fachsimpelt ein bisschen. Und besonders gut erinnern sich die Männer an „diesen verrüggten kleenen Dampfer, der hing dann da unter der Brügge, weil der in der Strömung mit dene kleene Räder keene Kraft mehr hatte… Beat war das, genau, der Beat mit der <Liberty Belle>!" Und ein weiteres schönes Erlebnis wird langsam zur Erinnerung…

 

Diesmal gelernt: Dampfboot-Begeisterte erkennen sich überall - und die "Liberty Belle" WAR schon überall!.

 

 

Oldtimer-Treffen Morcote, 13. – 14.09.2014

Die Südschweiz macht ihrem Ruf mal wieder alle Ehre: während im Norden Kälte und Hochnebel vorherrschen, ist es hier super sonnig, 25°, blauer Himmel, ein perfektes verlängertes Wochenende. Wir kommen Donnerstag beide von einer Nachtwache, schlafen ein paar Stunden, und dann braust unser alter – schon vollgepackter – VW-Bus durch den Gotthard. Der Campingplatz Melano liegt direkt unter dem Monte Generoso und unser kleiner Bus steht gleich am Wasser. Wir geniessen den Sonnenuntergang bei einem Gläschen Rotwein beim Kerzenschein. Die Modell-Wasserflugzeuge surren uns leise um die Ohren – sie haben dieses Wochenende ein europäisches Treffen hier am See - , später die Fledermäuse machen gar kein Geräusch mehr.

 

Freitag erkunden wir den Luganersee per Schiff (Motor, oh Schande!) und Morcote per Postauto. Kein einziges Dampfboot ist zu sehen, die sind wahrscheinlich alle unterwegs an so einem prächtigen Tag. Aber Isabelle und Christina (von der „Whisky-Flotte" – „Isle of Jura" und „Lagavulin") beziehen gerade ihre Zimmer im Hotel „La Posta" und begrüssen uns herzlich. Abends – wir sitzen wieder auf unserem Zeltplatz gleich am Seeufer – hören wir eine fröhliche Dampfpfeife mit Echo vom Monte Bré / Monte Salvatore / Monte was weiss ich noch alles, und die „Liberty Belle" rauscht ganz klein und eilig am gegenüber liegenden Ufer Richtung Morcote. René telefoniert sofort, Beat und Martha freuen sich, dass wir sie erkannt haben.

 

Den Samstag verbringen wir bei Renés 86-jähriger Gotte im hintersten Onsernone-Tal. Eine halsbrecherische, aber grossartig schöne Postauto-Fahrt. Es brennt René zwar unter den Nägeln, er wäre gerne bei den Dampfbooten, aber wir sind ein bisschen scheu, wir können ja nicht immer an allen Festen auftauchen und dann erwarten, dass man uns mitfahren lässt – das wirkt mit der Zeit schon ein bisschen frech! Die Gotte freut sich auch sehr über den Besuch, die Entscheidung war also schon richtig. Obwohl, als wir dann am Sonntag wieder in Morcote auftauchen, werden wir erst sehr herzlich begrüsst und dann zur Schnecke gemacht, weil sie auf uns gewartet haben, und wir hätten natürlich ein Plätzchen in einem der Boote bekommen! Ich bin wirklich sehr gerührt... Ausser der "Liberty Belle" sind der "St.Urs" anwesend - Mimi begüsst mich ganz lieb und auf italienisch - das kleine Dampfkanu "Escarbille" mit Olivier aus Frankreich und die - immer noch zu verkaufende - "Louisiane" aus dem Welschland. René schreit herüber, er würde das Dampfboot kaufen, aber nur wenn er die mitfahrenden schönen Damen gratis dazu bekommt. Die sind wirklich entzückend, mit Spitzenschirm und Federn am Hut. Und der "Steamy" vom Hallwilersee ist auch da. Peter hat einen Heizer dabei, Veronika und ich tragen beide Hüte. Das ist Ehrensache für Da-Das (Dampfer-Damen), nur haben wir so etwas Schwierigkeiten, uns mit herzlichen Küsschen zu begrüssen. Aber wir schaffen es! Und werden auch gleich zum Dampfschiff-Corso vor Morcote eingeladen. Schöne alte Kirche am Steilhang, teure neue Villen dazwischen, eher unruhiges Gewässer dank der vielen Motorboote und der beiden Wasserflugzeuge - diese in Originalgrösse, nicht Modelle wie auf dem Campingplatz. Das Wasser plätschert, die Maschine stämpfelet, die mitfahrende einheimische Dame plaudert ohne Punkt und Komma, meist über die exorbitanten Immobilienpreise in Morcote - ihr schweigsamer und nickender Ehemann hat natürlich eine Villa hier. In Sachen Oldtimer präsentieren sich noch viele alte blumenstraussgeschmückte Traktoren mit jungen Leuten (der Traktoren-Club scheint keine Nachwuchssorgen zu haben!), Militär-Fahrzeuge inklusiv so einem Amphibien-Ding, das tatsächlich auf dem See um uns herum brummt, ein paar Lastwagen, einige Luxuslimousinen und natürlich die geliebten VW-Chäferli und so. Zum Abschied noch eine Kunstflug-Staffel der PC7, die ein riesiges weisses Herz in den tiefblauen Tessiner Himmel malt - schön wars!

 

Diesmal gelernt: der "Lago di Lugano" ist erst so richtig schön, wenn er ein paar Dampfböötli auf dem Buckel hat!

 

 

 

Das Dampfschiff-Quiz für "DAS"

 

Teil 1: Schweizer Dampfboote

Auf welchem dieser Schweizer Seen fährt bis jetzt kein einziges Dampfboot?

 

F Bielersee

 

D Zugersee

 

O Walensee

 

Welcher dieser Herren war noch nie Präsident des Schweizer Dampfbootvereins VSD (dafür des DDV, des deutschen Partnervereins)?

 

S Michael Neuer

 

A WalterBünter

 

U Josef Schuck

 

In welchem Jahr wurde der Schweizer Dampfbootverein gegründet? (2013 wurde ein Jubiläum in Stansstad gefeiert)

 

R 1952

 

K 1963

 

B 1983

 

Welches dieser drei Dampfboote fährt auf dem Vierwaldstättersee? (die anderen beiden kann man auf dem Zürichsee finden)

 

A » Penelope »

 

I « Melisande »

 

E « Delfin «

 

Das Dampfboot « Liberty Belle » ist ein kleiner Raddampfer. Welches dieser Dampfschiffe ist ebenfalls einer?

 

M „Eva"

 

N „Dampfhans"

 

S „Waldstätter"

 

Zwei dieser Dampfboote benutzen Kohle als Brennstoff, eines Gas (meines Wissens das einzige in der Schweiz) Welches benutzt Gas?

 

U „Geordie"

 

T „Chrige"

 

W „Campagnora"

 

Welches dieser Dampfboote wohnt tatsächlich in der Schweiz?

 

R „Vesuvius" (Roger Heise)

 

L „Theansa" (Wolfgang Pause)

 

D „Lady Makepeace" (René Widmer)

 

Welches dieser Dampfboote hat keinen einzigen Dampfboot-Kollegen auf seinem See?

 

E „Steamy"

 

Y „Dämpfli"

 

I „Fünkli"

 

Welches dieser drei Dampfboote (alle sind über 100 Jahre alt!) feierte 2014 sein 125-Jahr-Jubiläum?

 

F "Charlotte"

 

P „Minette"

 

R « St.Urs »

 

Welches dieser Dampfboote aus der Westschweiz hat eine Kalliope (Dampfpfeifen-Orgel) an Bord?

 

B „Vulcania"

 

G „Louisiane"

 

Z «Etoile arcture »

 

Nach welchem dieser Berge wurde ein Schweizer Dampfboot benannt?

 

C Monte Rosa

 

E Säntis

 

A Niesen

 

Welches ist das grösste dieser Schweizer Dampfboote ?

 

B „Uranus"

 

S „Sirius"

 

D „Heureka"

 

 

Teil 2: Schweizer Dampfschiffe

Im Jahr 2014 wurden drei Schweizer Dampfschiffe 100 Jahre alt. Welche waren das?

 

M „Simplon", „Schiller", „Blüemlisalp"

 

S « Montreux », « Uri », « Stadt Zürich »

 

T « Stadt Rapperswil », « Lötschberg », « Savoie »

 

Das DS « Neuchatel » ist das neueste Dampfschiff der Schweiz. Es befährt – als einziges der Schweiz – drei Seen. Auf welchem dieser Seen ist es zu Hause?

 

D Bielersee

 

E Neuenburgersee

 

M Murtensee

 

Wie viele echte Dampfschiffe gibt es auf dem Vierwaldstättersee?

 

E 3

 

L 5

 

G 6

 

Und wie viele auf dem Genfersee?

 

G 4

 

I 5

 

O 7

 

Dieses – mit Kohle gefeuerte – Dampfschiff fährt noch aktiv auf einem Schweizer See. Welches?

 

E DS „Greif"

 

T DS „Rigi"

 

D DS « Wilhelm Tell »

 

Das schnellste Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee ist

 

L DS „Stadt Luzern"

 

B DS „Gallia"

 

S DS „Unterwalden"

 

Nur eines dieser Radschiffe auf dem Genfersee ist ein echtes Dampfschiff. Welches?

 

T „Vevey"

 

M « Helvetie »

 

S « La Suisse »

 

Das einzige Dampfschiff, das auf dem Bodensee verkehrt, gehört

 

L Deutschland

 

T Österreich

 

I der Schweiz

 

Nach welchem Fluss wurde ein Dampfschiff (auf dem Genfersee) benannt?

 

A Rhein

 

E Rhone

 

M Reuss

 

Welches ehemalige Dampfschiff – heute Motorschiff – wird gerade re-vaporisiert und wird voraussichtlich in den nächsten Jahren wieder dampfen?

 

T „Spiezerli"

 

M „Luxemburgeli"

 

J „Mailänderli"

 

Das Museumsdampfschiff „Rigi"ist im Verkehrshaus Luzern ausgestellt und war sogar schon auf einer Briefmarke! Wie nennt man die (andere) Rigi auch noch?

 

K „Königin der Meere"

 

O „Königin der Berge"

 

D „Königin der Elfen

 

 

 

Auf diesem wunderschönen Thunersee-Dampfschiff musste man damals in meiner Kindheit extra noch einen Fünfliber „Dampfzuschlag" bezahlen! Wie heisst dieses Schmuckstück (Aarons Liebling)?

 

C „Vrenelis Gärtli"

 

B „Rosenlaui"

 

L „Blüemlisalp"

 

Nach welchem Schweizer Nationalheld wurde der Restaurant-Raddampfer im Luzerner Seebecken benannt?

 

L Wilhelm Tell

 

I Niklaus von der Flüe

 

M Arnold Winkelried

 

Auf dem Zürichsee fahren zwei Raddampfer. Welche Stadt „hat" keinen eigenen Dampfer?

 

V Zürich

 

S Uster

 

T Rapperswil

 

 

 

 

Teil 3: Dampfschiffe Europa / Welt

In welcher deutschen Stadt ist die grösste Fluss-Raddampfer-Flotte der Welt zu finden? (9 Schiffe, davon noch eines mit Kohle befeuert)

 

B Berlin

 

E Hamburg

 

T Dresden

 

Italien besitzt zwei aktive Dampfschiffe. Welches gehört nicht dazu (sondern ist ein Schweizer Radschiff)?

 

S „Piemonte"

 

E „Italie"

 

H « Concordia »

 

Die « Hauptstadt der Dampfschiffe » in Australien liegt am Murray River. Hier liegen z.B. die S/S „Adelaide", die S/S „Pevensey", die S/S „Arbuthnot", die S/S „Canberra", die S/S „Etona" und noch einige mehr. Wie heisst diese Stadt?

 

M Echuca

 

I Goolwa

 

F Mildura

 

Auf welchem dieser österreichischen Seen fährt ein Dampfschiff, nämlich die « Gisela »?

 

A Traunsee

 

Y Ammersee

 

F Wolfgangsee

 

Eines dieser drei amerikanischen Dampfschiffe fährt nicht im Süden auf dem Mississippi/Ohio-River, sondern im Norden, auf dem Lake George. Welches ist dieses nördliche Schiff?

 

F S/S „Belle of Louisville"

 

N S/S « Minnehaha »

 

D S/S « American Queen »

 

Aus welchem Land stammen (zum Beispiel, es hat noch mehr!) die Dampfschiffe « Storskär », « Mariefred », « Blidösund », oder « Bohuslän »?

 

O Slowenien

 

N Schweden

 

P Litauen

 

Welches dieser drei englischen Steamships ist kein Schaufelrad-Dampfer?

 

Q "Waverley"

 

R „Kingswear Castle"

 

F „Sir Walter Scott

 

Wo findet alle zwei Jahre ein grosses holländisches Dampf-Festival statt?

 

L Rotterdam

 

Ü Dordrecht

 

N Antwerpen

 

Welches dieser Dampfschiffe ist nicht finnisch, sondern dänisch?

 

E DS „Saima"

 

H DS „Heinavesi"

 

R DS « Skjelskör »

 

Welches dieser norwegischen Dampfschiffe ist ein eleganter Schaufelrad-Dampfer und wird „der weisse Schwan vom Mjösa-See" genannt? (die anderen sind je ein Schlepper und ein Schraubendampfschiff)

 

A „Boröysund"

 

R „Styrebjörn"

 

H „Skibladner

 

Er gilt als der älteste Dampfer der Welt, mit originaler Dampfmaschine und grösstenteils unverändertem Aussehen – und ist immer noch fleissig im Einsatz!

 

M S/S „Hjeljen" (Dänemark)

 

G S/S « Ukkopekka » (Finnland)

 

B S/S « Eric Nordevall » (Schweden)

 

In Flensburg findet alle zwei Jahre ein Dampfer-Treffen statt. Welches dieser Dampfschiffe ist „der Gastgeber" an diesem Festival? (Alle drei und noch viel mehr sind jeweils dabei, aber nur eines ist in Flensburg stationiert)

 

F DS „Wal"

 

I DS „Alexandra"

 

U DS « Schaarhörn »

 

Welches dieser Länder hat kein einziges grosses Dampfschiff mehr? (ausser eines in einem Vergnügungspark, und dort fährt es auf Unterwasserschienen)

 

U Tschechien

 

C Frankreich

 

A Russland

 

 

Sonntag, der 07.September 2014

Bei uns auf dem Bodensee dampfen wir natürlich auch, diesen Sommer! Mit und ohne Gäste - und bis jetzt auch ohne das Hochzeitspaar Maurer... Heute ist Sonntag, Morgennebel, die Sonne bricht langsam durch, kein Wind. Wir sind unterwegs Richtung Meersburg. René versucht, alles allein zu machen, man weiss ja nie. Und im Hintergrund schwebt wahrscheinlich auch die Chimäre des neu gestifteten "Rüdesheimer Blauen Bandes" - das heisst Einmann-Betrieb und traditionelle Feuerung (die Rheinströmung, der Schiffsverkehr und die singende goldhaarige Loreley als Zusatzschwierigkeiten werden wohlweislich verschwiegen!). René murmelt vor sich hin, dass Beat gerüchteweise wieder auf Holz/Kohle umstellen möchte, wahrscheinlich im Hinblick auf dieses Rennen, und wenn die "Liberty Belle" beim Rüdesheimer Band mitmacht, dann rechnet er sich für unsere "Lady Makepeace" keine Chancen aus... Aber das weiss ich besser! Die "Belle" mit ihren kleinen Schaufelrädchen hat keine Chance gegen UNS, wenn wir mit vollem Tempo dampfen! Dann sind wir nämlich pfeilschnell! Dann sehen die anderen nur noch unsere gischtige Bugwelle! Dann rasen wir wie's Bisi-Wetter, da hat nicht mal die "St. Urs" eine reelle Chance! Dann sind wir wie ein Gepard, in null-komma-nichts auf höchstem Tempo - dummerweise auch wie ein Gepard nur für ganz kurze Zeit, weil wir den Druck nicht halten können. Auf einer ganz kurzen Kurzstrecke hätten wir vielleicht tatsächlich eine Chance, aber wenn wir vor der Ziellinie absacken und von allen anderen überrundet werden, während wir im Schneckentempo vor uns hin dümpeln, weil René nachfeuern muss... Das wäre dann doch äs bitzeli peinlich. Aber abgesehen davon, wie gesagt: eigentlich sind wir pfeilschnell wie ein Gepard! Nachdem wir so unser Selbstbewusstsein und auch unseren Druck (mit zwei Schaufeln Kohle aus unserem "Notvorrat") aufgeplustert haben, wagen wir wieder einmal die Fähren-Kreuzung vor Meersburg. Durch den Kohlenrauch aus unserem Kamin sind wir auch gut sichtbar. Seite an Seite mit einem Segelboot lauern wir auf den geeigneten Augenblick und rasen hinter der letzten Fähre los - in einem sagenhaften Tempo - hahaaa, geschafft, und der Segler sieht nur noch unsere Rauchfahne! Wie gesagt, pfeilschnell wie ein usw... Und wenn wir jetzt schon mal da sind, im Überlinger See, da besuchen wir noch die Blumeninsel Mainau und danach gleich noch das Pfahlbauer-Dorf Unteruhldingen. Ohne anzulegen, wir betrachten das Ganze nur von der Wasserseite aus. Die Besucher am Ufer haben Freude an uns und fotografieren eifrig. Gegen Abend ziehen langsam wieder Wolken auf, und wir machen uns auf den langen Heimweg. Wieder warten wir bei den Fähren auf ein Schlupfloch. Und als wir dann pfeifen und losdampfen - da kommt doch tatsächlich der Kapitän der Fähre nach draussen und salutiert uns freundlich zu! Sag bloss: sind diese Grossen vielleicht gar nicht so finster und gefährlich, und sind wir Kleinen gar nicht so winzig, dass man uns übersieht? Vielleicht kann ich der nächsten Fährenquerung doch ein bisschen entspannter entgegen sehen! Der Heimweg ist dann gemütlich und ereignislos, wir essen die letzten Chinesen-Nüdeli, und dann Dampfer-Kafi und Guetsli. Und es ist wir immer wunderschön...

 

Heute gelernt: EIGENTLICH sind wir nämlich pfeilschnell wie ein Gepard!

 

 

"Belle of Louisville"

"American Queen"

 

Ferienreise vom 15.10. bis 26.10.2014

In Amerika wird die „Belle of Louisville", eines der wenigen noch funktionstüchtigen Dampfschiffe der USA, 100 Jahre alt. Das ist eine absolute Rarität, das Durchschnittalter der Mississippi-Dampfschiffe betrug 5 (!) Jahre, wegen der harten Arbeit (die hölzernen Heckräder mussten sogar alle paar Wochen ersetzt werden), dem Auflaufen auf dem ständig wechselnden Flusslauf (Mark Twain, „Leben auf dem Mississippi"), den gar nicht seltenen Kesselexplosionen, weil im Hafen von Hand das Wasser in die Kessel gefüllt werden musste, und wenn das Vergessen wurde, gab es Hunderte von Toten. Damals wie heute das wichtigste Credo für Dampfböötler: „immer genug Wasser im Kessel"! Das wurde ein bisschen besser nach Erfindung der „Doktor-Pumpe", einer Art Injektor, der auch bei still stehender Maschine Wasser in die Kessel pumpte. Die Frage der besorgten Passagiere: „Two tickets to Toulousa, and is a doctor on board?" erhält somit einen ganz neuen Sinn… Dieser „doctor" hat damals wahrscheinlich mehr Leben gerettet als der richtige Mediziner! In Louisville wird dieses Ereignis (nicht der Doktor, sondern der hundertste Geburtstag, natürlich) gebührend gefeiert, und ein zweites Dampfschiff, der riesige Mississippi-Heckrad-Dampfer „American Queen", kommt ebenfalls vorbei und feiert mit. Das ist DIE Gelegenheit. René will hin. Er bucht schon ein Jahr im Voraus einen Platz auf der „Belle of Louisville", und einen Platz auf der „American Queen" für das Dampfschiff-Rennen. Sicher ist sicher. Und wenn wir doch schon da sind, könnten wir doch danach gleich noch eine Dampfschiffreise anhängen… Die „American Queen" ist immerhin einer der letzten Übernachtungsdampfer. Und der liebe René könnte mir doch diese Reise zur Feier unseres zwanzigjährigen Hochzeitsjubiläums schenken? Fast ganz uneigennützig? Zum Glück habe ich gerne nostalgische Dinge, und Schiffsreisen sind eigentlich immer schön. Meine Bedingung: im „Seelbach Hotel" in Louisville übernachten. Ich liebe historische Sachen mit Atmosphäre: Reinstes Art Deco, Al Capone war da und hat verbotenerweise getrunken, „The Great Gatsby" hat hier geheiratet, Fresken und Marmor und Kronleuchter, ganz toll, und einen Geist haben sie auch! Das "Seelbach Hotel" bekomme ich, und wir fliegen nach Kentucky…

 

Da ist er, der Ohio river! Keine „Belle of Louisville" in Sicht, nur die „Spirit of Jeffersonville", (das ist das Städtchen gegenüber). Hübsch ist sie, aber ohne Heckrad, und: Diesel! Sie lädt die ersten Passagiere ein, aber ein „bschissener Hund" – das heisst ein Dampfschiff ohne Dampf – lässt René kalt. Er steuert den „official souvenirs and tickets"-Shop des grossen Steamboat-Jubiläums an – und taucht mit einer grossen, wohl gefüllten Tüte wieder auf, die wir den ganzen Tag herumschleppen müssen… Was heisst „wir", ICH, denn er rennt mit dem Fotoapparat herum, weil in der Ferne ein grosser schöner Heckrad-Dampfer unter der Stahlkonstruktions- Eisenbahn-Brücke auftaucht und immer grösser wird. Er klappt die beiden hohen schwarzen Kamine, die „tall stacks", herunter und wieder rauf, er hat Flaggen und Fahnen und Bänder und ist wunderschön, wie wir ihn uns vorgestellt haben! Und Photo und Blitz und klick und zoom und klick und unter der Brücke und vor der Brücke und klick und – soll ich es ihm sagen??? Ich muss wohl… „äh, Liebster, mmhmmm, du hast schon gesehen, das ist - öhm – nicht die „Belle of Louisville", gell, das ist die „Belle of Cincinnati"!!! Auch schön, aber eben: auch sie hat keine Dampfmaschine mehr... Aber eine halbe Stunde später rauscht SIE dann doch noch an: die richtig echte hundertjährige „Belle of Louisville", mit dem knallroten Heckrad aus Holz, die filigranen weissen Geländer geschmückt mit Fahnen-Rosetten, aus den Kaminen raucht es schwarz, und sie hufft und pufft und schwebt auf ihrer eigenen Dampfwolke über dem Ohio-Wasser wie ein Traumbild – sooo schön!

 

Dank meinem extra vorsichtigen René haben wir seit langer Zeit auch Tickets für eine längst ausverkaufte Dampfschiff-Fahrt heute Abend. Um 20.00 geht es los, es ist stockdunkel, damit haben wir ja nun auch nicht gerade gerechnet! Aber alles ist hübsch beleuchtet, die spektakuläre Skyline von Louisville und die anwesenden Schiffe – alles verschnörkelte weisse fahnengeschmückte Heckrad-Schiffe mit hohen Kaminen und den bei Mississippi-Dampfern obligatorischen beiden Landungsstegen, die wie grosse Fühler aussehen. Sie heissen entweder „Belle of" ("Louisville", "Cincinnati") oder „Spirit of" ("Jefferson", "Peoria") oder „Queen" (die "River" ist schon da, die "American" wird erwartet). Am Ufer liegen noch der herangeschleppte Museumsdampfer „W.P. Snyder jr", der kleine Diesel-Hausboot-Dampfer „Clyde", der dauernd von seinem Besitzer geputzt wird, und ein Floss mit einer grossen Kalliope, die unermüdlich spielt und pfeift und weisse Dampfwolken ausstösst. Bewacht von blinkenden Polizeibooten rauschen die Schiffe nebeneinander her. Wir sind unten im sehr grosszügigen Maschinenraum (alles offen, viel frische Luft) und unterhalten uns mit dem jungen Ingenieur da unten. Er rechnet freundlich um, wieviel Druck 185 psi (pound per square inch) in bar sind: etwa 12.5. Ist schon faszinierend, dass alle Dampfer, von riesig gross bis winzig klein, immer etwa denselben Druck brauchen! Wir auf der Jubilarin sind den anderen immer eine Nasenlänge voraus, das ist aber reiner goodwill, sagt Bob, die anderen könnten uns völlig problemlos überrunden. Aber die seien ja nicht mal echte Dampfer, und – mit vor Verachtung triefender Stimme – „they don’t even need an engineer"! (die brauchen nicht mal einen Maschinisten!) So was ist ja nicht mal einen zweiten Gedanken wert, also echt! Wir wandern weiter in den Kesselraum, 6400 gallons (knapp 25‘000 Liter) Wasser werden hier geheizt, mit Diesel. Der Heizer hat es schön warm, und er ist sehr froh, dass er keine Kohleschaufler überwachen muss wie früher, als zwei bis drei Männer in sechs-Stunden- Schichten eine Tonne Kohle pro Stunde verfeuern mussten . Dirty work!

 

Die Paradefahrt am nächsten Tag erleben wir vom Ufer aus, keine Chance auf last-minute-tickets, alles seit Monaten ausverkauft. Wir sitzen auf einem Mäuerchen und schauen uns die lange Schlange der Passagiere an. Über die Hälfte in alten Kostümen, die meisten – leider nicht ganz alle – sehr geschmackvoll, und viele Männer tragen alte Uniformen. Der Nord-Südstaaten-Konflikt ist immer noch sehr aktuell hier… Wir sind zwar in den ehemaligen Südstaaten hier in Kentucky, aber auch ein wirklich guter Abraham Lincoln besteigt das mit vielen Rosetten und Ballonen geschmückte Schiff, unter Klatschen und Jubel der Zuschauer und mit dem warnenden Zuruf „don’t visit the theater!"

 

Wir schlendern am Ufer entlang, machen eine Führung auf dem „W.P. Snyder jr" (lauter nette Freiwillige, ein riesiges Steuerrad, und das ehemalige WC ging direkt aufs rote Heckrad…) Wir treffen unter all den Attraktionen auf ein kleines Holzdampfboot, auf seinem Trailer, aber angeheizt, mit stampfendem Maschineli und eifrig pfeifend. Der ältere Besitzer beantwortet geduldig Renés interessierte Fragen - ich übersetze vor und zurück. „Wie alt ist das Böötchen?" - „Baujahr 1914, so alt wie die „Belle of Louisville"… „dampft ihr auf dem Ohio-River?" – „ja, aber nicht hier und heute, zu viel Schiffsverkehr"… „seid ihr alleine hier?"- „Ja, wie sind die einzigen in der Gegend, aber in den USA gibt es insgesamt etwa 200 Dampfboote" …„ wie heisst das Dampferchen?"- „Miss Blue"… „hast du es selbst gebaut?" – nein, also DAS übersetze ich nicht, gar SO alt sieht der Besitzer jetzt wirklich nicht aus!

 

René will sich heute noch das Howard-Steamboat-Museum ansehen, auf der anderen Seite des Ohio, und in einem anderen Staat (Louisville/Kentucky, Jeffersonville/Indiana) Wir wandern los, dem Fluss entlang, sonnig, leichtes Lüftchen, herbstlich verfärbte Bäume, perfekt. Über eine alte Eisenbahn- jetzt Fussgängerbrücke, auf der anderen Seite dem Fluss entlang, die Heckradschiffe fahren fleissig hin und her und man hat ein bisschen eine Ahnung von früheren Zeiten, als der Fluss voller steamboats war… Das Museum ist das ehemalige Wohnhaus des Steamboat-Werft-Besitzers Howard, vollgestopft mit schönen Möbeln, Dampfschiff-Andenken und Geschichten. Sehr lehrreich! Wir verpflegen uns an den Ständen der „Steamboat days art fair", ganz klein und gemütlich, wir trinken frisch gepresste Limonade und essen Maiskolben und Hühnerbein, es ist toll, und die Mississippi-Dampfer pfeifen und fröhliche Kalliope-Musik im Hintergrund… Die Ohrwurm-Melodie „Waiting for the Robert E. Lee" (auch ein grosses, berühmtes Dampfschiff aus alten Zeiten) klingt mir abends in der nostalgischen „Seelbach"-Bar noch in den Ohren, ein Bourbon-Champagner-Cocktail gibt mir total den Rest (nein, ich tanze nicht auf den Tischen, diese Zeiten sind lange vorbei!), und dann sinken wir erschöpft ins weiche Himmelbett.

 

Heute ist der grosse Tag! Zur Feier des Geburtstages findet ein echtes Dampfschiffrennen zwischen der „Belle of Louisville" und der – inzwischen eingetroffenen – „American Queen" statt. (Mehr Dampfschiffe gibt es in der näheren und weiteren Umgebung nicht, die „Natchez" kommt nicht aus New Orleans weg, und die „Delta Queen" liegt – gut gepflegt und eigentlich startklar, aber ohne Betriebserlaubnis, auch irgendwo herum und wartet auf bessere Zeiten.) Wir werden in der elegant dunklen Jugendstil-Einganghalle unseres historischen Hotels von den „American Queen"-Leuten begrüsst und zu unserem Schiff gefahren. O my god, sie ist echt riesig! Wir sehen uns das Schiff aber noch nicht an, das Rennen startet gleich. Die „Queen" wartet brav auf der Startlinie unter der Brücke, wir haben Champagnergläser in der Hand und rufen Geburtstagswünsche für die rauchende und zischende „Belle" herüber. Die ebenfalls grosse und schöne „Belle of Cincinnati" schwimmt ausser Konkurrenz mit, sie hat eine Dieselmaschine. Irgendwann ein Böllerschuss, und wir rasen los. Ok, „rasen" ist relativ. Der Brite neben uns meint, die „Waverley" sei mindestens doppelt so schnell, und wir entgegnen, unsere „Gallia" könnte Ringelreihen um alle zusammen dampfen und wäre immer noch voraus… Aber auch Schneckenrennen sind spannend, die Besatzung intoniert „go queenie go!" und wir holen gaaanz langsam auf. Unser Kapitän sagt, er lasse eben der alten Dame den Vortritt, er sei schliesslich nur ein Teenager (die „American Queen" ist erst 19 Jahre alt), und ausserdem spiele die „Belle" sowieso nicht fair. Stimmt, schon beim Startschuss war sie ganz zufällig eine Viertelmeile vor uns, und da sie den Wendepunkt des Rennens eigenmächtig selbst bestimmt, sind wir auch hier im Nachteil. Aber Betrügereien bei Steamboat-Races haben eine lange Geschichte. Das legendäre Rennen 1870 zwischen der „Robert E. Lee" und der „Natchez" lief über mehrere Tage. Die „Robert E. Lee" wusste, dass sie überhaupt keine Chance auf den Sieg hatte. Also dampfte sie die ganze Strecke als Leichtgewicht, ohne Passagiere und ohne Ladung, legte nie an einem Hafen an, sogar den Holz/Kohle-Nachschub lud sie „fliegend" von nebenher fahrenden Lastschiffen um. Die "Natchez" dagegen hielt sich - fairerweise - an ihren Fahrplan, belud und entlud ihre Fracht, transportierte wie gewohnt Passagiere und Vieh und was weiss sich noch alles. Die "Robert E. Lee" gewann, ging als sehr schönes, glamouröses, prächtiges Steamboat, aber als „Bschiiss-Chaib" in die Geschichte ein – und blieb so unvergessen! Heute also gewinnt auf jeden Fall die (dampf)schnaubende, pfeifende, jubelnde alte „Belle of Louisville" um mehrere Längen – und hat sogar noch genug Energie für ein Kalliope-Geburtstagsständchen für sich selbst!

 

Das war unser drittes Dampfschiff-Rennen: in Flensburg haben wir das „Blaue Band" auf dem kleinen Dänen „Skjelskjör" nicht gewonnen, in Bodman haben wir den Pokal mit der „Lady Makepeace" nicht gewonnen, und in Louisville haben wir das vergoldete Hirschgeweih auf der „American Queen" ebenfalls nicht gewonnen!

 

Wir verlassen Louisville in der Nacht. Die nächsten Tage verbringen wir „steamboating on the Ohio River". Die herbstlich verfärbten Wälder gleiten vorbei. Meistens sitzen wir auf unserer weissen verschnörkelten „Veranda", wenn es zu kühl ist, begebe ich mich gern auf Entdeckungsreisen. Langweilig wird es auf diesem über 100 Meter langen, im Stil der Jahrhundertwende geschmackvoll eingerichteten Dampfschiff nie. Man kann in der gemütlich dunklen Mark-Twain-Gallery in den ledernen Armsesseln dösen oder im Licht der Tiffany-Lampen die Zeitungen oder ein Buch lesen. Im „Gentlemans Card room" spielt unter einem riesigen ausgestopften Fisch eine schweigsame Gruppe Bridge, vor dem Kamin entsteht in Gemeinschafts-Arbeit eine grosses Puzzle. Im hellblau-cremefarbenen „ladies parlour" bietet eine einheimische Dame einen Quilt-Anfänger-Kurs an. Wenn man die echt winzigen Städtchen erwandert hat (auf unserer Tour gibt es ausser ein paar Konföderations-Kriegs-Gedenkstätten wirklich fast nichts zu sehen), erholt man sich beim Bingo. Ich gewinne 60$, jippie, danach kennt man mich auf dem ganzen Schiff. Oder man hält einfach ein Schläfchen in der Kabine, oder hüpft kurz in den winzigen Pool. Nein, das ist nicht das einzige Dampfschiff mit swimming pool, die „Karim" auf dem Nil hatte auch einen! Und immer gibt es Musik, Musik, Musik. Ein Kalliope-Konzert für die Einheimischen, wann immer wir eine „Anlegestelle" verlassen – Anlegestelle heisst, das Schiff wird mit Tauen an gerade herumstehenden Bäumen festgebunden, und die Anwohner versammeln sich von nah und fern und staunen. Während dem Gourmet-Abendessen in der weiss-goldenen J.P.White-Dining-Hall, inklusive Kronleuchtern, erklingen gepflegte Piano-Klänge. Danach jeden Abend Show-Time mit verschiedenen Künstlern im Grand Saloon – man darf nicht vergessen, die grossen Dampfschiffe waren früher auch dafür zuständig, Unterhaltung und Kultur in die abgelegenen Fluss-Siedlungen zu bringen! Dann eine Stunde Tanz mit den Steamboat Syncopaters: René tanzt ganz freiwillig und swing-schwungvoll mit – schliesslich kennt ihn hier keiner! Und wer dann noch mag, zieht weiter in die „Engine Room Bar" zu Ben am Klavier und Will am Banjo. Sie singen „I love this bar" und sprechen mir voll aus dem Herzen! Es riecht nach Dampf, der Eichenboden vibriert im langsamen Takt der Maschine, die sich direkt unter unseren Tischen befindet, hinter den grossen Bullaugen dreht sich wassertropfen-glitzernd und unermüdlich das riesige roten Heckrad. Drin wird getanzt, der 94-jährige Willard aus Tennessee täppelet vorsichtig und führt seine Partnerin durch gemässigte Pirouetten, Stella aus Illinois rockt barfuss zu „bad moon rising", die cholrabenschwarze Barmaid Betty aus New Orleans formt zwei line-dance-Reihen aus fünf Personen inklusive René, und später singen wir alle aus vollem Hals die „sweet caroline". Diese echt lustige Unterhaltung dauert bis „in the wee hours" – das heisst um 23.00 liegen wir alle völlig erschöpft in den Betten, während die „American Queen" unter dem Sternenhimmel leise faucht und dampft – „rolling on the riiiiveeerrrr…"

 

Ein paar Mal suchen wir den engine-room auf. Immer schön warm da unten. Der Druck ist ok (gut 200 psi), der Zeiger der Vakuumpumpe zittert zuverlässig, und die beiden mächtigen Kolben gehen leise zischend vor und zurück – vor und zurück – vor und zurück – Sie ziehen und schieben das Heckrad gegengleich, so ergibt sich ein „runder" Antrieb. Alles wirkt viel gemächlicher als bei unseren Seitenrad-Dampfern – und natürlich noch viel langsamer als das eifrige Maschineli unserer „Lady". Und auch hier hat es überall ein Hämmerchen, ein Kölbchen, ein Ölbehälterchen die mitwippen, und auch hier kommt man in den beruhigenden, magischen, unendlich entspannenden Rhythmus, der das dampferlen so erholsam macht: zisch-fauch-zisch-fauch-zisch-fauch…

 

Der Fluss schlängelt sich behäbig durch die Landschaft, manchmal begegnet man einem flachen Lastschiff – wie ein Rheinschiff, nur viel grösser. Meist funken sich die Kapitäne zu, bevor sie kreuzen, manchmal ist der Fluss nämlich zu schmal für beide. Ab und zu eine Eisenbahnbrücke, die sich für uns öffnet, unsere Tall Stacks – die beiden Schornsteine – sind zu hoch, nur die Lastkähne kommen unten durch. Die Brücken erinnern in der Konstruktion an den Eiffelturm, und sie sind keine Zug-, sondern Drehbrücken. Der Drehpunkt ist auf dem einzigen Pfeiler in der Mitte des Flusses, sobald die ganze Eisenbrücke längs liegt, kann daran vorbei gedampft werden. Faszinierend! Langsam nähern wir uns Nashville, am nächsten Morgen sollen wir ankommen. Es ist das allererste Mal, dass die „American Queen" in Nashville anlegt, ein von allen Seiten mit Spannung erwartetes Ereignis! Am Abend zuvor sind wir in Clarksville, auf der Hauptstrasse stehen die Autos – nicht im Stau, aber alle halten an und winken uns zu. Die Kalliope dudelt den ewigen Dampfer-Ohrwurm „Waiting for the Robert E. Lee" und auf meinen Wunsch die „Pink Panther"-Melodie, die Kinder rennen am Ufer mit. Wenige Kilometer weiter: wieder eine Eisenbahnbrücke. Kunstvoll eingepackt, erinnert an Christos Kunstwerke damals. Bewegt sich nicht. Dreht nicht. Aber macht Lärm. Hämmern, schweissen, klopfen, sägen. Die „Queen" bewegt sich dann eben auch nicht mehr. Irgendwann beendet die Dampf-Pfeifen-Orgel ihr Konzert. Es ist Freitagabend, nach 17.00. Ich nehme an, ab jetzt bekommen die Handwerker massive Überstunden-Zulagen… Es wird dunkler, da sieht man die Schweissarbeiten hinter den Plachen besser, und das Schatten-Theater der händeringenden Arbeiter. Das Gefluche hört man nicht auf diese Entfernung… René und ich essen unser dinner Picnic-Style auf der Galerie. Das ist spannend, das lassen wir uns nicht entgehen! Brücke bewegt sich nicht, Dampfschiff bewegt sich nicht. Umdrehen geht hier und viele viele Meilen weiter zurück nicht, der Fluss ist nur etwa so breit wie das Dampfschiff. Rückwärts fahren? In der Nacht? Ich weiss ja nicht… Wir gehen zur Show im Grand Saloon, dann wieder zurück auf unseren Beobachtungsposten. Ein paar Hartgesottene stehen in Grüppchen beieinander und schliessen Wetten ab. Und dann - fast 23.00 - die Brücke: „und sie bewegt sich doch!" Sie schwingt langsam auf. Die „Queen" vibriert und bekommt langsam Fahrt. Die Handwerker winken und jubeln und johlen begeistert. Ich persönlich hätte die störrische Brücke ja einfach offen gelassen, bis das Steamboat morgen Abend wieder zurück kommt, Nashville ist der End- und Wendepunkt, und Eisenbahnen fahren eh keine mehr in dieser Gegend. Da aber alle Arbeiter auf dem Mittelpfeiler stehen, muss sie wohl wieder zurück drehen, und morgen wieder auf, und dann noch einmal zurück. Ob das klappt? Und wenn nicht, werden die Arbeiter per Helikopter ans Ufer transportiert? Müssen sie schwimmen? Oder in der Flussmitte übernachten? Ich werde es nie erfahren… Auf jeden Fall sind wir jetzt viel zu spät dran. Und statt wie bisher mit reinem Dampfantrieb vor uns hin zu stämpfelen, werden die Diesel-betriebenen Manövrier-Propeller nach hinten geklappt, und mit dieser Unterstützung „rast" die „Queen" durch die Nacht. Immer noch nicht im Tempo des gehetzten Affen, aber doch einiges schneller als bisher… Mitten in der Nacht rumpelt es gäbig. Ich wache auf und drehe eine Runde auf dem Schiff, aber wir fahren immer noch. Später erhalten wir alle eine Entschuldigungs-e-mail, wir hätten in dieser Nacht einen Felsen gestreift, aber der Schaden sei minimal gewesen. Ja ja, der Mississippi und seine Nebenflüsse haben es eben in sich! Wir erreichen Nashville Stunden später als vorgesehen. Immerhin funktionieren rund um die Stadt die verschiedenen Brücken, stumm und majestätisch drehen sie sich auf ihren Pfeilern… In Nashville hat es eine richtig schöne Anlegestelle, gleich neben einem grünen Park. Wir fahren unsere „Fühler" aus, die langen Landungsstege, die die Mississippi-Dampfer ja immer vorne mit sich rum tragen. Die Mannschaft kurbelt am Kran, der Steg senkt sich – und liegt auf dem Gusseisen-Geländer der Mole auf. Der Zwischenraum für die Schiffsstege ist für unseren Dampfer zu schmal geraten. Das wusste niemand, er ist ja das allererste Mal hier. Kurze Verwirrung, dann funktioniert die Mechanikertruppe wie ein gut geöltes Uhrwerk. Mit schweren Werkzeugkoffern springen sie an Land und auf dem Schiff herum, reichen sich Zangen und Engländer – uups, da ist einer in den schlammig-grünen Fluten versunken, je nu, weitermachen! – und Schrauben und Muttern zu, und das Geländer wird kurzerhand abmontiert. Der Landungssteg senkt sich – und die vorher minutiös über den Ablauf informierte Passagier-Meute hat alles vergessen, was sie gehört hat, und fliesst in einem panischen aufgeregten Haufen über das schmale Steg-Nadelöhr, natürlich müssen sie dann auf die Koffer warten, natürlich steigen sie dann in die falschen Shuttle-Busse zum Flughafen, natürlich ist dann der Ehemann oder der Beautycase nicht mehr auffindbar… Es ist doch immer das Gleiche! Wir schauen vom obersten Deck herunter, in der Hand ein letztes Gläschen Champagner. Wir haben noch ein paar Stunden, und dass wir die Country-Music-hall-of-fame nicht mehr ansehen können, das verschmerzen wir doch locker. Es war eine wunderschöne Reise, dieser zweite Honeymoon, und vielleicht ergibt sich ja wieder mal eine Reise mit dem grössten Passagier-Dampfer der Welt!

 

Diesmal gelernt: Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir lieben - und gemeinsam Dampfschiff fahren

 

 

Samstag, 09.05.2015

Heute geht die lange Reise nach Bad Ems los... Wir wollen das erste Mal alleine trailern. Um 07.00 sind wir bei Stefan in der Werft, die "Lady Makepeace" steht schon festgebunden auf dem Anhänger. Nach längerem Hin und Her - wenn es uns das Mänteli wegweht? aber andererseits: wenn es uns das Dächli wegluftet? - wird das Schiff doch noch mit der Persenning zugedeckt, und die Karawane bricht auf. Vorne René mit dem gemieteten Zugfahrzeug, auf dem Trailer das Dampfboot, am Schluss Kim mit dem 30-jährigen VW-Bus, der muss mit, der gehört zu unseren Ferien! Wir brausen los, nach Konstanz, dann auf die Autobahn, mit 80 Sachen. Ich finde das eigentlich sehr schön - bergauf schafft der alte VW-Bus eh nicht mehr als das - aber die Strecke zieht sich, besonders mit den häufigen Stopps, weil hier noch ein Seil und dort noch ein Riemen besser angebunden werden muss... René vorne hat natürlich Radio und hört Sport, Verkehrsmeldungen und muntere Schlager auf SWR 4, Kim hat keinerlei Musik und singt darum eben selbst, sehr laut und falsch: anfangs noch ein sehnsuchtsvolles "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!", nach ein paar Stunden dann "mir ist so langweiliiiich" von der entzückenden Marika Rökk, und dann - auf diesem Weg ohne Ende - nur noch, schon leicht heiser, das Beresina-Lied: "ah ah ah aaaaaahahaaaa..." Auf der Höhe Speyer/Worms kommt noch einmal etwas Leben auf: René wird von der Autobahn-Polizei angehalten und geprüft, ein paar verstreute Schlösser stehen in der Landschaft herum, wir folgen eine ganze Strecke der schönen Lahn unter grünen Bäumen und freuen uns, und endlich, endlich - nach ein paar eigentlich vermeidbaren, aber am Ende eines so langen erschöpfenden Tages eben doch unvermeidlichen Verwicklungen: wir sind angekommen! Wir fallen uns glücklich in die Arme. Das erste Mal trailern, alles ist gut gegangen, das war aber auch eine tolle Leistung von uns.   

 

Heute gelernt: Trailern... "ah ah ah aaaahahaaaa...", trailern, das haben wir gelernt!

 

 

Sonntag, 10.05.2015 (Muttertag)

Also echt! René jagt mich schon um halb acht aus dem warmen VW-Bus-Bett: Einwassern! Alles geht gut, wir müssen nur ein kleines bisschen paddeln, dann schleppt uns ein vorbeirauschendes Vergnügungsboot direkt vor den Hafen, genannt "Kutschers Marina". Dort feuert schon der "Nepomuk" (Andreas und Gertrud) aus Berlin an und sucht fieberhaft nach "grossen Kupferdichtungsringen" - damit können wir leider nicht dienen. Und auch der "St.Urs" mit Thomas und Mimi ist schon da und heizt an, während wir noch in Ruhe einrichten, polieren, Holz bunkern und schon jetzt mit vielen Neugierigen plaudern. Danach geniessen wir bei Sonnenschein und einem lauen Lüftchen ein ausgedehntes Mittagessen im Kurpark von Bad Ems. Danach eine Entdeckungsrunde durch das nette Städtchen, ein bisschen wie ein ganz kleines BadenBaden. Im Kursaal geraten wir in einen gediegenen Tanz-Tee und schwofen ein bisschen mit. Und dann treffen wir Ralf und Isabelle Sahli, das gibt ein paar Biere für die anderen und einen riesigen Erdbeer-Eisbecher unter den Platanen für mich. Der "St.Urs" rauscht vorbei, wir winken, er pfeift. Wir waren zwar heute noch nicht auf dem Wasser, aber dafür haben wir uns gut erholt von der langen Anfahrt. Schliesslich haben wir ja auch noch Ferien.

 

Heute gelernt: Dampfböötler lassen sich gar nicht gern hetzen!

 

 

Montag, 11.05.2015

Schon wieder Tagwache um 07.30 - und ich habe Ferien! Nach einem ergiebigen Frühstück heizen wir an, und dampfen um halb elf los. Vor der ausgestorbenen Bad Emser Kurpromenade - gestern am Muttertag war ungleich viel mehr los! - warten wir auf den "St.Urs". Zusammen rauschen wir bei milden Temperaturen und leicht bedecktem Himmel durch grüne Uferwälder, vorbei an Enten, Schwänen, Gänsen und Reihern. Wie sind die einzigen Boote, es ist einsam und sehr friedlich. Vor Dausenau die erste Schleuse unseres Dampfboot-Besitzer-Lebens, wir krallen uns an der "St.Urs" fest und fotografieren eifrig die glitschigen Mauern und die dunklen Schleusentore... Bald danach kommen wir nach Dausenau selbst, wunderhübsch mittelalterlich, inklusive Stadt-Tor und -Mauern, schiefem Turm, Riegelhäusern, Treidelpfad, einer angeblich 1000-jährigen Eiche, und dem "Historischen Gasthaus an der Lahn" aus dem 11.Jahrhundert. Die Wirtin ist flippig, wir Damen sind nett und holen uns ein Autogramm vom 92-jährigen Lokalhistoriker und Maler, der in seiner Jugend als Soldat dauernd "Adolf-Bilder" zeichnen musste, wie er uns erzählt. Am Schluss erhalten die beiden Kapitäne noch je eine Flasche Wein, und die Wirtin verrechnet sich bei den Getränken um 20 Euro - zu Renés Gunsten. Merken wir aber erst am Abend, da ist es zu spät. Vor der zweiten Schleuse verabschieden wir uns vom "St.Urs", der noch weiter dampft. Und werden von der Strömung, dem Wind und dem aus der Schleuse schiessenden Wasser gäbig herumgewirbelt. Das Drehen unseres Bootes misslingt total und vollständig, die Lahn ist aber auch so eng und hat steinige Ufer, nicht wie bei uns der Bodensee - auf jeden Fall stösst die Nase unserer "Lady" vorne an und es CHCHCHchröselet ziemlich... Die Besatzung des "St.Urs" schaut erschrocken zurück, kann aber auch nichts machen und verschwindet in der Schleuse. Dann liege ich flach vorne auf dem Bug und versuche, das bestimmt riesig grosse Leck in der Bugwand zu finden. René hat das Gefühl, dass jetzt alles aus ist und das Wasser nur so hereinsprudelt und wir gleich - blubb blubb - absinken werden, dabei war alles so schön und spassig und sogar das Trailern und die erste Schleuse haben wir gemeistert und alles ging so gut und das Loch ist wahrscheinlich genau in der neuen und noch nicht mal bezahlten Wasserlinie und das Heulen und Zähneklappern ist immens. Aber so sehr ich auch versuche, durch das trübe Lahnwasser etwas zu erkennen: kein Loch. Nur ein bisschen Farbe ganz vorne am Bug ist ab. Ziemlich aufgelöst treffen wir wieder im Hafen ein. Wolfgang und Resi mit der "Theansa" sind soeben eingetroffen. Die beiden trösten uns und meinen, DAS passiere jedem irgendwann mal. Und eigentlich sind wir doch den ganzen Tag allein auf fremden Gewässern herumgeschippert, die Maschine hat einwandfrei funktioniert, wir sind heil und ganz wieder zurück - ist doch alles gut! Auf den Schreck leisten wir uns einen Abend in der "Bad Emser Therme", René lässt den Abend mit Kamil vom "Heron" und Helmut von der "Linnea" bei einem Bier ausklingen, während ich im Dämmerlicht das Logbuch schreibe...

 

Heute gelernt: bei jedem hat es schon irgendwann mal "g'chröselet", im Fall!

 

 

Dienstag, 12.05.2015 („Servaz")

Gutes Morgenessen gleich beim Hafen, der Tag wird heiss (28°C!) Die vordere Persenning ist beim lokalen Sattler, weil uns beim trailern ein paar der alten Riemchen gerissen sind. Unsere "Lady Makepeace", die kleine "Linnea" und der "Heron" sind angeheizt und bereit zur gemeinsamen Ausfahrt. Während wir noch auf die "Theansa" warten, nehmen wir Joseph Schuck mit auf eine Bad Emser Promenadenfahrt rund um die Fontäne, und auf dem Rückweg ziehen wir die gerade eingekrante "Pauline" aus Kiel die 300 Meter in den Hafen zurück. Schön, dass wir Hubert und Anke auch wieder mal sehen! Dann geht unsere gemeinsame Ausfahrt los, diesmal Richtung Lahnstein. Als wir gerade aus der engen, etwas schwierigen Hafenausfahrt manövrieren, erkennen wir Thomas mit dem Bart und dem grauen Pferdeschwanz (eigentlich Heizer auf der nicht anwesenden "Pluto") - er kann gerade noch knapp aufspringen. Er ist erfahrener "Schleuser" und gibt uns Sicherheit und Tipps beim schleusen. Es geht eigentlich ganz gut, aber besonders flussaufwärts ist es schon nicht ganz ohne, wegen der Wasserstrudel vorne... Ausserdem bringt er René das sportliche "Dampfboot-Drehen auf engstem Raum" bei - ein bisschen wie früher beim Skifahren: volles Tempo und dann scharf abdrehen und die Mädchen mit einer Schneewolke einnebeln - die beiden haben auf jeden Fall eine Menge Spass, und ich esse unterdessen Thomas' Erdbeeren auf. Nach der zweiten Schleuse kommt starker Wind auf, und am Himmel sammeln sich schwarze Gewitterwolken. Helmut von der "Linnea", der eine Schleuse vor uns unterwegs ist und schon im Biergarten wartet, wird im Stich gelassen - wir kehren sicherheitshalber um. Es stürmt wirklich stark, zu Hause würden wir so niemals ausfahren. Vor dem Hafen hat René noch zehn Bar, was ihm im Herz schmerzt, er will doch noch einmal rund um die Fontäne. Aber er unterschätzt die Gegenströmung aus der Schleuse und vor allem den Gegenwind massiv - mit 1,5 Bar hüpft unsere "Lady" gerade noch knapp am Wehr vorbei in den Kanal, und dann müssen wir uns die letzten paar hundert Meter vom "Heron" mit Kamil und Margit abschleppen lassen... Ein paar weitere Dampfboote sind eingetroffen, die "Pauline" von heute Vormittag natürlich, aber auch der "Blitz" (Peter und Julian sind schon da, die Damen Lisa und Tatjana kommen später) und die "Brunel" mit Ernst, auch hier kommt Elke nach. Regentropfen beginnen zu fallen, wir sausen zum Sattler, um unsere reparierte Persenning zu holen, zurück zum Boot, schnell schnell zudecken - und dann ist der Regen auch schon wieder zu Ende, das war ja klar! Wir sitzen wieder auf der Promenade und genehmigen uns einen Apero, mit Thomas, Anke und Hubert, Michael und Jutta - und dann versammeln sich immer mehr Dampfböötler in der Pizzeria. Auch die Rheinfahrer sind zum Glück alle gut angekommen: die "Irmtraud Anna" mit Erich Ufer und Gattin, die "Mijn Deern" mit Alberto Rodrigez, die "Liberty Belle" mit Beat und Martha, die "Beryl of Avon" mit Alfred, Annegret und Sohn Thomas (der seinem Vater wirklich sehr ähnlich sieht!) und die "Seraphine" mit Peter und Annegret, die haben zu unserer Freude auch noch Koni und Elisabeth dabei. Es wird ein lustiger Abend, und es wird wieder etwas spät...

 

Heute gelernt: Sportliches Dampfboot-Drehen auf engstem Raum - klappt aber nur, wenn man genug Druck hat!

 

 

Mittwoch 13.05.2015 („Bonifaz")

Captains briefing um 10.00. Eigentlich sollte erst danach angeheizt werden, aber... gegen Mitte des meetings hört man langsam das Zischen der Überdruck-Ventile, das Pfeifen der Ehefrauen - "wir haben Druck, nun komm' schon endlich!" - und sieht einzelne Boote aus dem Hafen schlingern... Dann ist das meeting mit den vielen Informationen zu Ende, alle strömen Richtung Dampfbootchen - und jetzt endlich kommt auch noch die "Theansa"-Mannschaft angerannt... Zuerst wollten Koni und Elisabeth bei uns mitfahren, weil die "Seraphine" auf dem Rhein ein paar Mucken hatte und heute eventuell nicht dampfen kann. Zum Glück kann sie dann aber doch, und Josef Schuck bringt uns zwei Gäste vorbei, Bernd und Brigitte aus Karlsruhe, die sich bei uns im hinteren Teil häuslich einrichten dürfen und schon die obligate Weinflasche schwenken. Die beiden waren in Karlsruhe an der Messe und haben die damalige "Karin" gesehen. Und wann immer die kleine "Copine", wie sie jetzt heisst, in Sicht kommt, wirft Bernd sehnsüchtige Blicke herüber. Sie ist aber auch hübsch, unser neuester Zuwachs vom Bodensee. Peter und Sylvia meistern die Herausforderungen gut, trotz ihrer Kleinheit ist das Bootchen schnell: in einer der Schleusen haben die beiden Überdruck, immer ein Grund zur Fröhlichkeit für all die anderen - als die Schleusentore aufgehen, gibt die "Copine" Zunder und ist dann aber weg wie nichts - "so schnell konntest de gar nich gucken!!!" Man dampft mehr oder weniger im Pulk stromaufwärts. Wenig Schiffsverkehr - ausser eben einer Armada von Dampfbooten, die sich zischend und dampfend und rauchend und pfeifend durch die Biegungen und Windungen dieses mit den verschiedensten Bäumen grün bewachsenen Flüsschens vorwärts schiebt - sehr zur Freude der Spaziergänger, Velofahrer und Wanderer am Ufer. Ab und zu taucht eine Burg, ein Schloss, ein Riegelhaus aus dem Grün auf. Wir sind ganz hinten und schleusen zuerst nur mit drei anderen Dampfbooten, das geht gut. Wir sind zwar immer noch ein bisschen nervös, aber es flutscht wirklich problemlos, und ich mache eine Unmenge von Fotos. Nach der zweiten Schleuse erreichen wir Nassau, die Schiffe werden im "Päckli" angebunden, und es gibt eine kurze Mittagspause. In die dritte Schleuse packt der Schleusenwärter fast alle anwesenden Dampfboote gleichzeitig rein - nur der "Blitz" und die kleine "Linnea" bleiben aussen vor. Drin ist ein ziemliches Gedränge, alle klammern sich aneinander und an Seile und Polder und Stangen und Leitern. Vorne strömt das Wasser schäumend und strudelnd ein - direkt auf die kleine "Pauline", die sich dreht und herumwirbelt und einen Haufen Wasser abbekommt. Anke ist gar nicht amused, und ich kann sie SO gut verstehen! Am Ende sind wir aber dann alle wieder draussen im Sonnenschein und fahren als Flotte in Obernhof an der Lahn ein, wo man uns sehr freundlich empfängt, jedes Boot hat seinen Steg-Platz, die Leute jubeln und klatschen und fotografieren, ein Vater und seine zwei Kinder schleppen Holzscheite für uns an den Steg und erhalten dafür unsere Visitenkarte. Auf der Terrasse eines Winzer-Gasthauses werden wir gefüttert und getränkt, und spät abends reist die ganze fröhliche Truppe mit dem Zug zurück nach Bad Ems. Und unsere "Lady Makepeace" übernachtet ganz allein an einem fremden Ort...

 

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Schweizer Dampfboote, die so viel Schleusenerfahrung vorweisen können wie wir (am Ende der Woche werden es 16 Schleusen sein!) Ich finde eigentlich, ich habe mir etwas Schönes verdient, z.B. den „Schleusen-Orden in Messing, mit Flasche Sigolin". Es gibt natürlich schon noch ein paar Boote, die etwas mehr Erfahrung haben, Mimi hätte dann eben den „Schleusen-Orden Messing vergoldet, ohne Sigolin"!

 

Heute gelernt: Schleusen. Stromauf. Stromab. Mit Seilen, Poldern, Stangen, Leitern. Ganz allein und ganz dicht gedrängt. Schleusen…

 

 

Donnerstag, 14.05.2015 („Pankraz" und Auffahrt)

Gut gelaunte Dampfer-Kapitäne und -Mannschaften treffen sich wieder beim Bahnhof, und bald liegt Obernhof unter weissen Dampf- und schwarzen Rauch-Wolken, dazwischen die unermüdlichen Blitze der Fotografierenden. Es hat schon jetzt einiges mehr an Verkehr als gestern, auf dem Radweg und der Wasserstrasse. Es ist Auffahrt, in Deutschland gilt Christi Himmelfahrt als Vatertag, und alle strömen raus in die Natur, mit mehr oder weniger Bier im Gepäck. Langsam dampft man wieder stromabwärts nach Bad Ems. Wir sind natürlich ehrgeizig und versuchen, alles allein zu machen, schleusen und anbinden und all das - ausser die Schmids sind in der Nähe. Dann wirft sich die schöne "Lady" sofort dem heiligen "Urs" in die Arme und klammert sich fest... Aber trotzdem: am Schluss schleusen wir schon wie die alten Hasen - in kleinen Schleusen, und stromabwärts, aber immerhin! Wir sind stolz auf uns, am Bodensee haben wir so was ja nicht. Wieder zurück, haben wir gerade noch ein halbe Stunde, um uns für die Generalversammlung aufzubrezeln. Die meisten Anwesenden kennen wir schon, wenigstens die Gesichter. Horst und Anita vom Norden, Georg aus Paderborn, Herr Strothjohann mit Gattin, Herr und Frau „Erpel"… Die letzten Dampfboote sind angekommen, die "Sunrise" mit Ralf und seiner Tochter Astrid ist da, und die "Lagavulin" mit Migges und Christiane soll morgen einwassern. Insgesamt 17 (!) Boote, super Sache! Dann wird - wie letztes Jahr in Konz - wieder vor allem mit Zahlen jongliert und gewählt. Und jetzt wird es (für uns) interessant: das nächste Treffen soll in Berlin stattfinden. René ist bis jetzt so begeistert von unserem Lahn-Erlebnis, dass er sofort zu planen beginnt... Am Ende nimmt er stolzgeschwellt seine Plakette entgegen, und wir wandern durch die laue Nacht zurück zu unserem VW-Bus und träumen von weiteren Abenteuern.

 

Heute gelernt: So eine schöne Plakette für’s Dampfboot macht schon ein bisschen stolz!

 

 

Freitag, 15.05.2015 (die „Kalte Sophie")

Nach den drei sehr sonnigen und warmen „Eisheiligen" zeigt sich die „Kalte Sophie" schon ein bisschen unterkühlter, mindestens am Morgen ist es bewölkt, leicht regnerisch. Das vergeht zum Glück im Laufe des Tages, und es wird doch noch ziemlich warm. Viele heizen an, wir natürlich auch. Joan Zimmermann und ihre Freundin Sylvia fragen schüchtern an, ob sie wohl unsere Gäste sein dürften? Klar dürfen sie, wir freuen uns darüber! Diesmal dampfen wir flussabwärts, Richtung Lahnstein, in allen drei Schleusen sind wir ganz allein, meistern das aber gekonnt! „Fender raus" – „Seil erwischt" – „Seil umgebunden" – „Seil gelöst" – „Fender rein" – wir drei Frauen und unser Kapitän funktionieren wie ein Uhrwerk. Es ist eine traumhafte Fahrt, problemlos und friedlich, die Leute haben grosse Freude an uns. Im „Schleusenhäuschen" sind schon die anderen Dampfboote, wir binden im „Päckli" an und warten… und warten… und warten in der hübschen Gartenbeiz. Irgendwann haben alle Dampfböötler etwas im Bauch, im engen Hafen wird abgelegt. Unter den Augen der vielen fotografierenden Touristen und den auf ihren Booten im Hafen dümpelnden Jachtbesitzern legt René auf allerengstem Raum ein total eindrucksvolles, perfektes und ballett-artig graziles Wendemanöver hin – ich und unsere beiden Gäste sind voll begeistert! Die Schleusen auf dem Rückweg (stromaufwärts!) meistern wir schon wie die Grossen. Mit sonnenverbrannten Nasen kommen wir wieder in Bad Ems an. Nach einer letzten Promenadenfahrt setzen wir Joan und Sylvia ab, pflegen unsere „Lady", decken sie gut zu, und wandern dann müde und glücklich in den Kurpark, zu Apero und gutem Essen auf der Terrasse unter den alten Bäumen…

 

Heute gelernt: Elegantes Wendemanöver auf engstem Raum und mit vielen Zuschauern – ein Hoch auf einen perfekten Steuermann!

 

 

Samstag, 16.05.2015

Heute findet das Hafenfest der „Marine-Kameradschaft" in Kutschers Marina statt. Einige Dampfboote sind schon wieder weg, andere haben sich ziemlich schnell lahn-aufwärts oder –abwärts verdrückt. Wir übrig Gebliebenen heizen unter den sehr interessierten Blicken der schon um elf Uhr zahlreich erschienenen Festbesucher ein. Michael und Jutta kommen mit der anscheinend traditionellen Flasche Wein an Bord, und wir dampfen bis zur ersten Schleuse. Michael erzählt Schwänke aus seinem Leben und knotet alle unsere Taue um. Mein eigener Fender-Knoten, den René mit seinem „Mastwurf" immer niedermacht und verächtlich „wilder Hase" nennt, hat plötzlich einen fachmännischen Namen, nämlich „doppelter …". Ha haaa! Jutta trinkt einen heissen Tee, alles ist friedlich. Wieder im Hafen haben wir noch genug Druck und bieten ein paar kurze Gästefahrten um die Fontäne an – das wird begeistert angenommen. Zum Beispiel von Doris, der Frau eines ehemaligen Schleusenwärters, sie ist besonders glücklich, und da ihr Mann gerade „mit dem Hund" ist, macht sie die Fahrt eben ohne ihn. Oder der bleiche Uwe, der wahrscheinlich aus einer der vielen Reha-Kliniken entsprungen ist. Und dann ist da noch der besonders hartnäckige Grossvater, der unbedingt eine Fahrt für sich und seinen kleinen Enkel ergattern will. Er kämpft wie ein Löwe, aber wir sind erschöpft, zuerst gibt es ein Würstchen und was zu Trinken im Festzelt! Ich sitze noch gemütlich beim Kaffee, da schlängelt sich Josef Schuck zu mir durch. Der anfeuernde René werde gerade von einer Horde Kinder überrannt und brauche eventuell meine Unterstützung… So schlimm kann es nicht sein: wir haben auf der „Lady Makepeace" eine eiserne Regel, nämlich: maximal EIN Kind, und nur unter Aufsicht eines Erwachsenen. Pustekuchen. Als ich ankomme, sitzen schon drei Kinder neben dem besagten Grossvater im Boot, und ein weiteres steht auf dem Steg und heult, weil es nicht mit kann… Ach je, was soll man da machen. Auf dieses eine kommt es jetzt auch nicht mehr an! Also rein damit, die „Pauline" stiftet noch eine warme Jacke, vom „Blitz" wird die letzte noch fehlende Rettungsweste herüber gereicht. Die Jungmannschaft ist auch gut erzogen, der alte Herr sorgt für tadellose Ordnung. Nach kurzer Diskussion einigen sie sich, ob „der Herr Kapitän" rechts oder links an der Fontäne vorbei soll, der Kleinste singt glücklich vor sich hin: „ich halte hier ein Dampf-Schiff-Seil, ich halte hier ein Dampfschiffseil…", dann darf jeder Mal pfeifen. Schliesslich werden sie wieder den verschiedenen Eltern übergeben, der Grossvater bedankt sich rührend, und weiter geht’s. René meistert die schwierige Hafeneinfahrt immer besser, aber auch die anderen Boote schlingern zwischen den Stegen und der Fussgängerbrücke herum und kämpfen mit Wind, Strömung und entgegenkommenden Dampfbooten. Resi von der „Theansa" zieht die Aufmerksamkeit der Zuschauer dankenswerterweise kurz auf sich, indem sie reinfällt. Anscheinend ist es kalt, sie ist schnell wieder draussen. (Wolfgang: „ich hab es zuerst gar nicht bemerkt…") Das trübe Lahnwasser ging ihr bis zur Brust, das lässt Julian erbleichen: sein „Blitz" hat einen Meter Tiefgang… Noch eine allerletzte Gästefahrt, mit Elsa und Rita Achermann und den beiden vom „Nepomuk", dann ist endgültig „fertig Feuer". Auf zum gemütlichen Dampfboot-Nachtessen mit unseren Freunden: 42 Personen sind wir schlussendlich in der Pizzeria!

 

Heute gelernt: Die Regeln auf der „Lady Makepeace" sind eisern, aber das Herz des „Herrn Kapitän" ist aus Wachs.

 

 

Sonntag, 17.05.2015

Allgemeiner Aufbruch. René und Hubert paddeln die „Pauline" zum Kran, wir verabschieden uns herzlich von den beiden. Der „St.Urs" ist schon weg, der „Blitz" wartet auf seinem Trailer, der „Brunel" schwebt noch am Kran. Die „Irmtraud Anna" dampft vorbei, sie nimmt den Wasserweg. Der Hafen leert sich, die „Mijn Deern" bleibt noch ein bisschen. Morgen werden auch wir auskranen. Als letzte winkt uns noch die „Theansa". Wir trailern im Konvoi nach Hause, ein bisschen traurig, alles geht so schnell vorbei… Aber:

 

Diese Woche gelernt: ganz wundervoll war es.

 

 

Untersee-Woche, 05. – 13.06.2014

Donnerstag, sonnig, ganz leichte Brise, perfekt. Eigentlich beginnt unsere Untersee-Woche noch nicht ganz, aber wir haben zufällig frei, die beiden Bolzerns haben (fronleichnams-weise) einen Feiertag und reisen mit der „Liberty Belle" in Güttingen an. Zusammen mit der „Heureka" dampfen wir Richtung Immenstad. René übt schon für die Seerhein - Fahrten: Druck aufbauen und hoch halten! Damit nicht dauernd das Überdruck-Ventil losgeht, saust er in schnittigen Kurven um die beiden anderen herum – und wir werden von unseren eigenen Wellen ziemlich herumgeschüttelt… Mitten auf dem See speit die „Liberty Belle" Rauch und Feuer, und Beat werkelt ölverschmiert ein bisschen herum, aber wir holen die langsamere „Heureka" noch vor Immenstad wieder ein. Es ist immer etwas schwierig, an einem sehr heissen, sonnigen und auch noch verlängerten Wochenende einen Platz in den Bodensee-Häfen zu finden, aber wir schaffen es mit einigem Jonglieren doch noch und essen Zmittag. Die „Heureka" kehrt danach um, wir anderen rauschen gemütlich dem deutschen Ufer entlang bis Meersburg, die Beleuchtung ist traumhaft, das Schloss liegt rosa und golden in den beinahe blauen Weinbergen. Irgendwann hat die „Lady" kein Holz mehr, wir schaffen gerade noch die Überfahrt, mit knapp zwei Bar gleiten wir an unseren Platz. Holz auffüllen, Ölwasser absaugen, ein bisschen polieren, für den Untersee wollen wir schön sein! Aber als dauernd Renés Schweisstropfen auf sein gerade glänzend poliertes Holz fallen, hört er ganz von alleine wieder auf zu „pützeln"!

 

Heute ist der grosse Tag: die Fahrt in den Untersee steht an! Unsere „Flotte" versammelt sich pünktlich um 11.00 vor Altnau: Unser Flaggschiff, die „Heureka", die sich nie hetzen lässt, der originelle, viel beachtete Raddampfer „Liberty Belle"; und unsere glänzende, strahlende „Lady Makepeace" treffen auf die weit gereiste „Seraphine" und unseren neuesten Zuwachs, die „Copine", sie ist die Kleinste, aber eindeutig die Ungeduldigste, und immer ganz vorne mit dabei. Nach einer gemütlichen Fahrt erreichen wir den immer unruhigen und mit vielen Booten bevölkerten Konstanzer Trichter, vorbei am eleganten Inselhotel, und dann: mutig unter der Rheinbrücke durch! Alle pfeifen, ich zittere und fotografiere, und dann – null komma plötzlich – sind wir schon durch! Wir haben uns nicht um den Pfeiler gewickelt, es hat uns nicht abgetrieben, wir sind alle heil und ganz! Unter der nächsten Brücke wartet das hölzerne Salonschiff „Diana" mit einigen „Ellegästen" auf uns – Andreas wollte uns eigentlich mit dem Dampfboot „Patrizia" begleiten, aber sie ist noch nicht ganz bereit. Die „Diana" ist auch hübsch, und passt stilmässig sehr gut zu uns. Wir werden sehr beachtet von all den Gästen in den Badeanstalten am Seerhein, Ursula und Tara winken vom Piratenstrand. Vorbei am postkartenschönen Gottlieben, vorbei am Wasserschloss im grünen Park mit den alten Bäumen, vorbei an den winkenden und johlenden Gästen auf der Seeterrassen des „Waaghaus", der „Krone", dem Türmchen-Riegelbau der „Drachenburg". In Ermatingen legen wir – immer noch viel beachtet – an. Die Heckbojen sind für längere Boote gedacht, nicht für so kleine Dampfboote. Folgerichtig sind unsere Taue viel zu kurz. Sylvia von der „Copine" und ich knüpfen in Windeseile alles aneinander, was wir finden. Vorne landet mein Seil natürlich im See statt auf der Mole, aber ein tapferer Tourist – er stammt aus Dresden und hat Dampfschiffe gern – stürzt sich samt Schuhen ins knietiefe kühle Nass und hilft beim Anbinden. Unter Weinlaub gibt es Fischchnuschperli oder Hecht zum Zmittag. Danach verzettelt sich unsere Flotte, die „Diana" schwimmt zurück nach Konstanz, wir anderen folgen brav der vorgegebenen Fahrrinne, immer den geflochtenen Wiffen entlang. Nach Berlingen legen wir einen Nachschmier-Stopp ein, ich schwimme ein paar Runden ums Boot. Wunderbar, der Tag ist aber auch sehr heiss, fast 30 Grad. Hier am Untersee hat es mehr Wellen und Strömung als am Obersee, ich habe Schwierigkeiten, mit unserer Strickleiter wieder an Bord zu kommen. Aber mit etwas „Gerupf" von René und ein paar blauen Flecken schaffe ich es doch noch. Die Sturmwarnung blinkt, gerade noch vor den ersten grossen Böen schaffen wir es in Steckborn in den Hafen, gleich hinter uns ist kommt auch noch die „Liberty Belle". Alle sind da, jeder ist gut versorgt. Zum Glück hören die Sturmböen bald wieder auf, und wir können das SEHR behäbige Flottenballett zur 150-jährigen Feier der Untersee-und-Rhein-Schifffahrt verfolgen… Es hat natürlich Strömung und nicht so viel Platz, und sie machen so etwas ja auch nur alle 150 Jahre, und eine internationale Zusammenarbeit Deutschland / Schweiz hat bekanntermassen ihre Tücken - aber äs bitzeli gar lang geht die ganze Sache schon! Ganz am Schluss werden wir noch mit einem traumhaften Sonnenuntergang belohnt, schöner als jedes Feuerwerk. Unsere Untersee-Woche kann beginnen!

 

Jedes Dampfboot hat seinen Hafenplatz – netterweise möglichst nahe am Ufer, damit wir das Holz nicht so weit schleppen müssen, und damit man uns sieht, sagt der Hafenmeister. Abgesehen von den ziemlich festen Terminen der täglichen Steuermanns-Besprechung um 11.00 und dem abendlichen Apero auf der „Feldbach"-Terrasse ist jeder frei und kann mit den Tagen machen, was er möchte. Am Sonntag haben wir die schon lang geplante Gästefahrt mit dem Goldschmied unserer Eheringe, Michael Erban, mit Ehefrau Gabi, Schwager Bernd und dessen Frau Vroni. Sie bringen Sonnenhüte und sechs Flaschen Wein mit und sind während der ganzen Vorbereitungen und dem Anfeuern dabei. Wir haben etwas zu früh genug Druck – das ist mal was Neues! Sonst sind wir immer die Letzten! – die „Lady" stämpfelet los, und nach der Besprechung holen sie mich an der Mole ab. Wir dampfen zum hinteren Ufer der Reichenau. Ganz aussen an der Inselspitze treffen wir uns kurz mit Guido und Claudia in einer Gondel mit Aussenbordmotor, schwätzen ein bisschen, dann geht es weiter. Zum Mittagessen treffen wir Dampfboote uns alle irgendwie, manche früher, manche später, in Herrenbrugg. Zurück geht es über Berlingen entlang dem Schweizer Ufer. Unsere Gäste haben Spass, die Ausflugs- und Kursschiffe auf dem Untersee winken uns zu und tuten brav.

 

Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Das Wetter ist etwas durchzogen, am Montag weichen wir aus und fahren zusammen mit Hansueli und Ruth „eine der schönsten Flussstrecken Europas" von Mammern nach Schaffhausen auf einem regensicheren Kursschiff ab, am Dienstag ist ein regnerischer Ruhetag angesagt. Ist egal, hier gibt es viele hübsche kleine Museen mit Sehenswertem, vom „Arenenberg", wo Napoleon III kurz lebte, bis zum goldenen Becher (ca 2200 v.C.) in EschenZ.

 

Ab Mittwoch wird es wieder sonniger und wärmer, jeder macht, wozu er Lust hat: Die „Heureka" erfährt den Zeller See und die Schweizer Ufer, die „Liberty Belle" dampft minutiös die Uferlinie des Gnadensees bis zum Reichenauer Damm – dort kommt sie nicht unter der Brücke durch - und zurück. Die „Copine" kennt viele Häfen aus ihren Seglertagen, die „Seraphine" dampft mit, so oft sie kann, Peter ist beruflich immer noch engagiert. Walter Bünter kommt vorbei, er fährt zuerst auf der „Heureka" und dann auf der „Copine" mit und ist beim gemeinsamen Fisch-Essen in Mammern (super zum Anlegen, schweizerisch teuer zum Essen) dabei. Die Bolzerns sind weg und dann wieder da, sie übernachten im „Frohsinn" und können ihr Boot gleich vor dem Hotel anbinden. Donnerstag hat die „Heureka" Gäste und zieht gemächliche Schleifen in alle Himmelsrichtungen, die „Seraphine" will zum Fischessen nach Mammern – sie waren gestern nicht dabei -, die „Copine" zieht es nach Radolfszell zum Sightseeing. Beat will mit der „Liberty Belle" nach Schaffhausen dampfen und dort wieder auswassern. Stromabwärts sei das nicht das geringste Problem, sagt er, und stromaufwärts mit einem so guten Schiff wie der „Lady Makepeace" auch nicht. Also begleiten wir das Raddampferli bis nach Stein am Rhein. Richtig wohl ist es mir nicht, beim Inseli Werd – schon bei den alten Römern der Umschlageplatz von der Seeschifffahrt mit Segeln zur Flussschifffahrt mit Staken und Treidelpfaden – würde ich eigentlich gern langsam umkehren. René will aber bis Stein am Rhein, wir dampfen weiter, und es ist wirklich ganz wunderschön hier, Naturschutzgebiet, alles romantisch und grün und mit vielen Vögeln. Wir kommen wieder in bewohnteres Gebiet, ich lenke mich ab, indem ich fotografiere: die „Liberty Belle" vor der Burg Hohenklingen, vor der mittelalterlichen Stadtsilhouette, vor den bemalten Hausfassaden, vor den hölzernen Balkonen, vor/unter/hinter der Steinbrücke… dann drehen wir endlich um, winken Beat und Martha noch einmal zu, und machen uns auf den Heimweg. Strömung, Gegenwind, aber die „Lady" stampft eifrig vor sich hin. Vorsichtshalber noch ein kleines Stossgebet an den heiligen Othmar in seiner Kapelle auf dem Inseli Werd. Ihm habe ich schon während dem Geschichtsunterricht nicht so ganz getraut, seine drei Wunder hat er nämlich erst vollbracht, als er schon ganz lange tot war! Aber vielleicht könnte er jetzt ein kleines Dampfboot beschützen… Und wirklich schaffen wir die Rückfahrt eigentlich problemlos. Der Druck geht zwar trotz eifrigem Nachfeuern stetig runter, aber ganz langsam. Und dann sind wir wieder vor Steckborn, auf dem fast spiegelglatten See. Dort treffen wir auf die „Heureka", und vom deutschen Horn dampft das echt schöne „Hochsee"-Dampfboot „Orca" heran, mit Klaus, Elsa und Michael am Steuer. Noch eine geruhsame gemeinsame Runde, wir werfen einen Blick in den Winkel hinter der Halbinsel Mettnau und auf die Liebesinsel. Beim Feierabendbier (und Erdbeerbecher für mich) in Horn spinnt Klaus Seemannsgarn, und draussen pfeift das Dampfboot „Butterfly" auf einer Feierabendfahrt. Vor Steckborn treffen wir Fritz und Bärbel und begleiten sie ein gutes Stück zurück über den eindunkelnden See mit der magischen Stimmung, es ist friedlich und windstill, landschaftlich ist es einfach perfekt hier unten, so viel Ufer… Es war ein langer Tag, unser gesamter Holzvorrat ist total aufgebraucht, mit einem Bar Druck gleiten wir an unseren Hafenplatz – wo die „Lady" sich ausruhen kann und wir noch sehr viele Schiittli bunkern müssen. Danke für die grosszügige Holzlieferung, lieber Peter und Hanspeter!

 

Freitag kommt Renés Schwester Sylvia als Gast, Esty und ihre Mutter kommen kurz im Hafen vorbei (Esty will tatsächlich wissen, ob sie auf unserem Dächlein Joga-Übungen machen könnte!), wir haben uns wieder mit der „Orca" verabredet, diesmal ist Mittagessen in Allensbach unser Ziel. Es ist wunderschön und ziemlich heiss, aber die erfahrenen Seefahrer schauen besorgt auf die Wolkenberge – gegen Abend soll sich etwas zusammen brauen. Die „Copine" will nichts riskieren und dampft schon heute zurück in den Obersee. Wir wollten eigentlich noch nach Radolfzell, aber das Wetter macht uns ein bisschen vorsichtig, mit dem Untersee und seinen Wolken, Sommergewittern und plötzlichen Winden ist nicht zu spassen. René trödelt noch ein bisschen mit Guido und Claudia herum, die wieder mit ihrer Motorgondel raus kommen, Sylvia und ich schauen besorgt zum Himmel. Wir kommen gut zurück in den Hafen, aber als wir aufs Postauto warten, da kommt er, der Donner, der Platzregen, der Hagel, die Sturmböen!

 

Als wir am Samstag in den Hafen kommen, ist alles wieder trocken, der Himmel ist bedeckt mit sonnigen Abschnitten, Tendenz zur Besserung. Die „Heureka" ist schon angeheizt und startklar. René erklärt unseren Gästen Ueli Gerber mit Ehefrau Ruth, Urs Debrunner und dessen Frau Margot die Funktionen unseres Begeisterung auslösenden Dampfbootes. Auch die „Seraphine"-Besatzung trifft ein. Wir feuern gemütlich, die Gäste geniessen die Fahrt, wir trinken Champagner. Das Wetter hält. Vor Ermatingen überholen wir die „Heureka", und als wir anlegen, überrundet uns die „Seraphine", beide fahren ohne Stopp durch bis zum Obersee. Wir beehren das Fischer- und Segler-Fest an der Stedi Ermatingen mit unserer glamourösen Gegenwart, essen alle zusammen gebackene Fischli und selbst gebackenen Kuchen, die Gäste werden hier ausgeladen, wir wollen die Seerheinfahrt alleine machen, man weiss ja nie. Wir dampfen mit viel Druck los, René feuert unermüdlich. In schönen Bögen den Wiffen entlang, das letzte Untersee-Kursschiff tutet uns zum Abschied noch einmal zu. In Gottlieben winken die liebe Ursula und viele Mittagsgäste. Schliesslich kommen wir nach Konstanz, ein rotes Schlauchboot-Kanu mit acht rudernden, biertrinkenden Männern begleitet uns unter den Brücken durch. Wir sind etwa gleich schnell, die „Lady Makepeace" hat eine Rauchfahne wie ein richtig echtes Dampfschiff und wird begeistert als ein solches wahrgenommen und bejubelt und fotografiert. In stetigem Tempo rauschen wir unter der Konstanzer Brücke durch, als wäre es gar nichts, ganz elegant und ladylike… Wir machen eine Pause vor Kreuzlingen, René braucht ein Bier und ich einen stärkenden Kaffee, und eigentlich wollen wir den Druck noch einmal aufbauen. Aber trotz Feuern steigt er nicht mehr gross an. Es ist, als hätte die „Lady" nach dieser Anstrengung genug und will jetzt einfach ein bisschen relaxen… Das Wetter hält, blauer Himmel, weisse Wolken, wir dampfen mit stetigen drei Bar Richtung Güttingen. Um halb fünf kommen wir an, zeitgleich mit der „Heureka", die sechseinhalb Stunden gemütlich durchgedampft ist. Die „Seraphine" empfängt uns schon, die Besatzung der „Copine" kommt auch noch vorbei, und wir lassen unsere genussreiche Untersee-Woche zusammen im „Schiff" ausklingen… Schön wars, wirklich.

 

 

SWR: Exkursion in die Heimat, Dokuserie

 

Donnerstag, 16.07.2015

Jetzt kommen wir im Fernsehen! Vor ein paar Wochen erhielten wir ein mail von Andreas Ellegast. Er sei vom SWR kontaktiert worden. Sie drehen eine Doku-Serie, "Expedition in der Heimat", jetzt sei der Überlinger See an der Reihe, und ob er ein paar Dampfboote für Filmaufnahmen in Bodman organisieren könne? René sagt erst mal "NEIN", zu weit, wir seien keine Deutschen, in Bodman habe es genügend lokale Dampfboote, ausserdem muss er einen Tag später auswassern und an den Walensee trailern, das wird ihm zu viel. Das verstehe ich natürlich, obwohl es schön wäre, und wir beide frei hätten, nicht wie während der folgenden Walensee-Woche, während der ich meistens arbeiten muss... Dann kommt ein nettes mail von Jochen Schmid, dem Aufnahmeleiter vom SWR. Ob wir nicht doch...? Wir seien auch als Schweizer Verstärkung herzlich willkommen. Die "Patrizia" fällt aus (kein Kessel), der anfänglich so begeisterten "Heureka" ist es, genau wie der "Orca", zu weit, Norbert von der "Münchhausen" ist in Norddeutschland, die Besatzung der "Stefanie" fühlt sich zu alt, die "Seraphine" will sich nicht herumkommandieren lassen... Die "Gustav Prym" und die "Butterfly" sind als einzige definitiv angemeldet... Na ja... Der Dreh für die Dampfboote ist erst am frühen Nachmittag geplant. Wir kämen keinesfalls am gleichen Tag nach Bodman und wieder zurück nach Güttingen... Aber wenn wir einen Zwei-Täger daraus machen würden, mit Übernachtung? Es soll ja wettermässig ein schönes Wochenende werden... Und dann direkt nach Altnau und auswassern? Wäre das möglich und machbar? Jetzt kommt die Logistik zum Zuge. Autos, Trailer, Holzlager, Persenning, Übernachtungstasche, Hotel, Termine mit den Hafenmeistern - René macht das ja eigentlich ganz gern. Er bucht ein Zimmer im "Seehaus" inklusive Bootsplatz gleich dort am Steg. Und am Freitag dampfen wir tatsächlich los Richtung Bodman. Voll geladen mit Holz - wir müssen ja hin UND zurück kommen, und dort auch noch was tun -, mit "Mänteli" und Pyjama und den schönen Hüten: schliesslich kommen wir im Fernsehen! Um 09.00 haben wir angeheizt und tuckern los. Wirklich ein wunderschöner, sehr heisser Tag. Wir kreuzen die heute nicht so häufig fahrenden Fähren problemlos (10.30), vor dem Teufelstisch eine Schmierpause und an Horst Schiel denken, nach gut dreieinhalb Stunden kommen wir am Ziel ganz hinten im Überlinger See an und vertäuen unser Bootchen unter den Augen der Mittagsgäste am Steg. Tasche, Persenning, Retour-Holz ausladen, Zimmer beziehen, dann ein gutes Mittagessen, schliesslich ist das wie Ferien und muss zelebriert werden! Mitte Nachmittag dampfen wir unauffällig Richtung Hafen. Die "Gustav Prym" samt Karl Sailer hat sich schon telegen in Szene gesetzt, die glänzende "Butterfly" ist auch schon da, Bärbel wird gerade die Nase gepudert. Ebenfalls anwesend ist eine ganz erstaunlich zahlreiche SWR-Crew mit Kameras, zotteligen Mikrophonen, Beleuchtern, Regisseuren, Moderatoren, Organisatoren... Wir drei Boote, "die Schweizer" in der Mitte, dampfen auf freundliche (!) Anweisung hin schön parallel zurück Richtung Mainau, stetig umkreist vom filmenden DLRG-Rettungsboot. Die Aufnahmetruppe turnt agil und mitsamt ihren diversen Apparaten von Dampfboot zu Dampfboot ("zu uns höchstens zwei Personen!" natürlich sind sie dann zu fünft...). Sie interviewen, wir pfeifen und schwenken unsere Hüte und meinen Sonnenschirm. Die Sonne scheint, der See glitzert, wir rauschen dahin - richtig perfekt, so muss ein Film sein! Schlussendlich ist der Dreh im Kasten, alle sind zufrieden, wir kehren zurück an den Steg bei unserem Hotel, und nach getaner "Arbeit" geniessen wir den Sonnenuntergang auf der Terrasse und investieren das unverhofft erhaltene Honorar (immerhin 200 Euro!) in ausgezeichnete Speisen und Getränke.

 

Heute gelernt: das ist wirklich ein Erlebnis, so Filmaufnahmen.

 

 

Freitag, 17. 07. 2015

Morgenessen am See, es ist WIRKLICH wie Ferien! René heizt an, ich hole noch ein paar Getränke, Holz und Zubehör werden wieder eingeladen, um 09.15 dampfen wir wieder Richtung Heimat. Ein letzter Pfiff für Hans Götz und die winkende Elfriede. Eine Stunde später beim Teufelstisch, noch eine gute Stunde zur Mainau, Fährenquerung um Viertel nach zwölf, in Altnau um halb zwei. Genug Zeit, um den Trailer zu holen, das Wasser aus dem Kessel zu lassen, auszukranen, und loszufahren an den Walensee... Alles geht gut, dann beginnt es zu giessen wie aus Kübeln. Die "Lady Makepeace" steht plotschnass auf dem Vorplatz der "Wolf-Werft" in Mols, wir beziehen unser nächstes Hotelzimmer.

 

Heute gelernt: langweilig wird es mit einem Dampfboot nie!

 

 

Die "Lady Makepeace" nimmt am world cup teil !

 

Freitag - Sonntag, 4. - 6. September 2015

Nach dem Nachtdienst packe ich ein paar Sandwiches , was zu Trinken, und ein paar Guetsli zum Kaffee ein. Dann direkt los nach Güttingen. René ist schon am Anheizen und wartet ungeduldig. Persenning, Übernachtungs-Gepäck, "Chämi-Gupf", Lunch, Kim, alles da - aber Esty fehlt! Meine Freundin wollte auch mit nach Konstanz Staad (das ist am Konstanzer Ende meiner gefürchteten Meersburg-Fähre) Über den DDV haben wir als Bodensee-Boot eine Einladung zur "world cup Aphrodite 101"-Segelregatta erhalten. Der Segelverein Staad organisiert das Ganze und hat die originelle Idee, dass die Zuschauer die Regatta ausnahmsweise nicht vom sehr fernen Ufer, sondern an Bord von Dampfbooten verfolgen sollen. Für diese Idee setzen sie sich voll ein: Hafenplätze - alle zusammen in einer Gruppe -, gut abgelagertes Buchenholz in Mengen, eine Altöl- und eine Aschentonne, grosszügigste Lunchpakete, Getränkegutscheine, Freibier, gratis Abendessen, freundliche Helfer bei jeglichen Fragen und Problemen... Ehrensache, da dampfen wir hin!

 

Esty kommt im allerletzten Moment angerannt, wir sind schon am Ausfahren, und springt von der letzten Leiter noch herüber. Zum Glück ist sie gelenkig! Danach wird es gemütlich. Wir dampferlen Richtung Konstanz, essen Zmittag, plaudern, geniessen. Esty ist das erste Mal auf unserem Boot. Sie schwimmt sogar noch eine Runde - ganz nackig - und kommt problemlos mit unserer Strickleiter zurecht. Wie gesagt, sie ist gelenkig! Nach zwei Stunden treffen wir bei strahlendem Sonnenschein in Staad ein. Die "Orca" mit Klaus Müller und Elsa ist schon da und weist uns in die Reihe ein. Der Obmann Süd ist der grosse Organisator dieses Wochenendes. Kamil und Margrit Matyscak mit der "Heron" sind schon draussen bei den Seglern, aber auch der Rest kann sich wirklich sehen lassen: die "Münchhausen" mit Norbert Drechsler und seiner Mannschaft, die "Stephanie" mit Hans Götz und Crew, dann wird es kleiner: die sehr hübsche "Asphodele" mit dem freundlichen Besitzer Wolfgang Hacker, die ich beide noch nie bewusst gesehen habe, und dann unsere noch schmalere, aber wie immer strahlende "Lady Makepeace" ganz in der Ecke. Der Empfang im Hafen ist begeistert, wir SIND aber auch eine wunderprächtige Gruppe so im Sonnenschein! Die Aphrodite-Segler dümpeln schon draussen herum und warten auf Wind für die ersten Regattas. Wir brauchen eher weniger Wind, die Beinahe-Flaute ärgert uns so gar nicht...

 

Die Zuschauer - meist Familienangehörige der Segler - strömen herbei: "dürfen wir auch mal mitfahren, bitte?" Esty räumt das Feld und unterhält sich auf der Terrasse mit den Dampfboot-Leuten, wir anderen fahren mit unseren Gästen um die Segelboote herum. Wirklich eine witzige Idee! Nur pfeifen dürfen wir nicht, sonst kommt es noch zu einem Fehlstart, weil die Signale falsch gedeutet werden. Für die armen Segler ist die Flaute eh schon mühsam genug. Das gemeinsame Abendessen im weissen Zelt über den Bodensee-Wellen verzögert sich dann auch ziemlich, weil man immer hofft, dass doch noch ein weiterer Teil des Wettkampfes absolviert werden kann... Hoffen wir für morgen auf ein bisschen mehr Wind - genug für die Segler, nicht zu viel für die Dampfboote!

 

Der Samstag beginnt etwas bewölkt, aber der Wind frischt tatsächlich ein bisschen auf - sehr gut! Während wir gemütlich anheizen, werkeln die Sportler auf ihren schnittigen kleinen Segelschiffen emsig wie die Ameisen. Wir haben schon wieder eine Liste von Anfragen ("geht mal noch einen Kaffee trinken, wir pfeifen dann, sobald wir soweit sind!") Ein Platz auf der "Lady Makepeace" ist fest besetzt von Rüdiger aus dem fernen Hamburg, unser Freund seit dem Jubiläum vom Vierwaldstättersee. Er ist samt Krücken von weit her angereist und teilt den ganzen Tag Boot und Brot, Wurst und Pullover mit uns. Wir drehen brav unsere Runden rund ums Wettkampf-Dreieck. Es ist ein ganz seltsames Gefühl, dass wir beim Anblick der anderen Dampfboote nicht freudig pfeifen dürfen, aber eben, die Startsignale... Die Regattas werden jetzt zügig durchgeführt. Wir haben auch Leute an Bord, die selbst wettkampfmässig segeln, sie kennen die Regeln und die Windrichtungen und lotsen uns ganz nahe an die Startlinie und die Wendebojen. Die Startlinie finde ich faszinierend: möglichst gute Position, möglichst genau auf der Linie - aber wenn eine Windböe kommt, darf sie kein einziges Boot über die Linie schieben und einen Fehlstart verursachen... und dann segeln sie los, etwa 40 dicht gedrängte Segelschiffe mit ihrer je 5-köpfigen Besatzung. Unser Dampfboot ist ganz nah dran, und alle fiebern mit. Präzisionsarbeit, dichtes Gewusel, haarscharfe Manöver und ein paar laute Flüche und gegenseitige Beschimpfungen bei der Wendeboje. Dann setzen alle die farbigen Spinnaker-Segel und kommen auf uns zu. Das ist der schönste, weil malerischste Moment für mich. Noch einmal eine Wende, sie werden immer schneller, und mit dem jetzt doch recht frischen Wind und vollen weissen Segeln ins Ziel!

 

Wir fahren wieder und wieder und wieder hinaus. Anstrengend, aber die Gäste haben grossen Spass an der Sache. Und das Holz (wir verbrauchen doch einiges!) muss ich auch nicht selbst schleppen - die Zuschauer prügeln sich beinahe um diese Arbeit! Das Abendessen ist sehr gut, aber wir sind "stehend k.o." und schlafen auf dem Heimweg im "roten Arnold" (das ist der Konstanzer Stadtbus) fast ein.

 

Sonntag Morgen: es ist wieder ein bisschen sonniger und wärmer. Die Bodman-Boote "Münchhausen" und "Stephanie" haben sich zusammen mit der "Asphodele" schon gestern auf den Heimweg gemacht, die "Seraphine" und die "Liberty Belle" haben die Lücke zwischen "Orca" und "Heron" gefüllt. Es hat immer noch Gäste um uns herum, heute sind es eher die Anwohner, die auch mal die Gelegenheit nutzen wollen, auf einem Dampfboot mitzufahren. Bei der Siegerehrung des "world cup Aphrodite 101" sind wir natürlich auch dabei. Die Dampfboote werden nett gewürdigt, der Obmann Süd bedankt sich artig, wir bekommen alle auch ein Erinnerungs-Brett und dazu ein liebevoll zusammengebundenes Holzrugeli als Andenken.

 

Und dann ist das Ganze schon wieder vorbei. Wir verabschieden uns vom Staader Segelverein, lassen ein paar enttäuschte Möchtegern-Passagiere zurück, und zusammen mit der "Liberty Belle" begleiten wir die "Orca" noch ein Stück auf ihrem Heimweg. Vor Konstanz treffen wir auf die Lädine aus Immenstad, die gerade hier unten auf einer Gästefahrt ist. Ein Zoll-Boot bremst ab und schaut sich unsere doch sehr merkwürdige Gruppe interessiert an. Ein "Hochsee"-Dampfboot, eine elegante englische Steam Launch, ein winziger Schaufelrad-Dampfer und eine historische Lädine - das sieht man auch nicht alle Tage!

 

Dieses Wochenende gelernt:

 

Der Bodensee ist einfach grenzenlos: Schweizer mischen sich mit Deutschen, Dampfboote mit Segelschiffen, Wettkämpfer mit Anwohnern... Sogar der Wind hat alle zusammen gleichermassen berücksichtigt!

 

 

Die "Lady Makepeace" auf Champagner- und Austernfahrt ...

 

Samstag, 3.Oktober 2015

Auch dieses Jahr lädt Hansueli zur schon traditionellen Austernfahrt zum Saisonabschluss ein. Was klein begonnen hat, wird jedes Jahr ein bisschen grösser - diesmal sind wir sogar mit unserem eigenen Dampfboot dabei, die letzten beiden Male waren wir zu Gast auf der "Heureka". Das Wetter ist - wir bis jetzt immer - sehr gut: ein kühler, aber strahlend schöner Herbsttag, die Bäume am Ufer sind schon verfärbt, der Himmel hängt voller Geigen, Schäfchenwolken und Zeppeline und strahlt in einem seidigen und tiefen Blau. Auf dem leicht bewegten See tanzen Dunstschleier gemischt mit Rauchschwaden.

 

Vor Altnau treffen wir uns: die "Seraphine" und die "Lady Makepeace" nehmen die "Heureka" in die Mitte (schliesslich hat Hansueli die Austern dabei!) und machen auf dem See ein "Päckli". Zuerst eine laute Begrüssung von allen an alle - schliesslich sind wir "unter uns": 11 (!) Dämpfeler auf drei Booten! Peter und Annegret ("Seraphine") haben Hanspeter und Sylvia von der "Copine" dabei, bei uns ist Markus Toscan von der "Eva" (und vom "Ole"), und als Überraschungsgäste haben wir auch noch Wolfgang und Resi von der "Theansa" mitgebracht. Eigentlich wären sie gerne mit dem eigenen Dampfboot von Bodman her angereist (sie sind gerade dort in den Ferien), aber es ist doch ziemlich weit für einen Tag, und sie kommen auch gern mal zu uns auf Schiffli.

 

Begonnen wird das Gelage natürlich stilecht mit einem Gläschen (Öpfel-) Champagner, begleitet von gerade aus Schweden importierten Kartoffelchips von Markus - Wolfgang und Resi sind gebührend beeindruckt. Eine silberne Käseplatte ("Seraphine") wandert von Boot zu Boot, der Weisswein ("Lady Makepeace") und das Bodman-Tröpfchen in Rosé ("Theansa") werden herumgereicht. Hansueli öffnet seine Austern. Wir beide schielen wachsam auf deren Konsum: die meisten essen keine Austern oder höchstens eine "zum Probieren", nur Resi kommt auf den Geschmack und greift zu. Aber bei einem 24-er-Körbchen hat es zum Glück genug für uns Geniesser, die andächtig ein bisschen Zitrone darüber träufeln und dann genüsslich schlürfen - ein Schlückchen Sancerre dazu... und die Schale in hohem Bogen in den See! Ja, DAS ist das Leben! Selbst gebackenes (ehrlich wahr!) Baguette und gesalzene beurre du capitaine ("Heureka") passt zur geräuchten Forelle ("Lady Makepeace") und zum Schweden-Lachs ("Eva"), irgendwoher kommen noch kleine belegte Brötchen ("Seraphine")... Mineralwasser wäre zwar auch noch da, das will aber kein Mensch. Einerseits ist der Wein zu süffig, andererseits hat keines der Boote ein WC... Ab und zu umkreist uns ein neugieriges Segelboot, oder eine Motorjacht tuckert vorbei und schaut neidisch. Irgendwann sind wir vor Meersburg - fast 10 Kilometer haben uns der Wind und die Strömung getrieben! Mein Windermere-Kessel macht Tee und Kaffee zum reichhaltigen Schoggikuchen ("Copine"). Ein hübscher Holzsegler bekommt noch den letzten Wein herübergereicht, dann heizen wir alle wieder an - und erneut ist eine ereignisreiche Dampfboot-Saison zu Ende gegangen... Die Erinnerung an schöne Erlebnissen, nette Freunde, interessante Treffen, zum Glück keine grösseres Ungemach... an all das wird uns den dampflosen Winter erwärmen!

 

Heute gelernt:

 

Die Austernfahrt hat immer schönes Wetter, hat immer genug zu Trinken und zu Essen, und ist einfach immer merveilleux!